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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-09-08 · Heft 37 (8.9.1851) · p. Seite 439

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 37 (8.9.1851)
Date
1851-09-08
Page
Seite 439 (sequence 7)
Language
German
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439 gierung nicht daran denkt, in der bisherigen politischen Stellung der Israeliten eine gesetzliche Aenderung eintreten zu lassen. Lemberg, 22. August. (Ostd. P.) Wie wir hören, ist die Zusammenberufung einer Nationalversammlung zur Regelung der jüdischen Kultusangelegenhciken bevorstehend; der Gemeindevorstand zu Lemberg wird da ganz gewiß den ersten Platz einnehmcn, da die Versammlung größtcntheils aus Laien bestehen wird. Wir können daher mit Recht von derselben eine Regelung der jüdischen Kultusangelegenheiten erwarten, die segensreiche Wirkungen haben wird. Pesth, 2. August. (Pesth. Ztg.) Durch Erlaß vom 5. wurde angcordnet, daß in so lange, bis die Gemeindcverhältnisse geregelt sind, die israelitischen Gemcindevorständc, Rabbiner und Religionslehrcr einer strengen Prüfung unterzogen werden. Bei der Wahl der Rabbiner soll der Wunsch der israelitischen Gemeinden und das Vertrauen in eine gewisse Persönlichkeit mögliche Berücksichtigung finden; als Nachweis der Befähigung zu einem Rabbiner- oder Religionslehramtc genügen indessen die, von durch die Regierungsbehörden anerkannten Gemeinderabbinern oder behördlich ausgestellten Zeugnisse über das sittliche und politische Verhalten der Betreffenden. Preßburg, 21. August. Gegen die orthodoxen Rabbiner Ungarns wurde vor Kurzem keine geringere Beschuldigung erhoben, als — für die Jnternirten in Kiutahia Gelder gesammelt und an sie befördert zu haben. Den Polizeibehörden kam deshalb die Weisung zu, gegen die hervorragendsten Gcmeindevorstände, wie gegen den stonyhader, ujhelycr und den preßburger Rabbiner Untersuchungen cinzulcitcn. Den beiden Erstgenannten wurde in Folge dessen ihre ganze Korrespondenz versiegelt und in Verwahrung genommen. Der hiesige Oberrabbincr mußte bei der Distriktspolizei mehrere Verhöre bestehen, in welchen er die Erklärung zu Protokoll gab, daß den Geldsamm- - lungen, welche mehrere Rabbiner unscrs Kronlandes» nicht seit heute oder gestern, sondern bereits seit 33 Jahren veranstalten, durchaus kein politisches Motiv, sondern einzig und allein der religiöse Zweck zu Grunde liege, die armen Juden in Palästina zu unterstützen; daß ferner diese milden Gaben jährlich durch das Bankierhaus Holländer und Lehren in Amsterdam mittelst Anweisung des Hauses Rothschild nach Palästina befördert würden. Trotz dieser Versicherung ging doch den Rabbinern vor wenigen Tagen der strikte Befehl zu, die genannten Sammlungen sofort zu sistiren. —. Zur Anregung des Ackerbaues unter den Israeliten ergeht ein Rundschreiben an die Rabbiner und Vorsteher Galiziens, in welchem dieselben aufgefordert werden, ihre dicsfälligen Resultate dem Komitö zu Wien mitzutheilen. Aus Galizien, im August. Die ohnehin schon große Anzahl der Juden wächst in Galizien immer mehr. Tausende von Kindern Israels verlassen Rußland und begeben sich in das hiesige gelobte Land, wo ihre, emanzipirten Brüder bereits freier athmen. Weder die Liebe zum väterlichen Heerde, noch der angenehme Klang der Imperiale und Rubel hält sie zurück. Sobald ein Flüchtling die Grenze überschritten hat, verschwindet er bald, wie ein Tropfen im Ozean, unter seinen Brüdern, die ihn gastfreundlich ausnehmen, das letzte Stück Brod mit ihm theilen. (Goniec Polski.) Prag, 25. August. Dem „Lloyd" wird geschrieben: Die sehnlichst erwarteten Ernennungen der Notare und Advokaten für das Kronland Böhmen sind gestern in unseren offiziellen Blättern publizirt worden. Unter den Notaren finden wir auch den Redakteur der Prager Zeitung, Clemens Ritter v. Weyrother. Unter den Ernannten befinden sich auch drei Israeliten. Dem 1h. HonigSberg wurde nämlich ein Notariaispostcn in Prag, Dr. Friedrich Brunner die Advokatur in Brüx, und Ur. Israel Kohn die Advokatur in Pisck verliehen. Sehen wir durch solche Thatsachcn neu bestätigt, wie sehr es der Regierung mit der politischen Gleichberechtigung aller Konfessionen ernst ist, so müssen wir es um so mehr beklagen, wie philistriöse Gesinnung einerseits, und burschikoser Uebermuth andererseits die Unduldsamkeit vergangener Zeiten neu in's Leben rufen möchten. Ich will Ihnen von beiden Seiten heute ein Beispiel mittheilen. Der hiesige Bankier Fiedler hat soeben den Neubau eines Hauses vollendet, in welchem 5 Verkaufsgewölbe zu vermiethen waren. Das Haus befindet sich am Brücket nachbarlich des Tandelmarktes, und es ist natürlich, daß sich bald jüdische Kaufleute zur Miethe fanden.

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