Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 35 (25.8.1851)
- Date
- 1851-08-25
- Page
- Seite 413 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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413 Liebe, das Prinzip der Sittlichkeit. Also ist die Sittlichkeit das den Egoismus im Menschen Beschrankende, Aufhebende. Woher diese Liebe? Aus. der Natur kann sie nicht kommen, aus dem Materiellen kann sie nicht entspringen, das folgte ja einem ganz andern, entgegengesetzten Gesetze. Sie muß also einem Wesen entfließen, das reine Sittlichkeit, reine und ewige Liebe, Urliebe ist und dies Wesen ist — Gott. In der Liebe also, die nicht das Ihre, sondern des Andern Wohl sucht, die uns nicht eingepredigt noch eindemonstrirt ist, sondern die Theil unsers geistigen Lebens ist, liegt der Glaube an eine höchste, ewige Liebe, an Gott. Schon die alten Weltweisen behaupteten, daß der Mensch durch Befreiung von der Knechtschaft der Sinnlichkeit der Gottheit ähnlich oder gleich wäre, dieser Meinung liegt die innere Wahrnehmung der Einheit des Glaubens und der Sittlichkeit zum Grunde, ihr das Streben der Asketiker und die Aufgabe der positiven Religion: Vereinigung des geistigen Menschen mit Gott, Durchdrungensein vom göttlichen Willen. Ein hohes, dem Verstände unerreichbares Musterbild der Sittlichkeit schwebt uns vor, wird uns geboten durch die Liebe in uns und in diesem Erhabenen, Unbegriffenen liegt der Glaube an ein künftiges Sein, da ja seine Liebe oder vielmehr er selbst uns nicht verlaffen, nicht verstoßen kann, weit er eben dann nicht er wäre. Unsere Liebe ist aber hier im Kampfe mit dem egoistischen Naturprinzip so gut wie dies, das physische Leben, sich uns einzig und allein im Kampfe mit feindlichen Gewalten offenbart; von einer nicht im Kampfe, sondern rein sich offenbarenden Liebe können wir nur einen verneinenden, uneigentlichen Begriff haben, und den nennen wir Gefühl, Ahnung u. dgl. und sofern wir das Gefühlte, Geahnte als etwas Wahres, aber dem Verstände Unerreichbares ansehen, nennen wir das Gefühlte, Geahnte — Glauben. Wie wenig dieser Glauben von der materiellen Wirklichkeit abhängt, auch das lehrt uns die Beobachtung. Er erwacht gerade am Stärksten, der Glaube an Vorsehung und Unsterblichkeit, wenn widrige Schicksale auf uns einwirken, er ist am Stärksten, wenn wir den Verlust theurer Personen befürchten. Vor der Wirklichkeit erbleicht sonst der Phantasie glühendstes Farbenspiel; aber warum verschwindet nun der Glaube nicht an diese frohe Mahr von Gott und Unsterblichkeit, vor der furchtbaren Wirklichkeit, Einen unserer Lieben zu verlieren, wenn wir an seinem Sterbebette stehen, warum verstärkt er sich vielmehr, wo er schwach werden müßte, wo wir Gattin, oder Kind, oder Freund mit erloschenem Blicke, mit den stummen Zügen des Unbewußtseins, heimgefallen den feindlichen zerstörenden Gewalten der großen Natur erblicken? Deshalb weit er kein Phantasiegebilde ist, weil er sich nicht auf geschichtliche Nachricht gründet, die der Verstand bezweifeln kann, weil er, dieser Glaube, vielmehr aus dem Menschen selbst hervorgeht, eine Einheit mit der Liebe ist, erglühet wo die Liebe erglühet, erkaltet wo die Liebe erkaltet. — Auch alle anderen Aufregungen des sittlichen Gefühls, die uns entweder zu großen Aufopferungen nöthigen, oder bei denen wir uns solcher Aufopferungen fähig hatten, dringen uns den Glauben an eine Urliebe auf und in diesem Glauben liegt ja einzig die Bürgschaft eines künftigen Seins, eines künftigen Reiches der Liebe. Je mehr wir die Leidenschaften bezwingen, oder je mehr diese durch eigenes Schwächerwerden bei zunehmenden Lebensjahren, zürückweichen, desto stärker wird die Liebe in uns, desto mehr befestigt sie sich und während Alles schwindet, bleibt sie und der Glaube wird immer kräftiger, immer lebendiger, so das Irdische abkreiset und vergehet. Wie verhalt sich zu diesen Wahrheiten, entstammend aus der Brust des Menschen, das Judenthum d. h. die von Israel Jahrtausende hindurch getragene, vor Jahrtausenden durch begeisterte Seher Israel mitgetheilte, nach ihrem Ausspruch von Gott ihnen geoffenbarte Lehre? wie ist darauf die Erziehung der Jugend zu gründen? (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Magdeburg, im August. Wenn irgend Etwas uns als Berichterstattern Vergnügen macht, so ist es die noch immer bewährte Wohlthätigkeit der Juden. Die öffentlichen Blätter berichteten in jüngster Zeit zwei dergleichen Züge von Juden. Die Herren N. Reichenheim und Sohn in Berlin haben in Wüstegiersdorf eine Maschinenwollenweberei, bei der sie 2250 Arbeiter beschäftigen. Außerdem daß sie vor Jahren eine Krankenkasse für ihre Arbeiter errichtet haben, die bereits 4000 Ehlr. Fonds hat, haben sie jetzt auf eigene Kosten ein Krankenhaus für 18,000 Thlr. bauen lassen. — Die Gebrüder Treves in Venedig haben, wie der Lloyd berichtet, 60,000