Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 39 (22.9.1851)
- Date
- 1851-09-22
- Page
- Seite 460 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225714-3225754--11973-3242117- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
460 nicht existiren, schnelle Nachahmung fände, und daß da, wo die städtischen Schulbehörden hierfür Nichts thun wollen oder können, die jüdischen Vorstände dieser Sache sich annähmen und sie alsbald zur Ausführung brächten. Ueber die schneidemühler Kultusstreitangelegenheit (s. unfern Bericht in No. 34 d. Bl.) erfahren wir, daß das berliner Rabbinat „in Rücksicht auf die Wichtigkeit der vom Ministerium ihm vorgelegten Fragen" ein Konzilium von 10 anerkannten jüdischen Theologen um sich zu versammeln beschlossen hat.— Sollten die fraglichen Punkte wirklich von so schwieriger Natur sein, daß das Rabbinatskollegium von Berlin allein über dieselben nicht zu entscheiden vermag? Kann sein. Der schncidemühler Korrespondent der P. Z., welcher neulich auch über diesen Gegenstand berichtete, fand sich — wir wissen nicht, wodurch?—bewogen, am Schlüsse seines Artikels folgende Bemerkung dem Publikum zum Besten zu geben: „Die Entscheidung dieser Fragen wird von den nachhaltigsten Wirkungen auf die Gestaltung vieler anderer Gemeinden sein, indem sich, wie hier, das Prinzip des Fortschrittes gegenüber der Orthodoxie geltend zu machen sucht." Wir unsererseits erlauben uns erstlich, die „nachhaltigen Wirkungen auf andere Gemeinden" in bescheidene Zweifel zu ziehen, dann aber auch ebenso bescheiden zu bemerken, daß hier zu Lande nicht überall, ja nur äußerst selten, wo „Neu" gegen „Alt" kämpft — und noch so wüthcnd kämpft —auf der erstern Seite im „Prinzip des Fortfchrittes" oder überhaupt nur in einem „Prinzip" das Motiv des Kampfes zu suchen ist. Lgpienli sat. Die Abgelösten in Lissa haben vom Ministerium die Erlaubniß, einen besondern Kultusverband zu bilden, erhalten, wahrend sie mit ihren sonstigen Ansprüchen an die alte Gemeinde vor die betreffende Gerichtsbehörde gewiesen worden. Solche Bescheide sind nicht neu. Im Jahre 1848 sind dergleichen viele sowol von den Ministerien, als auch von den Bezirksregierungcn andre „abgczweigten Juden", deren es dazumal fast, in jeder Gemeinde des Großherzogthums Biele oder Wenige gab, erlassen worden. Die Bildung besonderer Kultusverbände ist übrigens den Juden in Preußen auch in vormärzlichen Zeiten nie benommen gewesen. Um bei etwa vorkommenden Sterbefällen nicht wieder mit der alten Gemeinde in Konflikt zu gerathen (vergl. unfern Artikel in No. 34 d. Bl.) wollten die Abgelösten in L. neulich ein nahe am jüdischen Gottesacker gelegenes Stück Land an sich kaufen, haben aber, wie wir hören, ihren Zweck nicht erreichen können. Auch sollen die Schritte, welche neuerdings zu Vermittelung der Parteien gethan worden, nicht weit geführt haben. Die Gemeinden Jnnowraclaw und Strzelno sind neulich durch einige Predigten des Herrn Pleßner aus Posen erbaut worden. Die Regierung von Bromberg verlangt jetzt von jedem in ihrem Verwaltungsbezirke anzustcllenden jüdischen Lehramtskandidaten ein Z eugniß über dessen Fähigkeit, den Unterricht in der Religion zu ertheilen, und soll dieses Zeugniß von einem Rabbiner ausgestellt sein. Wir werden auf diesen Punkt in unserm nächsten Berichte noch einmal zurückkommen. Königsberg, 8. September. (V. Z.) An den Grenzorten wird in der neuern Zeit auf die russischen Ueberläufcr, besonders wenn es Rekruten jüdischer Konfession sind, mehr als jemals strenge gewacht, um ihre Auslieferung möglich zu machen, und so die furchtbare Strenge des Gesetzes zu neutralisiren, nach welchem bei einer Desertion sofort 3 andere junge Leute aus der Gemeinde, zu welchen der Entlaufene gehörte, ausgehoben werden. (!!) Köln, 11. September. Die gestrige Köln. Ztg. brachte einen kurzen Artikel über die Theilnehmrr an einer allerdings höchst unwürdigen und strafbaren Katzenmusik. Sie zählt die Theilnehmer auf, und zwar mit folgenden Worten: „Von diesen 21 Theilnehmern sind 6 Juden, 8 Handlungsdiener, 2 Landwehrmänncr, 1 Referendanus, 1 Schreiber auf dem Landrathsamte." Sv sehr wir es tadeln, daß Juden darunter waren, so fragen wir doch: was veranlaßt die Zeitungsrcdaktoren die „6 Juden" wie einen besondern Staub neben Schreibern, Handlungsdienern u. s. w. besonders zu nennen? Oesterreichischer Kaiserstaat. Pesth, im September. Die Pesther Ztg. theilt folgendes Schreiben mit, welches die hiesige israeliti-