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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-08-25 · Heft 35 (25.8.1851) · p. Seite 411

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 35 (25.8.1851)
Date
1851-08-25
Page
Seite 411 (sequence 3)
Language
German
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411 Wir sagten oben, daß es jetzt bei Weitem mehr ungläubige Frauen gebe als Männer. Aber wir sagten auch, daß die Frauen leichter zu rühren, zu bewegen, zu ergreifen waren. Za, in den Herzen der Frauen ruht das religiöse Gefühl, noch mehr, schläft das religiöse Bedürfniß nur unter dünner Rinde. Ein kräftig, lebendig Wort vermag es zu wecken, ein immer wiederholtes kräftig, lebendig Wort vermag cs zu nähren, vermag es zu heller Flamme zu schüren. Der Inhalt der Religion, die heilige Gotteslehre ist zu schön, zu erhaben, zu hinreißend, als daß nicht das Herz der Frauen, so sie in rechter Weise an sie herantrilt, davon ergriffen, davon hingerissen und erfüllt' werde. Ob dies ein Segen wäre? Selbst diejenigen, welche in ihrer Gleichgiltigkeit gegen alle höheren Fragen der Menschheit dem Mangel an religiösem Bedürfniß mit sehr kaltem Auge zuschauen, müßten es zugeben. Denn wer sich umsteht, muß mit Schrecken gewahren, wie unter den Frauen Israels alle Einfachheit, alle Zurückgezogenheit, alles sittliche Maß verschwunden ist. In ihrer Erscheinung wollen sie es an Putz und Staat, an Sammet und Seide, Allen zuvorkhun, auffallen, Aufsehen erregen, wenigstens zu den Hervorstechendsten gehören; in ihrer häuslichen Einrichtung soll Glanz und Reichthum verschwenderisch vorherrschen, die Zahl der Domestiken, die Fülle der Tafel soll blenden; Zerstreuung, Vergnügen, Genüsse. Natürlich dies nach verschiedenem Maße, aber eine Jede geht auf ihrer Stufe über die Kräfte des Mannes hinaus.... Welche Folgen! Welche Unsolidität der Häuser! welch'leichter Sturz! welche Hilflosigkeit bei jedem Unfall!... Nun, von wo könnt Ihr eine Besserung der Sitte erwarten als von wahrhaft religiösem Sinne? Von wannen glaubt Ihr kann die Einfachheit wiederkehren, wenn nicht von wiedergekehrtcr Frömmigkeit? Dem religiösen Geiste widerstrebt dieses übermäßige Herausputzen des Staubes; das religiöse Herz ist vor Allem gewissenhaft und befrägt die Verhältnisse des Mannes und die Zukunft der Kinder.... Nein! keine Zeit pfäffischer Herrschaft soll wiederkehren — wol aber der Herzensfrömmigkeit, der religiösen Einfalt, der wahren, aufopfernden Liebe — ... und daß diese wiederkehre, dazu gehört vor Allem eine Umwandelung des weiblichen Geschlechts. Ist dieses gewonnen, so ist das Haus wieder erobert, das verlorene, so ist die kindliche Welt und auch der Mann wieder gewonnen. Vor Allem also auf eine religiöse Bildung der weiblichen Jugend bedacht, auf eine tief innerliche, innige; vor Allem, ihr Lehrer Israels, überall die weibliche Welt in's Auge gefaßt, für sie gearbeitet und gewirkt. Dies ist der nächste Weg, den wir zu ebnen haben! Ueber jüdische Erziehung. Von Uri. (Fortsetzung.) Die Erkenntniß des Daseins Gottes und des Fortlebens unserer vom Körper getrennten Seele — diese beiden Grundpfeiler des religiösen Bewußtseins — ist nicht Sache des Verstandes. Sehen wir auf den Menschen in rohem Kulturzustande, so ahnt er zuvörderst nur ein Wesen, welches eine größere Macht als er selbst besitzt. Hiezu führt ihn die einfache Betrachtung der Natur und das Gewahrwerden ihrer enormen und ihn selbst überwältigenden Kräfte. Deshalb betet er auf der untersten Stufe auch nur einen Gegenstand der Natur an, an dem er insbesondere gewaltige Kraft bemerkt, die Sonne, die Gestirne, oder Solche, in welche seine Phantasie besondere Gewalt hineintragt, wie Thiere oder von eigner Hand gebildete bizarre Gestalten. Selbst der gebildete Grieche, unübertroffen bis jetzt in Werken der Kunst, konnte nur zur Personifikation einzelner Naturkräfte in seinen Göttern und Göttinnen gelangen; dem Weisesten unter ihnen, Sokrates, schien die höhere Wahrheit durch den sie ihm zuflüsternden Dämon zu kommen, und mühsam gründete er auf diese gefundene Wahrheit das Gebäude vecstandesrechter Kombinationen. Ucbrigens überzeugen uns weder die Kombinationen in Plato's Phädon, noch die aus der Wölfischen Philosophie geschöpften unsers Mendelssohn weder vom Dasein Gottes noch von der Unsterblichkeit der Seele. — Es ist uns mitgetheilt die Kunde vom Vater und diesem vom Vater und zuletzt haben sie die Väter von Männern vernommen, die es offenbar gestehen, daß sie ihnen durch die unmittelbare gnadenvolle Inspiration Gottes selbst geworden, deren Form hierbei ganz gleichgiltig ist. Aber auch beim Einzelnen, abgesehen von aller Tradition, kommt das religiöse Bewußtsein nicht durch das vcrstandesrechte Zurechtlegen der Gottesidee, vielmehr haben alle philosophische Versuche zu Nichts geholfen und Nichts gefruchtet, am Allerwenigsten ist aber, abgesehen von aller Dialektik, ein solcher Beweis möglich, dessen Bündigkeit jedem gesunden, ungekünstelten Verstände einleuchtet und der ihn wirklich überzeugt. Ja, der Materialist, der alles Gein

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