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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-09-08 · Heft 37 (8.9.1851) · p. Seite 438

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 37 (8.9.1851)
Date
1851-09-08
Page
Seite 438 (sequence 6)
Language
German
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438 binat wurde deshalb zu einer Session veranlaßt, in der Herr Oettingcr dieser Reform bedeutend entgegenlral, so daß für diesmal noch kein Resultat beschlossen wurde. Herr Oettingcr, ein Mann von rechtschaffnem und biederm Charakter, versteht sich, oder will es nicht, auf den sogenannten modern orthodoxen Schwindel sehr wenig. Er will durch derartige Reform keine Lockspeise geben und Agitationen machen. Auch liegen Herrn Oettingcr die schneidemühler Streitigkeiten vor, die ihm vom Ministerium zur Begutachtung zugeschickt wurden, wobei nun Herr Oettingcr sich in einem gewaltigen Dilemma befindet. Negativ darf er das Urtheil nicht fällen, da er dann mit seiner Gemeinde selbst, die kurz oder lang eine Reform einführen wird, in Kollision geräth. Ebenso schwer ist es ihm eine solche Reform zu billigen, da er ja an der Spitze der Orthodoxie steht, und allgemein von den Seinigcn als ein nmy angebetet wird. So kommt es nun, daß wenn die Alten cs früher nicht begreifen wollten wie dem Judenthume eine Reform Roth thue, es jetzt selbst fühlen müssen. Auch die Reform frohlockt, über diese Zerwürfnisse, und will, nach einer durchgeführtcn Reform bei der alten Gemeinde, ihr Recht im Angesicht der Regierung behaupten, und ruft ihrer Brüdergemeinde die Worte Jeremias zu: nbrinn die •na»n 7’Vj* ns, auch über dich ist der Taumelbechcr gekommen. A.r Aus der Provinz Posen, im August. (Privatmilth.) „Werden wir die Emanzipation behalten oder nicht?" Das ist eine Frage, welche jetzt die Gemüther der Juden wieder sehr stark beschäftigt. Für den letztern Fall sind leider! schon so manche Anzeichen vorhanden, und wenn diese Zeichen nicht trügen, so haben wol die Juden im Groß Herzogthum Pose» am Meisten Ursache, ängstlich zu sein. Denn kommen die Verhältnisse der Juden Preußens wieder auf vormärzlichen Standpunkt, warum sollte man dann nicht befürchten, daß auch der vorher gesetzlich gewesene zwiefache Unterschied zwischenJuden und Juden wieder eingeführt würde? Wir sagen: „Der zwiefache Unterschied!" denn Niemand wird vergessen haben, daß nicht nur das Judenreglement vom 1. Juni 1833, sondern auch noch das vom 23. Juli 1847 eine Scheidewand gezogen: 1) zwischen den Juden der Provinz Posen und denen der übrigen Provinzen, und 2) zwischen naturalisirten und nicht naturalisirten Juden im Großherzogthume. — Wird, wenn die alten Zustände zurückkehren, auch dikserDoppelunterschied wieder gesetzlich werden? Die Brüdergemeinde zu Posen hat bereits das Statut für den zu erbauenden neuen Tempel veröffentlicht. Die Kosten sind auf 16,060 Rthlr. veranschlagt. Diese Summe soll durch Verkauf von Aktien bis Johannis 1833 beigetricben werden. Wenn sich diesem Unternehmen auch große Schwierigkeiten in den Weg stellen, so läßt sich bei dem Eifer und der Energie der Mehrzahl der „Brüder" doch hoffen, daß sie alle Hindernisse besiegen und mit der Zeit zum Ziele gelangen werden. — In ihrem Kultus hat die Brüdergemeinde an der Gesellschaft „Kobea-Jthimlethora" insoweit eine Nachahmerin gefunden, als auch diese Letztere seit einigen Monaten „Chorgesang beim Gottesdienste" eingeführt hat. — In Gnesen ist diese Reform (nämlich der Chorgesang bei dem öffentlichen Gottesdienste) mit dem ersten d. M. — nach bjährigem Bestehen — wieder zu Grabe getragen worden, Platz machend dem alten Jargon, welcher mit dem letzten Sabbat-CHasan in den Tempel wieder einzog und daselbst Gott weiß wie lange nun wieder herrschen wird. — In Krotoschin und Liffa dauern die Reibungen zwischen Abgelösten und Nichtabgelösten noch immer fort und geben nicht selten zu Auftritten Anlaß, die einerseits zu komisch, als daß man darüber seufzen, andererseits aber auch wieder zu ärgerlich sind, als das man darüber lachen könnte. — Wann wirds anders werden in den Gemeinden Israels? Magdeburg, 1. September. (Privatmitth.) Sonntag den 14. I>. 10*/r Uhr findet die Einweihung der ncuerbautcn Synagoge statt. Es ist ein herrliches Gebäude worden, einfach, groß, schlank, mit der Fronte an der Straße, höchst imponirend. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 29. August. Die L. Z. C. schreibt: Es ist die Besorgniß entstanden, daß die den Israeliten des österreichischen Staates gewährten Erleichterungen und Begünstigungen in Folge der neuesten Entschließungen Abbruch erleiden dürsten. Wir glauben aus verläßlicher Quelle versichern zu dürfen, daß die Re-

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