Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 40 (29.9.1851)
- Date
- 1851-09-29
- Page
- Seite 475 (sequence 7)
- Language
- German
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475 deren längste Seite nach der Lokalität die Morgenseite sein mußte. Der innere Raum ist höchst einfach gehalten, sehr hoch, gewölbt, die Balkensparren in gothischer Form aus den Wänden hervortretend. Von dreien Seiten hohe Emporen auf schlanken Säulen, dem Eingang von der Straße gegenüber die Orgel, dem Eingang vom Hofe gegenüber auf der Morgenseite die heilige Lade; über der Orgel ein großes rundes Fenster von rothem und weißem Glase in gefälligster Form. Die Morgenseite mußte ganz Mauer sein; aber in die entsprechenden 7 Fensternischen wurden Inschriften in hebräischer und deutscher Sprache angebracht, die einen bedeutenden Effekt machen. In der Mitte über der heiligen Lade das Bekenntniß in ynn tnni b8 'rr % in die übrigen Kardinaltugenden, und zwar in Schriftsprüchen, die mit dem bezeichnenden Worte beginnen: 'N n8taP Gottesfurcht, wnb8 N2N Gotteserkenntniß, N2N8 Liebe, PNL Gerechtigkeit, önunpnm Heiligung, im® 1212) Umkehr zu Gott (Buße). Die übrigen Seiten haben hohe Fenster, so daß die Halle sehr licht ist; am Abend geschieht die Beleuchtung durch drei große bronzene Kronleuchter mit 150 Kerzen, und viele kleinere unter den Emporen. Die prächtigen Vorhänge, Decken für ‘jnbtt) und Kanzel, in Berlin gearbeitet, sind ein Geschenk eines desfallsigen Damenvereins. Noch mancherlei Schmuck und Gabe ist vorhanden: Gott verleihe Segen den Spendern! Am 14ten, Vormittags 10 Uhr, geschah die feierliche Einweihung unter außerordentlicher Theilnahme der städtischen Behörden und Bevölkerung, so wie der der Umgegend. Es waren 1800 Karten ausgegeben außer dem sehr zahlreichen fungirenden Personal, so daß der Raum, ohne zu großes Gedränge, circa 2000 Personen faßte. Es begann die Feier durch eine Introduktion der Orgel und eine einleitende Musik, zu der der Leiter des musikalischen Theiles, der Musikdirektor Herr Mühling sehr glücklich die Ouvertüre zum Oratorium Simson gewählt hatte. Hierauf sang das 80 Personen starke Chor folgendes Lied: 1. Unendlich ist der Herr und unbegreiflich, Der alle Sterne Heere wägt, Und aller Welten Heere tragt. Und alles Leben dacht' und schuf Durch Seinen Ruf — Ihm bauten wir ein Haus; 2. Ein Haus, nicht Ihm, der in dem Weltall thronet, Der in den Wettern spricht, im Blitz, Nicht Ihm zum engbegrenzten Sitz — Denn aller Himmel Himmel nicht Umfaßt Sein Licht, Faßt Seine Majestät — 3. Ein Haus für uns, die wir im Staube wohnen, Wenn Mühsal unser Herz bedrückt, Wenn Er uns Freud' in's Herz geschickt, Wenn unser-Geist, dem Licht betraut, Erkenntniß schaut, Ihm Lob und Preis zu weihen. 4. So stehe, Haus, der Zeiten lange Reihe, Und unter Deinem hohen Dach, Da werde Recht und Liebe wach, Da fliehe Zweifel schnell und Wahn Von unsrer Bahn, Die uns zu Zhm geleite! Es folgte “jms ■»üiöv *^2)8 in Responsen von Vorbeter und Gemeinde mit Orgelbegleitung gesungen, nach dessen Beendigung der Chor mit 182) einfiel, wobei die Pforten sich öffneten und der Zug mit den Torarollen die Schwelle übertrat. Derselbe war folgendermaßen gebildet: voran 4 Konfirmanden mit großen, mit Blumen umwundenen, brennenden Kerzen, 10 Konfirmandinnen, weißgekleidet, Blumen streuend, sammtlich paarweise, hierauf der Geistliche mit einer Tora, dann paarweise 16 Träger von Torarollen, endlich wieder 4 Konfirmanden mit Kerzen. Unter dem Gesänge von Ps. 24, 7—10. begab sich der Zug auf die Tribüne (Almemor), und der Geistliche sprach das i^nnw. Unter Abft'ngung des 121 82 W251PJ 'n 828 geschahen in obiger Ordnung die 7 Umzüge. Mit dem siebenten Male zog der Zug die Stufen der heiligen Lade hinauf, zwischen Kanzel und Lade hindurch: der Geistliche sprach hebräisch und deutsch das b8fcrüP 3>?:2), wobei mit gewaltiger Wirkung das Chor mit Posaunenbegleitung einfiel: Ja, einig ist, ja, einzig ist Der Gott, den wir verehren. Der Gott, zu dem wir beten, Der Gott, vor dem das Knie sich beugt, Das Herz erbebt, das Herz erjauchzt, Der Gott, der alle Welten schuf,