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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-09-22 · Heft 39 (22.9.1851) · p. Seite 459

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 39 (22.9.1851)
Date
1851-09-22
Page
Seite 459 (sequence 3)
Language
German
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459 zu erringen sein möchten, und so hat er denn endlich heute sein Geld genommen und wird uns hoffentlich bald seine beglückende Gegenwart entziehen. Unsere Gemeinde ist durch dieses Erlebniß um etwa tausend Thaler ärmer, aber um eine große Erfahrung reicher geworden. Möge sic sich dieselbe bei der Wiederbesetzung dieser Stelle möglichst zum Nutzen gereichen lassen. Aus der Provinz Posen, im September. (Privatmitth.) Freuet euch, ihr Ghillany's, ihr Eisenmenger's und Konsorten! Euere Fabeln und Mährchcn kommen wieder in Kours. Leset den Goniec polski — notabene, wenn ihr Polnisch verstehet — und ihr werdet in die Hände klatschen und laut aufjubeln vor Wonne. Denn dieses Blatt, eine in Posen erscheinende politische Zeitung, erzählt euch Dinge aus der großen Stadt Krakau, wie ihr sie nicht besser wünschen könnet, Dinge, wie sie gerade in euern Kram passen. Denkt euch! ein jüdischer Kaufmann, Namens Wechsler, wird beschuldigt, an einem Christenknäblein, dessen Mutter er listiger Weise aus dem Hause zu entfernen gewußt, die Zeremonie der Beschneidung vorgenommcn zu haben. Diese ruchlose That sei alsbald entdeckt, der Verbrecher verfolgt, eingeholt, vom Pöbel mißhandelt und alsdann den Gerichten übergeben worden. Wie ein Lauffeuer habe sich die Nachricht von diesem Ereignisse durch einen großen Theil der Stadt verbreitet und das krakauer Volk gegen seine jüdischen Mitbürger so aufgebracht, daß noch an demselben Abende mehrere Insulten an Juden verübt worden, und noch weit Schlimmeres zu erwarten stände. Die geschäftige Frau Fama habe auch das Ihrige dazu bcigetragen, den Skandal zu vergrößern, indem sie zu dem, was eben verübt worden sein sollte, mit tausend Zungen noch tausend andere ähnliche Dinge aus früheren Zeiten hinzu fügte, und das nächste Resultat ihrer Geschäftigkeit sei gewesen, daß auf einmal Alles wieder in den Chorus rinstimmte: „die Juden brauchen Ehristenblut zu ihren Glaubensverrichtungen." — Nun, was wollt ihr mehr? Doch gehet hin und leset den Goniee von der letzten Woche des vorigen Monals, und ihr werdet das, was ich hier mit kurzen Worten berichtet, in langen und breiten Artikeln erzählt (und auch mit manchen schönen Reflexionen ausgeschmückt) finden. Jedoch im Gras — einer in Krakau selbst erscheinenden und sehr verbreiteten Zeitung — werdet ihr von allem dem Nichts antreffen. Der Gras schwieg und schweigt jetzt noch ganz über diese Angelegenheit. Dieser Umstand »ruß auch dem Redakteur der „Posener (deutschen) Zeitung" ausgefallen sein, da er sich veranlaßt gefunden, in No. 202 seines Blattes (vom 30. August d. I.) am Schluffe eines, das erwähnte Faktum behandelnden Aussatzes folgende Anmerkung zu liefern: „In Betreff des Wechs ler'schcn Skandals, von dem der Goniee so viel Aufhebens macht, während der Greis ganz davon schweigt, müssen wir aufrichtig gestehen, daß die dem Kaufmann Wechsler Schuld gegebene Absicht, daß er ein christliches Kind habe beschneiden wollen, nur erdichtet sein kann, da die P rose l y te n mache re i, und namentlich die gewaltsame, dem Wesen des Judenthums ganz und gar widerspricht. Wer weiß, was für unlautere Motive dazu mitgewirkt haben, einen solchen Skandal, der offenbar nur darauf berechnet ist, den fanatischen Haß der ungebildeten Menge gegen dieJuden zu erregen, wieder einmal auf's Tapet zu bringen! Im Mittelalter geschah dergleichen oft sehr häufig, und die armen verfolgten Juden waren dann gezwungen, sich den Schutz der geistlichen und weltlichen Großen für sehr bedeutende Summen zu erkaufen, die zum Theil jetzt noch als Schulden auf den Synagogen lasten." Wir danken der Redaktion der P. Z. für diese humane Bemerkung und halten es für überflüssig, zu derselben über die in Rede stehende Angelegenheit selbst unsererseits noch irgend Etwas hinzuzufügen. Aus der Provinz Posen, 10. September. (Privatmitth.) In ihrer Sitzung am 6. d. M. hat die städtische Schuldeputation zu Posen den Beschluß gefaßt, mit dem 1. Oktober d. I. — neben 3 zu gründenden Sonntagsschulen, für christliche Handwerkslehrlinge — auch eine Sabbatschule in's Leben treten zu lassen, in welcher die Handwcrkslehrlinge jüdischer Konfession von de» 3 Lehrern der „städtisch-jüdischen Schule" jeden Sonnabend Nachmittag von 1—3 Uhr in den für das bürgerliche Leben nöthigsten Kenntnissen, so wie in der Religion unterrichtet werden sollen. —Es wäre zu wünschen, daß dieses a n erkenungs werthe Beispiel überall, wo dergleichen Institute zur Zeit noch

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