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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-09-08 · Heft 37 (8.9.1851) · p. Seite 435

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 37 (8.9.1851)
Date
1851-09-08
Page
Seite 435 (sequence 3)
Language
German
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435 Wahrheiten fand in früheren Zeiten nie statt. Nachdem der Knabe hebräisch lesen und einige Abschnitte im Pentateuch mechanisch übersetzen gelernt hatte, das Mädchen nur lesen, Beide Anweisungen Ln den Gebeten erhalten, war der Volksuntern'cht beendet und nur die Fähigen wurden, zum Theil, später zum Talmudstudium u. s. f. gelassen. Die Abstraktion der Religionswahrheiten, des Inhalts der heil. Schrift war dem Zufall überlassen, die häusliche Erziehung und das Leben erzeugten natürlich ein jüdisches Bewußtsein, aber ohne Klarheit und Verständnis. Wenn daher die Anzahl derjenigen größer war, als jetzt, die eine Quellenkenntniß besaßen, da von den den Fähigeren das Studium der hebräischen Sprache und der darin geschriebenen Bücher eifriger betrieben wurde, so war doch die Ignoranz im Volke ebenso groß und verbreitet, als jetzt, ja noch bei Weitem krasser, da es an allem Unterrichte fehlte und Verstand und Gemüth auch aus anderen Quellen keine Nahrung erhielten. Wie steht es mit dem Religionsunterrichte jetzt? In vielen kleineren Gemeinden wird gar keiner ertheilt, in größeren wachst ein großer Theil der Jugend aus den gebildeten Ständen ohne Solchen auf. Wir haben zwar seit Peter Beer und Johlson eine Menge von Religionsbüchern, Katechismen u. dgl., die reichliches Material zum Religionsunterrichte verschaffen, aber leider fehlt es noch an tüchtigen Lehrern oder wenigstens in den kleineren Gemeinden an Mitteln, Lehrer zu erhalten. So lange es in Solchen noch für wichtiger gehalten wird, lieber Schächter, auch nur für Wenige, die sie brauchen, als Religionslehrer zu halten, wird es im Argen bleiben und auch dann, wenn alle nicht zur wahren und engern Religionsbildung gehörigen Ausgaben vermieden werden, auch dann fehlt es noch an Elfer und an Geld, für wenige Familien in den Landgemeinden tüchtige Lehrer zu! besolden, und wo überhaupt diese hernehmen, wenn keine Seminare vorhanden, die sie ausbilden? Je mehr die Aussicht fehlt, als jüdischer Religionslehrer ein auskömmliches Brot zu finden, desto weniger junge Leute werden sich diesem prekären Berufe widmen. Es geht dies in manchen anderen Ständen ebenso. Die Apotheker klagen z. B. jetzt sehr über Mangel an guten Gehilfen; es ist dies ganz natürlich, da sie dieselben von jeher nur schlecht besoldeten und zum Theil besolden konnten. — Hier stoßen wir also schon auf große Mangel, die aus der äußern Lage der Judenheit entspringen: keine Seminare, keine Fonds zur Bezahlung der Lehrer, also auch keine Lehrer, folglich schlechten oder gar keinen Religionsunterricht, abgesehen daß der böse Wille und die Schlaffheit selbst da Nichts schaffen oder gar verhindern kann, wo noch eine Möglichkeit vorhanden wäre. Wie ist dem abzuhelfen? Ohne uns in weitläufige Projekte einzulassen, die leider doch zu Nichts führen, wollen wir nur darauf aufmerksam machen, daß ein gemeinschaftliches Handeln und Wirken hier doch viel bewirken und produziren könnte. Es wäre wol am Zweckmäßigsten, es bildeten sich unter Leitung und Mitwirkung der intelligentesten und energischsten Männer Provinzialvereine, welche aus freiwilligen bestimmten und unbestimmten Beitragen für jede bedeutende Provinz ein jüdisches Volkslehrerseminar gründeten und erhielten oder auch nur einige Zöglinge in den allgemeinen Provinzialschullehrerseminaren unterstützten, welche Zöglinge außer den im Seminar zu erlernenden Wissenschaften bei einem jüdischen tüchtigen Lehrer oder Rabbinen ihre jüdisch-religiösen Studien, so weit sie dem künftigen Religionslehrer vonnöthen, betrieben. Je einfacher sich diese Vereine konstituirten, je bescheidner und weniger ausgreifend im Anfänge das Ziel und die Aufgabe wäre, die sie sich vorsteckten und verlegten, desto besser wäre es, desto gewisser der Erfolg und die Ausdehnung ihrer Wirksamkeit. Noch ist der Sinn in Israel für Religion und religiöse Ausbildung nicht ganz untergegangen, gingen nur erst einige Provinzen, einige Dü strikte Deutschlands mit gutem Beispiel voran (zum Theil soll dies schon in Westphalen der Fall sein und hat dort schöne Früchte getragen), so folgten bald mehrere nach. Natürlich müßte der Geist in solchen Seminaren ein gebildeter, aus den Fundamentalsätzen des Judenthums hervorgehender sein und es käme weniger auf viele und gelehrte Kenntnisse der Lehrer an, als auf den in ihnen zu erweckenden Eifer für ihren Beruf, auf die in ihnen anzuregende Begeisterung, die Kinder ihres Stammes in den Wahrheiten ihrer Religion zu erziehen und zu unterrichten. — So lange dies Alles noch nicht ins Werk gesetzt ist, wäre cs aber höchst wünschenswerth, es machte sich ein geeigneter Schriftsteller an die Bearbeitung eines ReligionSbuches für's Volk und für die Jugend, welches von den Eltern den Kindern in die Hand gegeben werden kann, so daß die Eltern selbst hierdurch in den Stand gesetzt würden, da ihre Kinder zu unterrichten, wo eine Religionsschule und überhaupt Religionsunterricht nicht zu beschaffen ist und auch da zur Nachhilfe dienen kann, wo dies ja der Fall ist. Wie wir uns dieses Werk denken, so dürste es nicht in trockner oder katechetischer Form abgefaßt werden. Es müßte in dem Geiste geschrieben

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