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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-09-08 · Heft 37 (8.9.1851) · p. Seite 437

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 37 (8.9.1851)
Date
1851-09-08
Page
Seite 437 (sequence 5)
Language
German
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487 der Erzväter, Josephs, Davids u. dgl. Eine genaue chronologische Folge wäre dabei, gar nicht zu beobachten. Sind diese Erzählungen zum Oeftern vorgetragen, wobei insbesondere schon hervorzuheben ist, daß diese Männer zuerst in der Heidenwelt zur Gotteserkenntniß kamen, so lasse man die betreffenden Abschnitte in der deutschen Bibel selbst Nachlesen. Dieses Lesen der Stellen in der Bibel selbst sott keine Arbeit, es sott eine Belohnung sein. Nur diejenigen, welche sich durch Aufmerksamkeit beim Erzählen, durch sittliches Betragen verdient gemacht haden, sollten zum Bibellesen zugelassen werden. So wird das ein Sporn zur Sittlichkeit werden und sichAchtung vor dem Buche schon dem kindlichen Gemüthe einprägen. Es versteht sich von selbst, daß man sich von den Kindern das Gehörte und Gelesene nacher,zahlen laßt, ohne dabei pedantisch strenge auf Kleinigkeiten zu achten. — Neben diesem ersten historisch-religiösen Unterricht, der gänzlich getrennt vom übrigen historischen Unterrichte sein muß, fange man an, einzelne Bibelsprüche den Kindern einzuprägen, vom Leichtern zum Schwerern übergehend, und dies nicht allein in deutscher, sondern auch in hebräischer Sprache. Wir wünschten dies noch ehe der Schüler hebräisch lesen gelernt hat. Er wird um so mehr überrascht und erfreuet, wenn er beim Lesen nachher auf schon bekannte Töne und Worte kommt — daher es auch zweckmäßig wäre, wenn nachher diese Sprüche als erste Leseübungen benutzt werden, Uebungen in fremdartigeren können doch dabei stattsinden. — Das Beibringen von Sprüchen in einer fremden Sprache, von der man noch keinen Buchstaben und noch keinen Laut kennt, hat zwar seine Schwierigkeiten, aber bei Weitem nicht die, welche die Theorie träumt, das kindliche Organ ist biegsam und das kindliche Gedächtniß nimmt oft das Fremdartige eher auf, als das Heimische. Geduld gehört zu allem Unterrichte und besonders zum Elementnrunterrichte, sie überwindet aber auch Vieles und — Alles. Auch in früheren Zeiten konnte das Kind sein sein min N12, seine Segenssprüche früher stammeln und sprechen, als lesen, warum sollte dies mit Kindern, welche schon deutsch lesen können und deren Verstand und Gedächtniß schon durch den allgemeinen Elementarunterricht geweckt und geübt ist, nicht auch, nicht besser gehen? Selbst Mädchen mögen diese Sprüchlein in der Ursprache lernen und sie werden ihnen eine köstliche religiöse Mitgift für's Leben sein. — Nun erst beginne der Unterricht im hebräischen Lesen nach bester Methode und ich habe immer gefunden, daß es damit vortrefflich geht. wenn der Schüler schon im deutschen Lesen geübt ist, und daß die Schwierigkeiten bald überwunden sind. Außer den mechanischen Leseübungen, sei die erste Lektüre, wie schon bemerkt, die schon gelernten Kernsprüche, und da nun auch das Auge dem Gedächtniß zur Hilfe kommt, gehe man immer weiter im Lesen und Uebersetzen von bedeutungsvollen Bibelversin aus allen Theilen der heit. Schrift, die man zum Theil auswendig lernen laßt, alles sine ira sed cum Studio; Liebe und Nachsicht müssen den Unterricht leiten, die Jugend muß Freude daran haben und den innern Wachsthum des Geistigen fühlen und genießen. Passende mündliche Erläuterungen bei dem Lesen dieser Sprüche, mehr praktischer Art, durch Erzählungen und Beispiele aus dem Leben, mögen diesen Sprachunterricht begleiten und erheitern, aber nur da, wo sie moralischen Inhalts sind, die religiösen Wahrheiten seien ja noch kein Gegenstand der Diskussion, Katechetik u. dgl., sie müssen auf das junge Gemüth einen Gesammteindruck machen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 23. August. lPrivatmitth.) Der nach dem hundertjährigen Edikt gewählte Borstand ist nun wirklich zusammengetreten, doch bald hat er die Erfahrung gemacht, daß es sich im Jahre 1851 nicht nach dem Edikt des Jahres 1751 regieren laßt. Die Zeit ist eine andere geworden und der fromme nur gehorchende Geist ist von ihr gewichen. — Wie es in diesem Blatte schon angezeigt wurde, siel die Wahl des Vorstandes größtenlheils auf konservative Mitglieder der Gemeinde, so daß scheinbar die Orthodoxie den Sieg davon getragen hat. Doch ist es in der That nicht so ausgefallen. Kaum hielt der Vorstand einige Sitzungen und schon machten sich in ihm mehrere Fraktionen nach verschiedenen Geistesrichtungen merkbar. Das Merkwürdigste dieses konservativen Vorstandes ist, daß Keiner denkt bei dem Alten zu bleiben. Es fühlt ein Jeder, daß etwas Neues geschaffen werden muß. So war das Nächste, daß sie Schemata dem Rabbinate vorlegten, wie sie die Gebete auf!i'H und Z8 umgeändert und eine neue Synagogenordnung eingesührk haben wollen. Das Rab-

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