Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 38 (15.9.1851)
- Date
- 1851-09-15
- Page
- Seite 447 (sequence 3)
- Language
- German
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447 auf das ganze Leben, zunächst auf Gemeinde und Aufzunehmende in dem Momente nicht verfehle. Diese Feierlichkeit, dieser Gesammteindruck wird durch ein langes und breites Examiniren gehindert und geschwächt. Nur auf Grund der zu bekennenden Hauptlehren des Judenthums werde das Individuum ausgenommen, damit überall die volle Wahrheit herrsche und den erste Schritt in die Gemeinde kein Grund zur nachherigen Lüge werde. Dies waren im Allgemeinen unsere Gedanken über den religiösen Unterricht. Wir wollen ihn also an der Hand der Geschichte des Judenthums führen, wir wollen ihn auf den Glauben des ewig wahren positiven Inhalts des Judenthums gründen, überall Form und Wesen unterscheidend, dieses festhalten, jene der freien Entwickelungdem freien Entschluß des Individuums, sich die Mittel zu seiner Heiligung zu wählen, überlassen, wenn wir auch natürlich nicht vernachlässigen werden, ihm den Charakter und die Bedeutung dieser Mittel, des ganzen Formen- und Zeremonialwesens, darzulegen, ihm wenigstens Achtung vor allen jenen Institutionen einzuflößen, sie vor Spott und Verachtung zu bewahren, da sie von für ihre Religion begeisterten Männern gegeben werden, um den Inhalt der Lehre zu bewahren, um Zucht und Sitte zu erhalten und ihren Verfall zu behindern, um einen Zaum der Zügellosigkeit, der Leidenschaftlichkeit, dem Egoismus anzulegen, um Mittel zur Erbauung des Glaubens darzureichen u. s. f. Kann und darf die häusliche Erziehung von anderen Grundsätzen ausgehen? Sie kann es leider wol, sie darf es aber nicht, wenn sie noch so frei erziehen will, wenn sie überhaupt religiös erziehen will, wenn sie die Religion als das unentbehrlichste, einzig standhaltende Vehikel menschlicher Bildung betrachten will. Wie es aber in dieser Hinsicht in Israel steht, haben wir schon früher geschildert, kann jeder Unbefangene tagtäglich sehen. Viele, ja die meiste Schuld tragen in dieser Beziehung die Unwissenheit und die Gleichgiltigkeit der Eltern selbst, hervorgehend aus dem Materialismus und den materiellen Bestrebungen der Zeit. Wie ist dem abzuhelfen? Wenn wir hier den Geistlichen und Lehrern in Israel ein großes Feld der Wirksamkeit einräumen wollen und müssen, worauf wir später zurückkommen werden, so genügt dies nicht allein, so reicht dies aus hundert Gründen nicht hin. Von allen Seiten muß Hand angelegt werden, den großen Baustein zum Wohle unsers Stammes und unsers Glaubens, die häuslich-religiöse Erziehung, herbeizubringen, das Material hiezu zu sichten, zu ordnen, fest zu machen. — Wichtig und von großem Einfluß wäre hier die Verbreitung von Volksschriften, die unentgeltliche Verbreitung kleiner oft nur bogenlangec Broschüren, welche die häusliche Erziehung, überhaupt das ganze häusliche Religionswesen, den häuslichen Kultus auf Grund des israelitischen Glaubens besprechen, beförderten, die Leute zum Nachdenken brächten, sie unterrichteten und mit Eifer beseelten. Solche Schristchen wünschten wir nicht in Form einer Zeitschrift, sie müßten ausgehen von einer Gesellschaft, die sich das schöne Ziel der religiösen Bildung ihrer Glaubensbrüder, das wahre Heil ihrer Familien, vorsteckte, dafür arbeitete und strebte, materielle und geistige Mittel dazu beschaffte. Hier würde man die Kräfte kennen lernen, die für die religiöse Restauration Israels noch vorhanden sind, aber versteckt schlummern, es wäre dies eine israelitische innere Mission von israelitischem Charakter, die dem gänzlichen Zerfallen einen Damm entgegensetzte, die aufbauete, ohne zu zerstören, belehrte, ohne zu begeifern, heilte ohne zu vergiften und einzuschneiden. Schon frühe werde in dem Kinde die Liebe erweckt gegen alle seine Umgebungen, eine thätige, aufopfernde Liebe, die das wirklich entbehrt, was sie mittheilt, schon frühe dem Egoismus Schranken gesetzt und das Mitgefühl an den Freuden und Leiden der Anderen genährt. Und dabei stelle man ihm Gott als den ewig lebenden lieben Vater dar, der immerfort für unser Bestes arbeitet. So werde Alles, die Natur um uns, die häuslichen Ereignisse, das Schicksal der Menschen als Ausfluß der Liebe Gottes dargestellt und praktisch das Kind zum Wohlthun angehalten, jedes lieblose Urtheil unterdrückt und die Leidenschaft gebändigt. Das Kind werde angehalten zum Gebete, nicht zum Beten mit vielen plappernden Worten, sondern zu einem Gebete, das es in Gemeinschaft mit Gott setzt, wozu wenige Worte genügen. Das Gebet sei aber schon frühe auch ein israelitisches, um das israelitische Bewußtsein zu wecken. Es eignen sich dazu eine Menge kleiner Verse aus der heil. Schrift und dem gebräuchlichen Gebetbuch. Das „Höre Israel, der Ewige u. s. w. Und du sollst lieben den Ewigen, deinen Gott u. s. w. möge öfters das einzige, vom Vater oder der Mutter vorgesprochene Morgengebet, das „Siehe er schlummert und schläft nicht, der Hüter Israels" das Abendgebet, das „Aller Augen warten auf dich und du giebst ihnen die Speise zur rechten Zeit" der Mittagssegen sein, die alle Tageszeiten zu Perioden der Gottesverehrung machen. — Hier freilich können wir