Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 40 (29.9.1851)
- Date
- 1851-09-29
- Page
- Seite 477 (sequence 9)
- Language
- German
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477 Trost zu nähren in den Uebeln und Kraft zu schöpfen in den Schwächen des Lebens? Oder werdet Ihr in dem ewigen Wandel der Zeiten es veröden lassen und verfallen, eine Trümmerstätte vergangener Zeit, der Väter vergesse», verloren und verlassen? — Nimmermehr! Dieweil des Ewigen, Nimmerzuentbehrenden dieses Haus ist! Wir habe» gepflügt, gegraben, gepflanzt — sie werden im Schatten sitzen und ernten und genießen die süße Frucht des Lebens — und damit seid gesegnet, kommende Geschlechter dieser Gemeinde, schon in dieser Stunde!- Doch zurück, m. Fr., zur schönen Gegenwart dieser Stunde voll kräftigen Lebens! Eine kleine Gemeinde, kaum anderthalb hundert die Zahl der Familien, wenige mit der Fülle irdischen Gutes ausgerüstet, die große Mehrzahl nur im Schweiße des Angesichtes eben ihr Brod erwerbend — sie haben gebaut ein stattliches Haus, nicht dem Erwerbe gewidmet, nicht dem Vergnügen geweiht — wem denn? Einem Gedanken, einem tiefen Gefühl und Gedanken. Und welcher ist dieser Gedanke, dieses Gefühl? Je mehr Opfer ein Werk gekostet, und sie wurden gebracht, je mehr Schwierigkeiten zu überwinden wa- ,«», und sie wurden überwunden — desto stärker muß oieses Gefühl, desto bedeutender dieser Gedanke gewesen sein. — Wohlan, Israeliten, Männer dieser Gemeinde, wenn man Euch früge; wozu habt Ihr, mit welchem Zwecke, mit welchem Gedanken dieses Haus gebauet — Ihr würdet antworten die einfachen Worte des Propheten (Jes. 55, 4.): trmb n» •)!■: Siehe! zum Zeugen haben wir es hingestellt vor den Menschen! Denn Ihr wußtet wohl (Ps. 78, 5. 7. 8.): sVi obp3 D'PibKa wto; i?ab rw öj?;7 to “iil tibi -NLhi 1'n'iLvi bt* •'bb??a ’ina'ttr iimi bs nsj haa.t« tibi iab ■par? Ein Zeugniß stellte er auf in Jakob, daß ihr Vertcaun auf Gott sie setzten, der Thaten Gottes nicht vergäßen, und wahrten sein Gebet, daß sie nicht würden ein Geschlecht, deß Herz nicht fest, deß Geist nicht treu an Gott! l. Siehe, zum Zeugen haben wir es hingestellt vor den Menschen! Und was soll es bezeugen? Wessen ist dies Haus ein Zeugniß? Es ist zuerst und vor Allem das Zeugniß Eures Bekenntnisses! M. Fr.! Jenseits des Meeres, in einem weit entlegenen Winkel der Erde, umgeben von Wüsten, umschlossen von Felsen und Berge», ward auf unsere Lippen «in Bekenntniß gelegt — und siehe, wir haben es getragen über Meere und Länder, über Berge und Ebenen, getragen bis hieher- und weiter über alle Zone» der Erde. In grauer Urzeit, als Finsterniß deckte die Erde, ward ein Bekenntniß eingepflanzt unseren Geistern, und wir haben es getragen durch vier Jahrtausende und nicht gelassen in allen Stürmen der Zeiten, über tausend erstandene und untergegangene Völker, über tausend erbaute und wieder zertrümmerte Throne und Reiche hinweg. Alles wechselte, nur wir nicht in unserm Bekenntnisse, Alles wich der gewaltigen Macht der Zeit, nur wir nicht, wir trugen es bis heute und fürder noch. Als freies, selbstständiges Volk empfingen wir dies Bekenntniß und haben cs getragen als Solches anderthalb Jahrtausende, und ließen es nicht, als unsere Freiheit zur Knechtschaft, unsere Selbstständigkeit zur Gehörigkeit ward, ließen es nicht, als wir zum Hohn und Sprüchwort der Völker worden, als Verfolgungen unerhörter Art über uns ergingen, aber ließen und lassen es auch nicht, da wir wieder geduldet, frei, eingereiht den Völkern, Bürger des Staates, Glieder der Gesellschaft sind. Sondern, m. Fr., Front machte Israel zu aller Zeit für sein Bekenntniß, und war es einer Welt gegenüber, nicht um anzugreifen, nicht um seine religiöse Ueberzeugung Anderen, Vielen oder Wenigen, aufzudrängen, niemals zog Israel das Schwert, Andere zu seinem Bekenntniß zu zwingen, niemals legte es den Fremdlingen in seiner Mitte Ausschließungen auf, um sie zu seinem Glauben zu drängen, aber Front, um seine Lehre zu vertheidigen gegen Jedermann, um sie sich zu erhalten, sich und der Welt, die nach und nach zu ihr sich bekennen, sich ihr stillschweigend unterwerfen würde, wie es immerfort geschehen und geschieht; Front machte Israel, dem Wahnwie dem Unglauben, dem Jcrthum wie der Leugnung gegenüber. Denn dieses Bekenntniß, ihm fällt der Verstand mit seinen Schlüssen zu, ihm stimmt das Herz mit seinen Gefühlen und Empfindungen bei, ihm widerspricht nicht die Vernunft, und widerstreitet nicht das Gemüth — es ist das Bekenntniß des einigen, einzigen, übcrweltlichen Gottgeistes, der alle Welten und Wesen alö eine Einheit geschaffen nach seinem Gedanken und durch seinen Willen, und den Menschen geschaffen in seinem Ebenbilde; es ist das Bekenntniß, daß die Grundlage alles menschlichen Seins ist die Liebe, die die Selbstsucht, 40*