Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 37 (8.9.1851)
- Date
- 1851-09-08
- Page
- Seite 441 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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441 Nach dieser Uebereinkunft wurde der Herr Bloemendal durch eine dazu gewählte Deputation von seinem Hause abgeholt. Bei seiner Ankunft wurde er durch die Versammlung feierlich empfangen, welche ihn zwischen einem Oranienspalier und unter dem Spielen des Nationalliedes zu dem für ihn bestimmten, reichlich verzierten Sessel begleiteten. Hierauf wurde dem Gefeierten eine Dankadresse verlesen, worauf eine eindruckvolle, in deutscher Sprache abgefaßte Rede durch den Herrn B. Arenz, Präsident des hiesigen Kirchenvorstandes, folgte; und nachdem ebenso eine geeignete Rede in der Landessprache durch den Herrn S. Marks, Mitglied desselben Vorstandes, beendigt war, wurde der Herr Bloemendal mit der bereits erwähnten, sehr künstlich ausgeführten Medaille, wovon eine in Gold, eine in Silber und eine in Bronze, in einem geschmackvollen Etui, überrascht. Der Herr Bloemendal, dem man bis zu diesem Augenblicke diese Auszeichnung sehr geheim hielt, wurde sichtbar höchst gerührt und ebenso angenehm überrascht. Nachdem er sich einigermaßen gefaßt hatte, hielt er eine aus dem Stegreif gegriffene Rede, welche auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. Besonders suchte er so viel wie möglich das Geschichtliche der israelitischen Gemeinden Limburgs zu beleuchten, nämlich was sie früher gewesen, und was sie bis jetzt geworden sind. Diese Worte beschließt er unter einem herzlichen Danke für die Auszeichnung und das fürstliche Geschenk, mit der Versicherung, daß er stets fortfahrcn werde, das Wohl der israelitischen Gemeinden in Limburg zu beherzigen, wozu er die fortwährende Hilfe der Kirchenvvrstände anruft. Unter fröhlich schallender Musik wurde diese Feierlichkeit beschlossen, worauf ein sehr großartiges Diner folgte, welches die anwesenden Kirchenvorstände zur Ehre des Herrn Bloemendal veranstaltet hatten, bei welcher Gelegenheit allgemeine Fröhlichkeit herrschte, und zahlreiche passende Toaste ausgebracht wurden. Diese Munterkeit dauerte ununterbrochen während der Mahlzeit fort, und blieben Alle bis 10 Uhr Abends beisammen. Ein eifriger Leser Ihrer Zeitung. Belletristisches. Der unbekannte Nabbi. Eine Novelle. *) 1. Der Kirchhof — die Kiste. Die Frucht der Tobten ißt der Lebende Auch kann nicht Einer seine Wirkungen Behalten, und er will es nicht.... (Dchefer.) Es war am Abend eines heißen Sommertages, ein herrliches Gewitter mit erfrischendem Regen hatte die Luft von ihrer drückenden Schwüle befreiet, die ganze Natur schien wie aus einem belebenden Bade hcrvorgekommen, erstarkt, verjüngt, Alles war froher, heitrer, jedes Pflänzchen richtete sich wieder auf, die summende Biene verließ den Blütenketch als ihren Versteck, der Vogel das Laubdach, unter das er geflüchtet war, wahrend der Herr, „dessen Kraft und Gewalt die ganze Welt erfüllt", in Donner geredet. Mit geliebten Kindern verließ ich das Haus meiner ländlichen Wohnung und wir wanderten heute nicht nach dem schattigen Wald, der so oft uns aufnahm in diesem Sommer und „den Kleinen Schatten vor der Hitze, Raum zu ihren Spielen, rothe Erdbeeren und schwarze Myrtillen zur Erquickung gewahrt hatte, auch besuchten wir nicht das gelbe Kornfeld, um dort Eyanen zu Kränzen zu suchen oder nachzusehen, ob es Zeit wäre zum Schneiden der Garbe, denn es waren heute schon die Felder mit zahlreichen Getreidestiegen bedeckt und der Herr hatte wiederum zur rechten Zeit Brod verliehen „allen Augen, die aus ihn harren". Wir lenkten unsere Schritte nach dem Friedhof, um auf das Grab der geliebten, verklärten Mutter einen Kranz von Immergrün und verspäteten weißen Rosen, die sie im Leben so sehr geliebt hatte, zu legen. Da wanderte eine kleine Schaar — Kinder, Neffen und Nichten der Verstorbenen, — fröhlich plaudernd und schäkernd, als ginge es in den Blumen- und Obstgarten, nur die Aelteren unter ihnen waren schon ernster gestimmt, denn sie ahnten und kannten schon den Ernsi der Ruhestätte, „wo der Staub zum Staube zurückkehrt, von dem er genommen". Jüdische Kirchhöfe gewähren sonst keinen freundlichen *) Unsere Leser mögen dem Redakteur d. Z. gütigst Nachsehen, wenn er wegen seiner Krankheit die Novelle „die Nachbaren" einstweilen nicht fortsetzen konnte. Wir werden diese spater geben, und lassen hier die schöne Arbeit eines andern Autors folgen. Redakt. 37*