Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 39 (22.9.1851)
- Date
- 1851-09-22
- Page
- Seite 463 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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463 kn nicht. Wir erwähnen von diesen nur den „Rabbi Barmen", dem wir aber eine andere Form gewünscht hätten. — So bietet der Breslauersche Kalender des Ernsten und Heitern, des Unterhaltenden und Belehrenden Ln bunter Mannichfaltigkeit. Wir können denselben daher jedem Leser, weß Glaubens er auch sei, nachdrücklkchst empfehlen. Meyer Lewy. Aus der Altmark, im Juli. Hebräische Gebetstellen mit Wortübersetzung für den Iugendunterricht versehen und durchgehends akzentuirt von F. I. Liebrecht, Sprachlehrer. Zweite verbesserte und vermehrte Auflage. Breslau, 1851. Druck von H. Sulzbach. 8. 94 S. Wir nehmen diese neue Gabe des fleißigen Verfassers sehr dankbar an. Dem Gebet in der hebräischen Sprache (sie ist Gebetssprach durch und durch) räumen wir, da hier die Laute und Worte unmittelbar dem Quell der Gotteserkenntniß entflossen sind, einen großen Vorzug vor dem in anderer Sprache ein, nur daß wir dies hier nicht den Nichtkennern dieser Sprache und den vielen Ignoranten, die in dieser Hinsicht im heutigen Israel vorhanden, so wie denen, deren Unglauben sie zu keinem Gebete kommen laßt, beweisen können; denn dies hieße mit Blinden von Farben sprechen. Herr Liebrecht hat hier eine sehr gute Auswahl aus dem Gebetbuche getroffen, die völlig für die Jugend hinreicht, diese Gebetstellen wortweise mit Ziffern versehen und jedesmal die einfachste, der Wurzel entsprechendste Uebersetzung treu wiedergegeben. Auch ist die hier zuerst getroffene Einrichtung vortheilhaft, sammtliche Wörter durch ein Metheg-Strichelchen zu akzentuiren. Wir empfehlen dies Büchlein den Familien, die hier eine gute Auswahl der Gebete finden, und insbesondere den Schulen. U. Belletristisches. Der unbekannte Uabbi. Eine Novelle. (Fortsetzung.) 3. Der lange Rebi. In meiner lieben Eltern Haus War ich ein frohes Kind. Uhland. Süße Kindheit, liebliche Blüte der Unschuld, du duftest zweimal dem Menschen; einmal, wenn er in dir glücklich ist und dein Leben ihn tragt über Wiesen und Abgründe im leichten Flug, dann, wenn er im Alter die müden Augen noch einmal auf dich richtet und die unnennbare Sehnsucht ihn nach dir ergreift, wenn er dich dann zwar nicht wieder erlangen, aber dein Bild, wie das der verlorenen Geliebten, vor ihn treten kann, mit der beseligenden Erinnerung: ich habe dich so sehr geliebt und du warst so glücklich mit mir! — Warum gewährt die Erinnerung an die Jahre der Kindheit eine so volle Befriedigung? Weit wir damals Alles liebten und Alles liebte uns, weil wir nur das Licht sahen, ohne die Schatten, weil das Gefühl der Unschuld unserm Wesen eine Vollkommenheit, oder jenen Vollgenuß des Daseins verlieh, den das Leben nachher nie wieder gewinnt, denn schon im Knaben pocht die Sehnsucht nach dem unbekannten Lande, in welchem er die Früchte seines Strebens genießen will, eine Sehnsucht, die uns nie wieder verläßt und nur dann unterbrochen wird, wenn die Kindheit mit ihren lieblichen Bildern un5 Gebilden wieder vor unfern von der Welt umnebelten Blick in süßer Erinnerung tritt, oder wenn sich dem Greise im Wachen und Traumen des Tages oder in den Tiefen der Nacht jener Paradieftsgarten der Kindheit wieder aufthut. — Heilige Stunde, wo zuerst der Kelch des jungen Menschenherzens, in dem nur die Freude und nicht die Leidenschaft pocht, sich erschließt und das Gefühl des Jchs entsteht und sich anreihet den unendlichen Wesen um sich her als eignes Wesen! Noch stehst du vor mir. Es war ja an einem Freitagabend, ich stand, ein dreijähriges Kind, vor unsrer Hütte, ich sehe die Sonne noch untergehen hinter den Bergen, das Gold noch, das sie auf den dunkelen Gipfeln verbreitete, das feurige Roth am I blauen, unbewölkten Himmel, ich sehe noch die plätschernde j Quelle vor der Thür, schaue hinüber nach dem Teiche j auf welchem zwei Schwane zogen, nach dem weißen! Pfarrhause am Rande des Teiches, und wie die Abendstrahlen in die gothischen Fenster dieses Gebäudes drangen — es war ja sehr stille im Dorfe, denn Alle waren auf dem Felde, von der Kulm herab kamen die Heerdcn und ihr Reigen ertönte und machte das Herz des Kindes hüpfen vor lauter Lust und Wonne, dem melodischen Kuhreigen gab die Glocke des Thurmes Antwort, die die Menschen heimrief zum Heerde, in unserm Hause war die alte Muhme beschäftigt, die der Vater in's Haus genommen und die Mutterstelle bei mir und den Geschwistern vertrat, da hörte ich von fern meinen Namen rufen, es war der heimkehrende Vater, der mich rief.