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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-09-01 · Heft 36 (1.9.1851) · p. Seite 426

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 36 (1.9.1851)
Date
1851-09-01
Page
Seite 426 (sequence 6)
Language
German
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426 tern geoffenbarte einig-ewige Gott, 8er sich dir noch heute in deinem Herzen offenbarende Gott der Liebe. In diesem Geiste und mit dieser Lehre muffen wir unsere Kinder erziehen, alles Ueblige ist das Material zum Bauwerke auf dieser Basis, auf diesem Fundament, auf dem sich der Bau in verschiedener Form erhebt. Man überlasse es dem Einzelnen, seiner Freiheit und dem Geiste seiner Zeit, das Materielle sich auszuerlesen und die Form zu bestimmen, welche ihm zusagt: in der niedrigen Hütte von Lehm laßt sich so gesund und heiter, so sicher und wohlgemuth leben, als im prächtigen Pataste, aber der Grund muß fest stehen, denn sonst kann die Hütte, kann der Palast wanken. Aber dem weisen Bauherrn geziemt es, auch aus sein Baumaterial zu sehen, sich das Feste, Brauchbare auszuersehen und den Riß der Form zu entwerfen, die ihm angemessen erscheint. „Schaue auf Zeit und Ort" sagt ein alter, weiser griechischer Arzt zwar in ganz anderer Beziehung, aber auch wir wollen ja arzten und heilen, daß es besser wird in Israel. Wir haben das Fundament gezeigt, auf welchem die Erziehung der Jugend zu bauen ist, ein Fundament, ewig, unvergänglich, ewig geeignet zum Bauen. Es war der Grund des Judenthums, der feste, felsige Grund — er hat Jahrtausende gehalten. — Zeiten gab es schon, wo alles Andere fehlte und doch war das Judenthum vorhanden, selbst das äußere fleischliche Bundeszeichen unterblieb oft lange Zeit, dieZeremonialgesetze waren abgethan und doch blieb das Juoenthum — Beweise, daß sie alle nicht die Basis machen. Wir haben daraus aufmerksam gemacht, daß auf dieser Basis sich das Judenthum individuelle Freiheit der Ausbildung gestattet und daher auch der Erziehung einen weitern Spielraum, aber weise und praktisch ist es doch, sich nach Bausteinen und dem festbindenden Mörtel umzusehen, um zu beantworten: wie bauen wir in unsrer Zeit, wie sollen wir bauen? (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, im August. (Privatmitth.) Bei den Wahlen zu den Provinziallandtagen hat sich also die Richtung, die wir zu erwarten haben, hinlänglich gezeigt. Die jüdischen Mitglieder der Gemeinderäthe sind überall als nicht wahlberechtigt ausgeschlossen worden. So z. B. in Stargard. *) In Breslau erhob die N. O. Z. die Frage: wenn die Juden nicht wahlberechtigt sind, wie stehl's mit den jüdischen Mitgliedern des Gemcinderaths? Einfach zu beantworten: sie werden ausgeschlossen. Wenn man frägt: wenn der jüdische Richter keinen christlichen ^Eid soll abnehmen können, und darum kein Jude Richter soll sein können, was geschieht mit den jüdischen Referendarien? Einfach zu beantworten: sie werben ausgeschlossen. Was aus ihnen werden soll, das ist ihre Sache, wer wird sich darum kümmern. Und so könnten wir viele Fragen aufwerfen, und die Antwort wird immer einfach lauten: sie werden ausgeschlossen. Wer wird auch so dumm fragen. Sehr neugierig wäre ich, zu erfahren, was denn die echt Konservativen unter den Juden hierzu sagen, und ob sie dies auch als nothwendig, um den Staat zu konserviren, halten. —. Die Boss. Ztg. giebt die Zahl der Mitglieder der Reformgemeinde in Berlin auf 400 an, und daß sie sich in neuester Zeit vermindert haben soll. Posen, im August. (Privatmitth.) Die Verhältnisse in unscrm Großherzogthum, so weit sie die innere Stimmung und das Benehmen der verschiedenen Nationalitäten, die in ihm seßhaft sind, zu einander betreffen, haben sich seit 1848 sehr verändert. Man erinnert sich, daß in diesem verhängnißvollen Jahre die Juden überall im Verein mit den Deutschen, in engster Verbindung mit diesen, und gegen die Polen auslraten, und daß cs die Juden waren, welche vor-! zugsweise die weitere und stärkere Verbreitung der : polnisch - revolutionären Flamme verhinderten. Da- \ mals wurde ihnen tausendfach der Dank der Deut- E schen zugcflchert, damals waren die Deutschen so in-! nig, so liebevoll gegen sie. Aber der Sieg brachte andere Gesinnungen mit sich. So wie die „Kreuzzeilung" stets die Juden als Revolutionäre bezeichnet und verschreit, und gerade nach unserm Großherzogthum und Westpreußen ihre Verketzerungen am Meisten schleuderte, während sic mit keiner Silbe erwähnte, daß in unsrer Provinz die Juden sich im geraden Gegentheil bewährten — so benehmen sich die Deutschen überhaupt in unseren Gegenden jetzt gegen uns, *) In Magdeburg hat bekanntlich der ganze Gemeinderath nicht gewählt; der Redakteur v. Ztg., der Mirglied des Gemeinderakhs ist, war aber damals nicht zu Haufe, sondern im Bade.

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