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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-08-25 · Heft 35 (25.8.1851) · p. Seite 415

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 35 (25.8.1851)
Date
1851-08-25
Page
Seite 415 (sequence 7)
Language
German
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415 qu. Reskript, wohl aber unsere staatlichen Verhältnisse berührt und also lautet: „Das Referat über die Lehrerversammlung in K. habe ich gelesen. So lobenswerth die Lehrerkonferenzen auch sein mögen und gewiß auch von lokalem Nutzen, so muß ich doch mit innigem Bedauern es aussprechen, daß ich für die Verbesserung und Hilfe für jüdische Schulen von oben herab gar Nichts erwarte und alle Schritte bei der Regierung oder gar dem Ministerium für völlig fruchtlos halte. Ich mache mir zuweilen selbst Vorwürfe über meine Hoffnungslosigkeit; aber wo der Spiegel, in welchen man hineinschaut, ich meine die Verhältnisse der Gegenwart, selbst so dunkel und schwarz gefärbt ist, wie soll da ein freundliches Bild herausschauen? Es bestätigt sich nur alltäglich zu sehr, wie das alteingewurzelte i-wwn immer tiefere Wurzeln schlägt, und keine freundlichen Aussichten darbietet.... Nicht nur ist bei den Behörden die alte Abneigung und der Widerwille gegen Alles was Juden betrifft noch da, sondern in noch weit stärkerem Maaße, seitdem die Juden die „Verheißungen des Jahres 48 und der Verfassung" erfüllt sehen wollen; so haben Juden, welche Jura studirt haben, auf die Verheißungen hin als Refercndarien etliche Male Aufnahme gefunden, nun sie aber wirkliche Aemtcr beanspruchen, werden sie abgewiescn, weil ein jüdischer Richter demChristen keinen Eid abnehmen könne!!!" (Lesen Sie den Satz 2 Mal!) So weit mein würdiger Freund, der mir hoffentlich nicht zürnen wird, daß ich seine Worte veröffentlicht. Warum soll man nicht die Wahrheit sagen dürfen? Die Kreuzzeitungspartei will freilich, daß die Juden schweigen und hübsch Bücklinge machen, wenn ihnen auch das entzogen wird, was ihnen von Rechtswegen zukommt; aber das wäre g e s i n n u n g s l o s. Schweigen ist die Ehre der Sklaven, sagt Tacitus. — In meinem Nächsten, lieber Herr Doktor, werde ich Ihnen vielleicht ein Geschichtchen erzählen, das zu dem vorstehend Gesagten in gewisser Beziehung den Kommentar liefert. Dies Mal nur noch — als Ergänzung des neulich über Holland Berichteten (No. 28) die Mittheilung, daß es jetzt wieder ungewiß sein soll, ob vr. F. aus Cörlm (nicht Cöslin, wie es in jenem Artikel heißt) nach Zwolle geht und daß in Amsterdam eine mehrklassigc, höhere jüdische Schule errichtet wird, in der neben dem Baume der Erkenntniß auch der Baum des Lebens gepflegt werden, d. h. in der die Jugend beiderlei Geschlechts neben der allgemeinen auch zeitgemäße jüdische Bildung erhalten soll. Es wäre zu wünschen, daß dies Nachahmung fände, besonders in den Gemeinden der größeren Städte, wo, bei dem Besuch der christlichen Lehranstalten, namentlich die reifere Jugend in der Regel keinen genügenden Religionsunterricht erhält und daher in religiöser Beziehung herzlich unwissend bleibt, was wol eine der Hauptursachen jener sich so breit machenden erbärmlichen Gleichgiltigkeit gegen alles Religiöse ist, die nicht selten in nichtswürdige Frivolität ausartet. W. Aus der Provinz Posen, 28. Juli. (Privatmitth.) In No. 26 dieses Blattes befindet sich ein der Posener Zeitung entlehnter Bericht über eine 60j ä hrig e Jubelhochzeitsfeier, welche am zweiten Tage des diesjährigen Wochenfestes in der großen Synagoge zu Lissa stattgefunden. Jener Bericht erwähnt vor Allem — weil dies das Wichtigste bei der Sache ist — des königlichen Gnadengeschenkes, welches dem Jubelpaare durch Vermittelung des Synagogenvorstandes zugesandt und überreicht worden. Das Geschenk war aber von einem Schreiben des Bevollmächtigten der königl. Elisabeths-Vereins-Stiftung, Grafen von Finken st ein, an den Synagogcnvorstand begleitet, und wir sind nunmehr in den Stand gesetzt, Ihnen von diesem Schreiben eine wörtliche Kopie zu liefern, welche wir Sie bitten, in der nächsten Nummer Ihres Blattes gefälligst abdrucken lassen zu wollen. Das erwähnte Schreiben lautet: Potsdam, den 27. Mai 1851. An den Synagogalvorstand zu Lissa im Großherzog; thum Posen. Einem geehrten Synagogalvorstand zu Lissa übersende ich beikommend auf allerhöchsten Befehl Ihrer Majestät der Königin ein Gebetbuch *) mit von Ihrer Majestät der Königin allerhöchst eigenhändig vollzogenen Widmungsworten 2) als ein allerhöchstes Gnadengeschenk für den Rabbinatsaffessor Kiwert Kalischer und dessen Ehefrau Mariane, welche am 16. März d. I. ihre 60jährige Ehejubelfeier begangen und sich durch eine 60jährige gottesfürchtige treue Ehe dieser königlichen Auszeichnung würdig gemacht haben. Möge dieses Gnadengeschenk in der Kalischer Familie als ein theures Andenken zum dauernden Segen fortleben.

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