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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-09-15 · Heft 38 (15.9.1851) · p. Seite 446

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 38 (15.9.1851)
Date
1851-09-15
Page
Seite 446 (sequence 2)
Language
German
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446 Menschheit, dieselben Lehren, dieselben Grundgesetze immerfort wahrend und bekennend. Wie die Sandsteinwände, aus denen immerfort der Sprenger die großen und kleinen Steine haut, aus welchen die Menschen ihre Gebäude bauen, ihre Gewölbe wölben, und die Felsen spotten dessen, denn man merkt es ihnen in ihrer Größe doch nicht an, daß ihnen Etwas genommen werde. Wie das abgeschiedene Thal voll Wunder und Herrlichkeiten, die der nicht begreift, der draußen steht, und vielleicht das groteske Felsenthor anstaunt, das hineinführt, oder unbeachtend vorübergeht. Aber der große Strom des Lebens zieht doch an ihm vorüber, und reiche Quellen fließen aus ihm hervor und speisen jenen ihres Theiles. Es ist ein schönes Weilen darinnen; denn wer das Auge offen hat daselbst, der gewahrt die Wunder und Herrlichkeiten, und sein Geist wird deren voll, und er findet hier das Rathsel gelöst, so weit es gelöst werden kann und sollte, denn der Himmel wölbet sich doch nur schmal darüber, aber tiefblau.... Welche Stürme auch um die Firnen gerast, und durch das Thal gedonnert ... hier und da stürzten Tannen gebrochen nieder, und große und kleine Gesteine rollten hinunter — aber die Kuppen und Wände blieben stehen, und das Thal ward nimmer gefüllt, und verschwand nicht.... Und Ihr fühlet und erkennet das nicht, Ihr Jünglinge und Jungfrauen Israels? Und Ihr schämt Euch des Thals und seiner Höhen, weil sie nicht die weiten, flachen Ebnen der Welt sind? Und Ihr verlasset es und wollet Euch heimisch machen da, wo Ihr doch niemals ganz heimisch?... Wartet, einst wird Euch unendliches Heimweh überkommen, aber den Rückweg habt Ihr verloren, und Ihr werdet verkümmern und verkommen; einst werdet Ihr Ekel und Ueberdruß empfinden, aber wie ist dann das Felsenthor zu finden und zu erreichen? ... Ueber jüdische Erziehung. Von Uri. (Fortsetzung.) Auch für den spätem Unterricht bis zum zwölften Jahre wünschten wir noch keinen sogenannten systematischen Religionsunterricht, sondern nur eine Erweiterung des frühem. Es mögen immer mehr Abschnitte aus der Bibel in den Unterricht gezogen werden, dieselben zum öftern gelesen und eindringlich erklärt und außerdem die wichtigsten Aussprüche der heil. Schrift erklärt und erlernt werden. Auf diese Weise sind die „Zehnworte", auf diese Weise ganze Psalmen, deren erhebender Inhalt ein Besitzthum des Schülers für seine ganze Lebenszeit werden soll, dem Gedachtniß einzuprägen, um überall ein reichliches wahres israelitisch-religiöses Material herbeizuschaffen, was dem Verstände und Gemüth zur Unterlage des Denkens und Glaubens Stoff gewährt. Wie weit dabei mit der Kenntniß der Bibelabschnitte und Sprüche im hebräischen Urtext zu gehen ist, hästgt freilich von Umstanden ab, aber wir haben schon früher bemerkt, daß wir diese Kenntniß so erweitert wie möglich wünschen. Wir wünschen sie aber auch so praktisch wie möglich und möchten unfern Schüler nicht mit den grammatischen Formen quälen, diesen Unterricht nur für die Fähigeren beibehalten und vom eigentlichen Religionsunterrichte absondern, auch hier nur die grammatische Formlehre auf das Nothwendigste beschränken und mehr praktisch einüben, als eine Menge von Regeln an den Fingern abzahlen und gedankenlos hertekern lassen. Nur erst dann, wenn der Schüler mit der Bibel und ihrer Geschichte vertraut ist, wenn er deren Hauptinhalt kennt, wenn ihm eine Geschichte seines Stammes bis auf die neueste Zeit gegeben worden, lasse man sich kn eine systematische Darlegung der Religionswahrheiten ein, exponire das Charakteristische im Judenthum, begeistere ihn für dessen Inhalt und Bedeutung, für seinen Beruf als Israelit und darin bestehe eben der sogenannte Konfirmationsunterricht, wenn auch, der bestehenden Verhältnisse wegen, nicht alle förmlich konsirmirt werden können. Wir lieben es nicht, den Konfirmationsakt zu einem weitläufigen, ermüdenden Examen gemacht zu sehen, da ohnehin dies wenig Bürgschaft giebt, ob das Vorgetragene wirklich Eigenthum von Kopf und Her; geworden ist, der Lehrer hat nicht erst öffentlich hier eine Probe seines und seiner Schüler Fleißes zu geben, hätte er es sonst nicht geleistet, dieser Akt gebe den Beweis in der Wahrheit doch nicht. Der Akt soll auch, seiner Natur nach, kein Examen, kein Probestück sein. Er soll, was er immer, nur unter anderen Formen, gewesen ist, die Aufnahme des religionsreif gewordenen Menschen in die größere Gemeinde sein und bleiben. Der Gemeinde kann die Prüfung keine Bürgschaft geben, daß der Jüngling oder die Jungfrau die Religionswahrheiten begriffen und ausgenommen habe, sie begnügt sich mit dem Bekenntniß. Die Aufnahme soll feierlich sein, damit sie ihren Eindruck

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