Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 37 (8.9.1851)
- Date
- 1851-09-08
- Page
- Seite 436 (sequence 4)
- Language
- German
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436 sein, den wir in den früheren Artikeln als den die ganze Erziehung zu durchwehenden, aus den Fundamentalsätzen des Judenrhums hervorgehenden bezeichnet haben. Es müßte in der Jugend das jüdische Bewußtsein erheben und eines Theils in der Geschichte des Judenthums bis auf unsere Zeit, nachweisend überall den Beruf des jüdischen Stammes und seine Entwickelung zu diesem Berufe, andern Theils in Entwickelung der Religionswahrheiten, gegründet auf Natur, Geschichte und heiliger Schrift, enthalten, das Wesentliche überall hervorhebend und dem Geist und Gemülh zuführend, das Unwesentliche beleuchtend und in seinen Beziehungen zu den Fundamenten erklärend. Noch fehlt es wirklich an einem Volksbuche dieser Art und seine Beschaffung wäre keine kleine Aufgabe, aber von unendlichem Einfluß. Diesen! Einfluß auf die große Maffe haben bis jetzt unsere Religionsbücher nicht gehabt, sie sind zu systematisch-trocken, zwingen zum Theil den Text der heil. Schrift in ihre dogmatische und theologische Ansicht, vermengen Vieles unter einander, was nicht zusammengehört, geben sich mit zu viel Deutungen des Zeremonialgesetzes ab, heben dessen Verbindlichkeit zu stark hervor und stellen das Judenthum nicht als ein sich aus der Zeit Entwickeltes, und mit der Zeit Lebendes, sondern als eine aus Hauptstücken bestehende systematische Lehre dar, Vieles hineintragend, was darin nicht vorhanden, Vieles verschweigend, was von großer Wichtigkeit, so in Form und Materie dem Geiste ves Judenthums nicht angeeignet. — Die Religion wird hier zu sehr als Sache des Verstandes betrachtet, was sie nicht ist, der Glaube als Hauptelemenr des religiösen Lebens verleugnet und nur dahin gestrebt, die Religionswahrheiten der ratio recht und genießbar zu machen, was nicht möglich ist. Hieran hat das rationelle Streben der neuern christlichen Theologie Schuld, der man Nichts nachgeben wollte, indem man das Judenthum von vorn herein, der Mendelssohn'schen Schule folgend, als Sache der „reinen Vernunft" ansah. Wir stimmen durchaus nicht denen bei, welche den Unterricht in der hebräischen Sprache für unwesentlich bei der Erziehung der jüdischen Jugend halten und ihn ganz verbannen wollen. Ist es unsere Aufgabe, in der Jugend jüdisches Bewußtsein zu wecken und zu heben, so ist gerade die Kenntniß der hebräischen Sprache ein sehr wichtiger Hebel dazu. Kann der Unterricht in den Wahrheiten der israelitischen Religion nicht ohne Kenntniß ihrer Quelle, der heil. Schrift bestehen, so kann die Aufnahme dieser Quelle in sueeum et sanZuinem des Schülers fast nur durch Kenntniß der Ursprache ermöglicht werden. Keine andere Sprache kann die Schärfe des Ausdrucks, die umfassende Bezeichnung und die Logik, die in jedem Worte liegt, wiederqeben, keine andere Sprache vermag die heil. Schrift so sehr zum Eigenthume des Juden zu machen, als die hebräische. Es ist dies die Konsequenz einer zweitausendjährigen Volksbildung, durch Geschichte vermittelt. Für alle Lagen des Lebens, für alte Beziehungen zu Gott und Welt, geben die Worte und Sprüche des heit. Buches einen Anhalt, wie kein anderes Buch, wunderbar durchglüht dich ein Satz, den du in der Jugend gehört und der im Alter! nicht dem Gedächtniß entschwunden, tief empfindest du auf einmal seine Wahrheit, seine Bestätigung in deinem Leben, und du findest den Faden wieder, den du verloren, zu deinem Tröste, zu deiner Beruhigung, in deinem Denken, in deinem Handeln! Weit inniger prägen sich dir solche Kernsatze ein, wenn du sie in der Ursprache gelesen und behalten bast und die Bedeutung jedes Wortes kennst, weit vertrauter werden sie deinem Geiste in den ursprünglichen Tönen, weit belebender und erquickender ihr Einfluß. Wir können natürlich dies nicht denen begreiflich machen, die nie in die hebräische Sprache eingedrungen und die ohne Kenntniß derselben geblieben sind, mit ihrem Regeldetriverstande werden sie uns belächeln, aber wir sind desto gewisser, daß der Kenner uns verstehen wird. — Natürlich kann der Unterricht in der hebräischen Sprache nicht überall von gleicher Ausdehnung sein — obgleich je weiter man den Schüler führen kann, desto besser, beim weiblichen Geschlecht kann er so nur sehr beschränkt sein — und dies führt uns überhaupt dazu, die Stufenfolge zu betrachten, nach welcher der rellgiöse Unterricht zu leiten wäre. Wir rechnen nicht zum eigentlichen Unterrichte, was die häusliche Erziehung zu thun hat und was wir in einem spatern Artikel besprechen werden, obgleich da, wo diese mangelhaft ist, auch Vieles dem Lehrer anheimfällt, was sonst von ihr geleistet werden müßte. Es ist auch, nach unserer Meinung, nicht gerathen, den Unterricht in zu frühem Kindesatter zu beginnen, wir würden es sogar gern sehen, wenn unser kleiner Schüler schon über die ersten Stufen des allgemeinen Elementarunterrichts hinweg waren und bereits die Martern des deutschen Lesenternens u. dgl. überstanden hatte. Dann — vielleicht dem achtjährigen Kinde — wären einzelne Abschnitte aus der biblischen Geschichte zu erzählen in einem dem Kindesalrer passenden Tone, wie z. B. die Geschichte