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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-09-01 · Heft 36 (1.9.1851) · p. Seite 429

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 36 (1.9.1851)
Date
1851-09-01
Page
Seite 429 (sequence 9)
Language
German
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429 Rußland eklatante Beweise der Gerechtigkeit gegeben werden — es wird nur noch lange dauern, bis sie durchdringen. Jzn Ganzen kann man hier wie anderswo, in Oesterreich und Preußen bemerken, daß, namentlich wo viele Juden an Einem Orte wohnen, seil 1848 im Wolke ein leider! sehr lebhafter Haß gegen unsere Glaubensgenossen erwacht ist, wie eine „Reaktion im Volke", ohne daß man eine bestimmte, wahrnehmbare Ursache angeben könnte. Gott bewahre vor jedem Funken in eine Pulvertonne! —. Nach den offiziellen Tabellen giebt es in Rußland 3027 hebräische Schulen mit 33,161 Schülern. (Wenn diese Zählung richtig wäre, so kämen auf jede Schule 10 Schüler; dies ist aber um so unmöglicher, als es Schulen mit einigen 100 Schülern giebt, und wie viel Schüler sollen dann auf di« minderzähligen kommen? Ebenso zeigt sich diese Zahl unrichtig, da dann kaum der 40ste Mensch unter den Juden Schüler wäre, und das ist bei den Juden niemals der Fall. Und wo blieben die Schülerinnen? Also entweder das Blatt, dem wir diese Notiz verdanken, hat die Zahlen nicht richtig wiedergegeben, oder die Zahlen find überhaupt unrichtig. —. Unlängst brachten die österreichischen Blätter eine Notiz über die Ackerbauschulcn, welche in Rußland für die Juden seit langer Zeit angelegt worden seien, wie wohlthätig sie wirkten und wie viele Juden dadurch zum Ackerbau kämen. Wir nahmen dieselbe nicht auf, weil wir ihre Unrichtigkeit wußten. Jetzt bringen die C. Bl. a. B. selbst eine Widerlegung, daß an der ganzen Notiz auch nicht ein Wörtchen Wahres wäre. Wir wissen ja, wie vor Jahren die russische Regierung jüdische Ackerbaukolonieen in Sibirien anlegen wollte, wie sich viele Tausende von Juden dazu meldeten, und wie es dann — unterblieb. Großbritanien. London, 14. August. Gestern wurde dem Vertreter für Greenwich in xsrtibus, Alderman Salomons, ein Bankett in Woolwich gegeben, welches zum Wahlbezirk von Greenwich gehört; alle Reden und Toaste athmeten Begeisterung für die Durchführung der Emanzipation der Juden. Der Gefeierte selbst hielt eine Ansprache, die allgemeinen Anklang fand. Holland. Ans dem Haag, 6. Juli. (Arch. isr. de Fr.) Heute fand in der hiesigen Residenz die Generalversammlung der Dcputirten der „Gesellschaft für die israelitischen Interessen in Holland" statt. Der Vorsitzende der Hauptdirektion, Herr». Pinto, Advokat im Haag, hat die Sitzung durch eine bemerkenswerthe Redx eröffnet, in der er die Anstrengungen hervorhob, die man von allen Seiten zu Gunsten des Gedeihens der Gesellschaft, die, obgleich sie erst seit einigen Jahren bestehe, schon so vortreffliche Resultate geliefert habe, mache. Er hat in derselben ihren wahren Zweck und Geist geschildert und mehrere Vorurtheile, die gegen dieselbe ausgctaucht, widerlegt. Die Gesellschaft ist weder ein Klub zur Bildung einer religiösen Reform, noch eine Gesellschaft von Sondertendenzen. Nach ihren Statuten, und nach dem Wunsche aller derjenigen, die zu ihrer Gründung beigctragen, hat sie die Veredelung der Masse in Absicht, indem sie die Keime der Tugend, der Bildung und Aufklärung in dieselbe verpflanzt. Sie beabsichtigt also einen geistigen Zweck; sie nimmt eher bas Herz als die materiellen Interessen in Anspruch; nicht als wenn sie die Mittel, Letztere gleichfalls zu begünstigen, ausschlösse, aber diese Tendenz ist nur sekundär. In einem Lande wie Holland, wo so viele Vereine sich die Hand bieten, um das Schicksal der Bedürftigen zu verbessern, wo auch die Israeliten auf so lobenswerthe Weise die ihrem Kultus eingepflanzte Mildthätigkeit ausaben, würde es überflüssig sein, eine Gesellschaft zu errichten, die eine Art fortwährender Protestation gegen Alles, was die verschiedenen Institute zur Abhilic des Armen leisten, sein würde. Die Absicht der Gesellschaft ist, gute Bücher und Sammlungen, in denen der Israelit geistige Nahrung findet, zu verbreiten. Diese Veröffentlichungen sind das eigentliche Gebiet der Gesellschaft. Herr Pinto drückte den Wunsch aus, daß die Unternehmungen dieser Art in dem Maaße immer mehr unterstützt werden möchten, als die Arbeiten der Gesellschaft gebilligt würden; die Fortschritte einer Gesellschaft, der sich so viel gesinnungstüchtige Männer angeschlossen haben, können nur zunehmen; und schließlich drückte er die Hoffnung aus, daß die Gesellschaft in dem neuen Jahre, das sie begonnen, neue Fortschritte einzuregistriren und 36*

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