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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-09-29 · Heft 40 (29.9.1851) · p. Seite 472

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 40 (29.9.1851)
Date
1851-09-29
Page
Seite 472 (sequence 4)
Language
German
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472 lein der Festgesinnten schon überall sammeln und wissen, wie es sich gegen Renitente zu verhalten hat. So aber hängt Alles in der Schwebe, Jeder will ein Recht, Niemand eine Pflicht haben, und es versinkt Alles in die unbegrenzteste Unordnung. Aus der Provinz Posen, 19. September. (Privatmitth.) Bon der Stadt Posen wurden bis jetzt 30 Elementarlehrer besoldet, nämlich: 16 katholische, 11 evangelische und— nur 3 jüdische. Die Bevölkerung der Stadt P. wird auf 40 bis 43,000 Seelen angegeben, von denen die eine Hälfte auf die polnische (katholische) Einwohnerschaft gerechnet wird, die andere Hälfte auf die Deutschen und Juden. Zehntausend Juden wohnen in P. gewiß, und — 3 Lehrer müssen genügen. Man denke sich die Uebervölkerung in den Klassen der jüdischen Schule! Wir haben übrigens in diesen Blättern schon oft genug über diesen Punkt geschrieben. In No. 35 vorigen Jahrganges hat man uns nur widersprochen, nicht widerlegt. Doch dem sei nun wie ihm wolle; jedenfalls sieht Jeder ein, daß drei jüdische Lehrer für P. zu wenig. — Was uns heute wieder auf diesen Gegenstand bringt, ist nichts Anderes, als die Debatte in einer der letzten Gcmeinderathssitzungen zu P. Es handelte sich um die Genehmigung oder Verwerfung eines von Seiten des Magistrats (im Namen der Schuldeputation) gestellten Antrages, dahin lautend, daß an den städtischen Schulen noch 2 evangelische (deutsche) Lehrer angestellt würden. Der Antrag wurde angenommen; er wurde es trotz der heftigen Gegensprache des vr. Matecki, welcher die polnischen und katholischen Schulen, weil deren Klassen am überfülllesten, mehr berücksichtigt wissen wollte. Der Antrag des Magistrats wurde angenommen und die Anstellung der beiden evangelischen Lehrer beschlossen. Aber wenigstens hatte doch ein Pole für seine Nation, ein Katholik für seinen Glauben gesprochen. Warum hatdaskeinJudegethan? Warum ist Keiner der jüdischen Gemeinderäthe (drei waren anwesend) für die jüdische Schule in die Schranken getreten? Warum hat Keiner von ihnen der so nothwendigcn Vermehrung der jüdischen Lehrer das Wort geredet? Warum haben sie geschwiegen, wo es Zeit war zumReden? — — — Wir konnten diese Fragen nicht zurückhalten. Aber mehr wollen wir Nichts hinzufügen. Und brauchen es auch nicht. Der denkende Leser versteht das Uebrige von selbst. In Nakel treibt das Gespenst des ParteienfireiteS sein Wesen auf die fürchterlichste Weise. Es handelt sich (wie in No. 31 d. Bl. bereits mitgetheilt worden) um die Anstellung eines neuen Rabbiners, der ä tout prix modern sein soll. Neustadt aus Schloppe in Westprcußen (s. No. 34 d. Bl.) hat gepredigt, gefallen und einen bedeutenden Anhang sich erworben. Nach ihm hat es einem voctor pbilosophiae, einem studirten und sehr gebildeten jungen, jüdischen Theologen, auch gelüstet, auf eine Rabbinerstelle im Großherzogthum sein Auge zu werfen und sich nach Nakel zu melden. Er hat auch gepredigt, auch gefallen und auch Anhang gewonnen. Nun sind zwei Parteien da, die eine für den Westpreußen, die andere für den Doktor. Jene ist zwar größer, zu dieser gehört aber der einflußreiche Vorstand. Der Kampf soll ein sehr heftiger und an Entscheidung vorderhand noch gar nicht zu denken sein. — „Alles schon da gewesen!" sagt Gutzkows Rabbi Ben Akiba. Dieses Wort läßt sich auch auf das anwenden, was wir Ihnen von Rogascn zu erzähle» haben. Dort ist ein Schochet der Gegenstand des Streites der Parteien. Dieser Mann, seit 1 */* Jahren angestellt, ist der Orthodoxie mißliebig geworden und sie hat sich einen andern Schächter angenommen. Zufällig sind aber die Mitglieder dieser Fraktion grade die Wohlhabendsten, und so versteht es sich von selbst, daß durch ihre Separation der Krupka ein nicht unbedeutender Abbruch geschieht. Was folgt hieraus? — Was nolhwendiger Weise folgen muß: die Gemeindekasse leidet, und der ohnehin gedrückte Beamtenstand mit ihr. — Das ist aber noch nicht Alles. Solche Trennungen in einer Gemeinde ziehen in der Regel ein großes Gefolge von Konflikten und unangenehmen Auftritten nach sich, — und daß es an Solchen in R. nicht fehlt, brauchen wir wol erst nicht zu sagen.-Und wann wird die Zeit kommen, wo wir Ihnen aus den Gemeinden Israels werden Besseres berichten können? — Uns scheint dieselbe noch sehr fern zu liegen. Es sei denn, daß die Regierung sich wieder unserer annimmt, und durch strenge Gesetze Ordnung und Regelung bringt in das Chaos, das leider! bei uns schon sehr weit um sich gerissen. Das wäre sehr zu wünschen. — Nach §. 15 der Verfassung

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