Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 39 (22.9.1851)
- Date
- 1851-09-22
- Page
- Seite 461 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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461 sche Gemeinde an die anderen glaubensgenössischen Gemeinden in Ungarn gerichtet hat: Ehrsamer Vorstand. Wir entledigen uns einer angenehmen Pflicht, indem wir Ihnen und Ihrer geehrten Gemeinde hiermit eine Mittheilung geben, die gewiß überall, wohin sic gelangt, einen freudigen Eindruck machen wird. Vor einigen Tagen nämlich hatte unser hochverehrter interim. Chef der hohen k. k. Statthalterei die huldvolle Gnade, einige achtbare Persönlichkeiten der hiesigen israelitischen Gemeinde zu sich zu bescheiden, und diesen auf eine wahrhaft herzgewinnende Weise die so sehr erfreuliche Versicherung erkennen zu geben, daß die in jüngster Zeit allerhöchsten Ortes angeordnete Revision der Reichsverfassung weder eine Aenderung noch eine Beschränkung in dem Grundprinzipe der politischen Gleichberechtigung aller Konfessionen nach sich ziehen werde. Se. Exzell, unser höchst verehrungswürdiger interim. Herr Landeschef hatte zugleich die Gnade zu erlauben, diese gütige Aeußerung auch in weiteren Kreisen zu verbreiten, um nach dem wörtlichen Ausdrucke Hochdeffelben jede etwa mögliche Besorgniß oder Befürchtung mancher Einzelner unserer Glaubensbrüder durch die Versicherung, daß sie auch fortan im Genüsse der ihnen von der Gnade unsers erhabenen gütigen Monarchen zugekommenen Rechte unbezweifelt verbleiben werden, zu zerstreuen und zu beseitigen. Mögen Sie nun, geehrter Vorstand, zur Würdigung dieses so sehr humanen Aktes die Kunde davon den Ihrigen mittheilen, und daran die naturgemäße Ermahnung anknüpfen, wie es unsere heiligste Pflicht sei, unsere unverbrüchliche Treue und warme, eifrige Anhänglichkeit an das erhabene angestammte Kaiserhaus, dem wir ein so thcucrcs unschätzbares Gut zu verdanken haben, auf jede nur mögliche Weise thatsächlich zu bezeugen, und daß wir selbst bestrebt sein sollten, durch unsere eigene Handlungsweise, so wie durch unfern Einfluß in der Heranbildung unserer Kinder und Zöglinge Alles, was dem treuen Unterthan und dem loyalen Staatsbürger pflichtgemäß zukömmt, mit allem Eifer und der möglichsten Hingebung zu erfüllen. Mit freundschaftlichem Gruße verharren wir achtungsvoll Pesth, am 3. September 1851. Der prov. Vorstand der israel. Kultusgemeinde. Wir haben noch hinzuzufügen, daß aus Anlaß dieser erfreulichen Zusicherung heute (4.) im israelitischen Tempel ein feierlicher Gottesdienst stattfand, bei dem der ehrwürdige Herr Obcrrabbiner Schwab eine gediegene Gelegenheitspredigt hielt und zum Schlüsse die österreichische Volkshymne abgesungen wurde. (Dem Vernehmen nach haben auch die Herren Statthalter von Böhmen und Mähren ähnliche Aeußerungen gethan. Redakt.) Prag, im September. (Fr. S.Ztg.) In Prag hat der Magistrat die Verordnung erlassen, daß ohne seine Bewilligung und Meldschein kein Jude die Christenquartiere beziehen dürfe. Der Uebertreter dieser Verordnung muß 72 Fl. K. M. Strafe zahlen. Lemberg, 7. September. (Lloyd.) Unter den zahlreichen Arbeitern an der Eisenbahnstrccke von Krakau nach dem Dembika trifft man auch viele Juden; ein Beweis, daß diese keine Arbeit scheuen, um ihr Brod zu verdienen, und hätte Galizien gleich Oesterreich, Böhmen und Mähren Fabriken, wo viele Hände Beschäftigung finden, so würde man hier zu Lande weniger Müssiggänger und an den Wegen weniger Bettler finden. Mangel an arbeitenden Händen veranlaßte mehrere Gutsherren, einen Aufruf an jüdische Schnitter zur Ansammlung ihrer Feldsrüchte zu erlassen, und jüdische Arbeiter kamen; jüdische Arbeiter drängen sich um kargen Tageslohn zur Aufwerfung der Bahnwälle, und wenn später das Projekt der Kolonisirung sich verwirklicht, so wird man der Agrikultur nützliche und arbeitsfähige Hände gewinnen. Großbritanien. London, 10. September. Vorigen Freitag, am Jahrestage der Befreiung der Juden von Damaskus, wurde in Ramsgate eine Synagoge eingeweiht, welche Sir Moses Montesiore zum Andenken an die bekannte Damaskus-Verfolgung bauen ließ und ganz auf seine Kosten unterhält. Literarische Nachrichten. Breslau, im September. Deutscher Volkskalender und Jahrbuch. Insbesondere zum Gebrauche für