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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-09-15 · Heft 38 (15.9.1851) · p. Seite 452

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 38 (15.9.1851)
Date
1851-09-15
Page
Seite 452 (sequence 8)
Language
German
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452 befallen wird. Und wozu diese Absonderung, wozu diesen Unterschied, der nicht zu Gunsten des Juden, um ihn vor Ansteckung zu bewahren, gemacht wird, sondern um ihm auch in Badeörtern seine Stellung sichtbar zu machen?" „Was ist zu machen," sagte der Arzt, „8ine ira et Studio muß man ope et consilio bei der hohen Regierung einkommen, damit sie dieser Beschränkung, diesem Hochmuth während der Badezeit in Druskenik eine Ende mache. N. Belletristisches. Per unbekannte Nabbi. * Eine Novelle. (Fortsetzung.) Schon am andern Morgen meldete ich mich bei den freundlichen L., die sich bald des Kastens erinnerten und gern bereit waren, mir ihn öffnen zu lasten. Ich hatte gehört, sagte ich ihnen, daß darin einige seltene hebräische Bücher wären, die ich wol lesen möchte, Bücher waren ja überhaupt meine Passion. Auf dem obersten Boden stand in einem Winkel der bestaubte, wohl vernagelte Kasten. Er wurde geöffnet und stehe da — es lagen oben ganz gewöhnliche Bücher, Bibel, talmudische Traktate, More Nebuchim u. dgl., dann kamen aber auch mathematische, astronomische, ja wirklich alte medizinische, alle in verschiedenen Sprachen, auch Mendelssohn und seine Zeitgenossen fehlten nicht. Viel interessanter als alle diese theils bekannten, theils unbekannten Heroen schienen mir mehrere Pakete Briefe in hebräischer und deutscher Sprache geschrieben, einige Tagebücher und ein Manuskript mit der Überschrift: Szenen und Ereignisse aus meinem Leben. Das schien mir ein Gegenstand, der meine Neugierde befriedigen oder vielmehr meine Ahnung, etwas nicht Gewöhnliches hier zu finden, bestätigen konnte. Auch andere Arbeiten und Abhandlungen in verschiedenen Sprachen fanden sich noch vor, zum Theil in die Bücher hineingelegt. Mit welchem Recht, frug ich mich zwar, als ich die geschriebenen Sachen mit Erlaubniß der Besitzer nach Hause nahm, mit welchem Recht durchkramst du hier die Hinterlassenschaft eines längst verstorbenen, dir ganz unbekannten Mannes? Diese Frage des sich regenden Gewissens fand aber bald Antwort in mir. Mit dem Rechte, welches jeden nach geistiger Ausbildung strebende Mensch an die geistige Hinterlassenschaft der Vorzeit hat, antwortete ich mir. Ob ich recht mir geantwortet habe, möge der Leser beurtheilen. Noch hat der Ton des Schofars nicht den Monat! Etul verkündet und ich bin mit der Lektüre der Schriften schon fertig und bin bereit Ihnen, wertheste Leser, Mittheilungen daraus zu machen. Ob ich daran recht gethan, darüber werde ich mich ganz und gar dem Urtheil der Leser unterwerfen müssen. — „Die Frucht der Tobten ißt der Lebende." 2. Die Geburtsnacht. Der du gezogen mich aus Mutterschooße, Erleuchte meines Lebens dunkle Bahnen. Pijut. Sei mir wiederum gegrüßt, heilige Stunde der Mitternacht. Ja, du bist die Geisterstunde, denn ich fühle eure Nahe, abgeschiedene Seelen, ihr hauchet mir euern Gruß zu, ihr erinnert mich an eine lange, dahingesunkene Zeit, an eure nie vergängliche Liebe, an das baldige Willkommen in eurer Welt.... Und ihr auch tretet heran, große Geister der Vorwelt, ewig lebende Todte, in diesen Stunden der Nacht habt ihr mit euren Worten so oft mich gelabt und erquickt, durch das Licht euerer unsterblichen Gedanken „das Dunkel meiner Bahn erleuchtet". ... „Ich bin jung gewesen und auch alt geworden," aber ihr habt mich nie verlassen.... Ich sitze im stillen, kleinen Giebelstübchen, das Feuer lodert und knistert im Ofen, durch meine freundliche, liebe Wirthin angefacht, ich fühle mich glücklich, obgleich die Hülle der Seele immer morscher, immer schwächer wird; je mehr sie zerfallt, desto stärker wird die Liebe in mir. Also ist mein Abend kein dunkler, stürmischer Abend, sondern ein stiller Abend, vom milden Mondschein der Liebe beglänzt, und wie das Licht des Mondes am Himmel der Abglanz der Sonne ist, so ist das milde Mondlicht der Liebe, das den Abend meines Lebens beleuchtet, der Abglanz der ewigen Liebe.... Es ist Neujahrsnacht, aber der Zeiger an der allen, unablässig pickenden Uhr da an der Wand geht ruhig seinen Weg weiter und halt auch nicht einen Moment an bei den Abschnitten, die auch in der stetig fortrollenden Zeit sich der Mensch gemacht, aber Zeit, Welt, Natur, sie sind ja dem Menschen nur die Offenbarung seines eignen Jchs, der in ihm waltenden Gesetze.... Ich trete an's Fenster, still ist's auf den

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