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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-09-15 · Heft 38 (15.9.1851) · p. Seite 451

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 38 (15.9.1851)
Date
1851-09-15
Page
Seite 451 (sequence 7)
Language
German
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451 N. aus Danzig unter obigem Datum folgenden Artikel: Bekanntlich sind in der neuern Zeit mehrere kaiserliche Ukase in Betreff der polnischen Juden erlassen worden, welche ihnen nicht allein das Tragen ihrer eigenthümlichen Kleidung, sondern auch den Frauen das Abscheeren der Haare verbieten, und noch mehrere andere Beschränkungen enthalten, welche alle darauf hinzielen, die Juden in Masse und in kürzester Zeit zu nationalisiren, d. h. russifiziren und in den Schooß der griechischen Kirche überzuführen. Die neuesten Wahrnehmungen machen es jedoch zur Gewißheit, daß diese kaiserlichen Verordnungen einen ganz andern als den erwarteten Erfolg haben werden. Schon hört man, daß mehrere reiche und in Ansehen stehende Rabbiner Rußland verlassen haben, weil sie den von ihnen verlangten Revers, daß sie dafür Bürgschaft leisten, die von ihnen getrauten Frauen würden ihr Kopfhaar nicht abschneiden, nicht ausstcllen konnten. Ebenso verlautet, daß viele, oder gar die meisten, der reichen Kornjuden in Kurzem diesem Beispiele folgen werden, weil ihnen der, bekanntlich auch in Polen monopolisirte Branntweinhandel im Großen, wie im Einzelnen verboten worden ist. Mehrere dieser Auswanderer dürften ihr Domizil in unserer Stadt nehmen, was für diese nur von Nutzen sein könnte, und wo sie von Glaubensgenossen und Christen mit offenen Armen empfangen werden würden. Der Druck aber, welcher auf ihnen lastet, und die solidarische Verantwortlichkeit, welche allen Juden für die strikte Befolgung der kaiserlichen Befehle auferlcgt ist, wird ohne Zweifel noch viele andere in's Ausland treiben. Druskenik (Badeort im grodnischen Gouvernement), im August. (Privatmitth.) Um auch den ausländischen Lesern dieser Zeitschrift über ein ungefähr vor dreizehn Jahren an der vormals russischen Grenze von der Regierung gegründetes Bad Auskunft zu geben, vergönnen Sie mir einige Zeilen für Ihr werthes Blatt, welche vielleicht im Stande sein werden, den sich hier einfindendcn Aerzten die wahren Krankheiten und Schwächen der christlichen Badegäste sich zu erklären und dieselben veranlassen mögen, die seit langer Zeit durch Haß und Vorurtheil verblendeten Augen dieser Badegäste wenigstens auf dieBadesäson durch lindernde Mittel zu heilen. Wie leider fast überall die Polen ihren Schmerz über die verlorene Selbstständigkeit ihres Vaterlandes an den Juden auslassen, so auch hier in Druskenik, einem Orte, wo es sich nicht um Religion, um Grillenfängerelen der Eigenliebe, sondern um Heilung körperlicher Schmerzen und Leiden handelt. Mit dem Namen „Zyd" verbindet der Pole und besonders das polnische Weib, dem die Umwandelung der jüdischen Frauentracht ein Dorn im Auge ist, alles Verächtliche. In der Badeanstalt, die sechsunddreißig Bäder enthält und auf Kosten der russischen Regierung erbaut wurde, hören wir oft fragen: „Welche sind die jüdischen Bäder oder Nummern?" Unter den sechsunddrcißig Bädern sind nur fünf Nummern, No. 14—18, für jüdische Männer, von der andern Seite ebenfalls fünf Nummern, No. 14—18, für die jüdischen Frauen bestimmt. Sobald der Jude im Vorzimmer, wo er die Badebillets erhält, erscheint, wird ihm, wenn er Kaufmann ist, d. h. dem Bademeister eine Silbermünze gicbt, No. 14 oder 15, und wenn er nicht Kaufmann ist, No. 16 bis 18zugewiesen. Auch mir wurde als Jude No. 14 angewiesen, was ich Anfangs, des Grundes unkundig, gleichgiltig ausnahm. Ich fragte aber nachher den Bademeister: „Warum er mir das Bad unter No. 14 zur Benutzung gegeben habe, da doch No. 8 und No. 9 leer waren?" „Ja, mein Herr," antwortete der stolze Pole, „das Konnte der Badeanstalt hat anzuordncn geruht, daß für die jüdischen Kaufleute erster und zweiter Gilde, auch für die Ehrenbürger, No. 14 und 15, für die übrigen Juden No. 16—18 bestimmt sein sollen." Nun ist also entschieden, daß wenn Jemand heute Jude ist und morgen Christ wird, für ihn alle Bader von 1—36 frei sind, und wenn er heute sogar ein (wielmozny) Großherr ist, morgen aber vielleicht Jude wird, er sich durchaus nur in den Zimmern No. 16 — 18 bade» darf. Ich wandte mich darauf an den Arzt und Inspektor der hiesigen Badeanstalt, v>. P., und als ich ihm die Antwort des Bademeisters mitthcilte, sah er mich verwundert an und fragte: „Wie? hat man Ihnen denn auch diese Nummer angewiesen? Nun da haben Sie ein Schreiben an den Bademeister, der Ihnen nach Ihrem Belieben die Bäder bestimmen wird." „Aber was bedeutet diese Absonderung der Konfession? Soll auch in den Bädern der jüdische Glaube gebrandmarkt werden? Unter den Hunderten, welche die Bäder besuchen, sieht man doch am Meisten den polnischen Adel, der gewissen ansteckenden Krankheiten am Meisten ausgesetzt ist, von welchen der Jude sehr selten.

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