Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 38 (15.9.1851)
- Date
- 1851-09-15
- Page
- Seite 448 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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448 uns nicht auf's Einzelne einlassen, je mehr das Haus zur Stelle der Andacht gemacht wird, destomehr heiligere Gottesgefühle werden ihren Einzug in's Kindesherz halten, je thätiger die Eltern in allerhand Handlungen der Menschenliebe sein werden, desto mehr Boden wird diese im Kinde gewinnen, je mehr sie selbst Alles mit Gott in Verbindung bringen, desto unauflöslicher wird das Band, welches ihre Kinder mit dem Herrn verknüpfet, je tiefer die Gottesverehrung in ihnen selbst liegt und sich ausspricht bei jeder Gelegenheit, desto tiefer wird sie auch im Kinde wurzeln und sich durch die That offenbaren, je mehr sie selbst vom israelitischen Berufe durchdrungen sind, desto achtungswerther und glorreicher wird dieser dem Kinde erscheinen. Das Beispiel thut hier Alles, ohne dasselbe geht wol auch öfters die Blüte echter Religiosität auf, aber oft wird sie auch zerknickt, ehe sie sich entfaltet. — Jede israelitische Institution, auch wenn sie nicht im Hause befolgt und von den Eltern für bindend erachtet wird, werde wenigstens nicht mit Spott verfolgt, sondern als Mittel dargestellt, worin Tausende von israelitischen Brüdern und Tausende der Vater ihre Beruhigung und ihren Trost gefunden, und das ihnen den Weg zu einem religiösen Leben gebahnt habe. Je mehr so in's Herz des Kindes die Gottcssaat der Liebe gesaet wird, desto „heller wird wie die Morgenröthe der Begriff der Gottheit" oder vielmehr der Glaube aufgehen und für's ganze Leben eine Leuchte werden. Wie die häusliche religiöse Erziehung mit der öffentlichen Gottesverehrung, dem Gottesdienste, in Verbindung zu setzen sei, wollen wir nun zu erörtern suchen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 3. September. Mit Bezug auf die von uns in einem Leitartikel in vor. Nr. angeführten und bekämpften Artikel der Voss. Ztg. enthält letztere folgende „Erklärung" aus Schneidemühl: „In No. 200 der Vossischen Zeitung werden die Verhältnisse der hiesigen jüdischen Gemeinde in. einer Weise mit den Bestrebungen der Reformgenossenschaften in Verbindung gebracht und dadurch die wahre Sachlage so vielfach getrübt dargestellt, daß wir uns zu einer Berichtigung veranlaßt fühlen. Wir erklären hiermit Folgendes: 1) Das in unserer Gemeinde sich kund gebende Bedürfniß zur Hebung des Gottesdienstes steht mit den Bestrebungen irgend einer Rcfvrmgenossenschast im Judenthume nicht in der entferntesten Verbindung. Es gehört die völlige Unkenntniß der Sache oder wenigstens eine kühne Kombinationsgabe dazu, Dinge mit einander zu indentifiziren und in ein nahes Verwandtschaftsverhältniß zu stellen, die auch nicht einmal annäherungsweise eine Parallele zulasten. 2) Die Behauptung, als hätte ein reformatorischer Theil sich in den Besitz der Synagoge gesetzt, ist eine unrichtige. Die Synagoge ist nach wie vor Eigenthum der gesummten Gemeinde, und kann hierbei ebenso wenig von einer Besitzergreifung des einen wie von einem Verdrängen des andern Theils die Rede sein. Der Vorstand, der von der Gemeinde gewählt und von der königlichen Regierung zu Bromberg bestätigt worden ist, hat allerdings einige auf Ordnung und Ruhe abzweckende Einrichtungen im Gotteshause getroffen. Wer es indeß für möglich hielte, daß hierdurch der orthodoxe Theil der Gemeinde verdrängt werden konnte, den würde ein Blick in unsere an Sabbaten und Festen mit orthodoxen Mitgliedern gefüllte Synagoge vom Gegentheil überzeugen. Ueberhaupt findet die Unterscheidung zwischen „orthodox und reformakorisch" auf unsere Gemeinde keine Anwendung. Es giebt hier nur unzufriedene und friedliebende Orthodoxe. Das Vorhandensein eines relativ orthodoxem Theils berechtigt nicht zur Annahme eines vorhandenen reformatorischen Theils. 3) Daß die rituelle Seite der Frage durch eine eigenthümliche Wendung der Sache dem Rabbinate zu Berlin zur Begutachtung vorlicgt, ist allerdings wahr. Auch ist cs begreiflich, daß auch die israelitische Gemeinde zu Berlin hierbei ein lebhaftes Interesse hat. Jedoch obgleich wir sehnlich wünschen, daß die Zerwürfnisse der hiesigen jüdischen Gemeinde endlich einer friedlichen Lösung entgegengeführt werden mögen, so hat doch die rituelle Seite der Sache für uns viel von dem Spannenden und Erwartungsvollen verloren, da sie bereits von einem orthodoxen Rab- 3