Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 35 (25.8.1851)
- Date
- 1851-08-25
- Page
- Seite 416 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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416 Ein geehrter Synagogalvorstand wolle nun veranlassen, daß dieses königl. Gnadengeschenk dem gedachten Ehejubelpaar unter einer passenden Feierlichkeit in der Synagoge 3) vom Rabbiner 4) übergeben und dabei zugleich auf die hohe Bedeutung desselben mit aufmerksam gemacht wird. Jndery ich ryich des allerhöchsten Auftrages entledige, bitte ich Sie ergebenst um einen kurzen Bericht 5) über die bei der Uebergabe dieses allerhöchsten Gnadengeschenkes stattgefundene Feierlichkeit. gez. G. Finkenftein. Der Bevollmächtigte und Kommissarius Ihrer Majestät der Königin für die königl. Elisabeths- Vereins-Stiftung. Nachbemerkungen des Korrespondenten. 1) Das Gebetbuch, den hebräischen Text nebst deutscher Uebersetzung enthaltend, ist auf's Prachtvollste gebunden und trägt auf dem obern (rechten) Deckel eine Krone, worunter ein E, welches wie die Krone selbst und der sie umgebende Rand von Silber gepreßt ist. 2) Die Widmungsworte befinden sich vor dem Titelblatte und lauten: „Dem Rabbinatsassessor Kivert Kalischer holden Ehe- Jubelpaar zu Lissa als ein Andenken gewidmet. Potsdam, den 25. Mai 1851. Elisabeth." 3) Die Feierlichkeit hat, wie in dieser Zeitung bereits mitgctheilt worden, am 7. Juni d. I. als am zweiten Tage des Wochenfestes, im großen Tempel zu Lisia stattgefundcn. 4) Einen Rabbiner hat Lissa nicht. Die Stelle desselben vertritt jedesmal der Vorsitzende im Rabbinatskollegium, gegenwärtig Herr H. Abarbanel, welcher auch das königl. Geschenk dem Jubelpaar überreicht hat. 5) Der verlangte B ericht über die Feierlichkeit ist unterm 24. Juni d. I. von dem Synagogalvorstande zu Lissa an den Grafen von Finkenstein ertheilt worden. Oesterreichischer Kaiserstaat. Aus Ungarn. Nach eben erschienenen amtlichen Tabellen wohnen in Ungarn ohne die Wojewodina, Siebenbürgen u. s. w. 395,931 Israeliten. Aus Oesterreich, im August. (Privatmitth.) Wir billigen es sehr, daß Sie in Ihrem geschätzten Blatte die Auszüge aus den Protokollen der jüdischen Synode in Prag mittheilen. Denn wenn auch die Namen nur lokale Bedeutung haben, so sind doch die streitigen Punkte und Themata von ganz allgemeinem Werthe, und der tiefer Blickende erkennt sehr wohl die streitenden Ansichten und Zwecke, welche da im Kampfe waren, welche aber noch lange im Kampfe sein werden. Wenn wir von jenen einzelnen Rabbinen absehen, die eigentlich nur um ihre Existenz kämpfen, denen der Ausgang des Streites ziemlich gleichgiltig ist, wenn sie nur ihr Brod behalten — so giebt es in Oesterreich unter den Juden jetzt zwei Parteien. Die Eine hat allerdings zum Gegenstände ihres Strebens, ohne daß sie es freilich immer offen bekennt, eine Hierarchie im Judenthume zu gründen, eine kirchliche Autorität zu schaffen, welche, vom Staatsgcsetze aufrecht erhalten, die Juden an ihre Aussprüche und Verordnungen binde. Sie hat dabei weniger das alte Rabbinerthum vor Augen, das ja nur auf den Glauben und das Zutrauen der Juden sich stützte, und mit diesem sank, als die Verfassung der katholischen Kirche mit ihrer Kraft zu lösen und zu binden, mit ihrer dogmatischen Abgrenzung, mit ihrer organisirten Gliederung, mit ihrer unbedingten Autorität. Sie will gern einen neuen Schulchan Aruch aus den Trümmern des alten, einen ästhetisch zugestutzten, schaffen, und diesen mit dem ehemaligen Ansehn der talmudischen Satzung bekleiden. Man darf diese Männer nicht falsch beurtheilen. Man muß nicht glauben, daß es etwa allein und immer die persönliche Geltung ist, die sie damit bezwecken. Vielmehr sehen diese die Satzungen des Judenthums immer mehr an Kraft und Wirksamkeit verlieren, sie sehen die Bethätigung des Judenthums immerfort schwinden, sie sehen mit dieser zugleich den religiösen Jndifferentismus immerfort wachsen, sie sehen zugleich die Irreligiosität immer mehr Schichten der jüdischen Masse ergreifen, sie sehen viele Tugenden, welche mit dem alten Judenthume in dieser Masse lebten, verloren gehen, sie fürchten für den Bestand und die nachhaltige Kraft der Religion — und darum wollen sie dem Judenthume wieder eine konkrete Gestalt zueignen, darum wollen sie in der Schöpfung einer sichtbaren Autorität, einer Körperschaft, in welcher diese Autorität vorhanden wäre, einen Damm gegen die wachsende Irreligiosität für die Masse Herstellen. — Dieser steht nun eine zweite Partei gegenüber, welche die unbedingte Freiheit auf dem religiösen Gebiete will. Sie giebt höchstens eine Verfassung der Kultusgemeinde zu, die