Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 34 (18.8.1851)
- Date
- 1851-08-18
- Page
- Seite 407 (sequence 11)
- Language
- German
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4V7 festgrstellt werden, ss müsse man auch für Unglücksfälle Vorsorgen. Thue man dies nicht, so falle die Last der Gemeinde anheim. Dies der Grund seines — des Redners — Antrags. Landau unterstützt den Antrag Lohns, nicht aber den vonL. Pick, da das Institut der Bezirksrabbinate noch nicht eingeführt ist. Der Redner stimmt für §. 84 mit Bezug auf §. 85 <s. unten). Eine Gemeinde, die keinen Rabbiner halten kann, brauche auch keinen anzustellen. (Fortsetzung folgt.) Großbritanien. London, 30. Juli. Die limes enthalten einen bitter» Artikel gegen Lord John Ruffel's Behauptung, daß die gerichtliche Entscheidung in dem gegen Alderman Salomons anhängig gemachten Prozeß auf das Unterhaus keinen Einfluß üben könne. — Die Bemerkung Ruffel's gegen das Oberhaus, daß dessen Verwerfung der Zulaffungsbill nur zu weiteren Wahlen von Juden führen werde, scheint sich zu bestätigen, denn der londoner Burgflecken Tower Hamlets will den Herrn Meier Rothschild zum Vertreter wählen. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Pädagogische Aphorismen. Von E. Wolffberg. (Fortsetzung aus No. 25. 33.) 8) Ein Unterricht, welcher wohl durchdacht und mit sichtbarer Ordnung in natürlicher Reihenfolge ertheilt wird, wird von dem Lernenden nicht nur leichter aufgefaßt, sondern, was ja die Hauptsache ist, das Gelernte wird auch nickt sobald vergessen. Auch bemerkt man, daß irgend eine Antwort, eine Definition u. s. w. welche, nach gehöriger Beleuchtung des Gegenstandes, vom Schüler selbst gegeben wird, viel eher sein geistiges (vielleicht unverlierbares!) Eigenthum bleibt, als wenn Alles vorgesprochen und pedantisch und ängstlich dabei verfahren wird. Zene Weise hat noch den Vorzug, daß der Schüler durch sie wirklich aus sich heraus zu einem verständigen Menschen gebildet werde, und zu einem eigenen Urtheile gelange. Deutlich zeigt sich das beim Unterrichte in den mathematischen und physischen Wissenschaften, und sollte es nicht möglich sein, ebenso, oder doch ähnlich zu verfahren mit allen Gegenständen, die in der Schule gelehrt werden? 9) Aus einem in die Erde gelegten Keime entsteht eine Wurzel, welche den Baum mit seinen Früchten tragt. Aber nicht urplötzlich steht der Baum mit seinen Früchten da; weiches Laub, Blütenknospen, volle Blüte, Fruchtbildung und reife Frucht, — das sind die Stufen, welche die Natur ihm als Wege zu seiner Entwickelung vorgezeichnet hat. — Für die Erziehung giebt es kein besseres Musterbild, als die Natur, in welcher Alles stufenweise fortgeht, Nichts sich übereilt. Wenn ich der Natur treu bleibe, nach ihren Grundsätzen erziehe und lehre, wenn ich das unmündige Kind in seiner Weise und auch den Knaben in seiner Weise behandle: dann bin ich gewiß, daß sich die jungen Kräfte der Seele von der Sinnlichkeit bis zur Vernunft zu entwickeln vermögen. Keine andere Aufgabe hat die Erziehung. 10) Manche glauben, daß die Pädagogik keine allgemeine Norm geben könne, nach welcher man in der Erziehung zu verfahren habe, das hänge vielmehr von der Individualität des zu Erziehenden ab. — Nur ein Wenig Uebertegung ist nörhig, um einzusehen, daß solche Ansicht unrichtig ist. Die Fähigkeiten, Seelenkräfte des Kindes, sind ja in ihrem tiefsten Grunde Keime des Guten, wie es bei der Wesenheit des Menschen auch nicht anders sein kann. Warum sollte es für die Erziehung keine bestimmten Gesetze geben, da ja alle Menschen in der Hauptsache gleicher Natur sind? Aber die Keime können durch verschiedeue äußere Einwirkungen ausarten, zu Unarten werden. Diese zu heilen, giebt es keine feste Reget. Trägheit wird oft geheilt durch ein einziges Wort der Ermahnung, oft durch Ironie, oft durch (scheinbar!) entzogene Liebe, oft nur durch positive Strafe. 11) Eine Unart zu heilen ist immer eine leichte Aufgabe, aber zu verhüten, daß durch die Beseitigung eines Uebels nicht ein anderes wieder herbeigeführt werde, gehört zu den schwierigsten Aufgaben der Pädagogik. Hier bedarf eS der größten Vorsicht, der gründlichsten Forschung nach der Natur deS Uebels und einer weisen Auswahlung des Heilmittels, und immer müsse man darauf bedacht sein, in der Strafe zugleich die Liebe und das Wohlwollen durchblicken zu lassen, überhaupt positiv nicht früher zu strafen, als bis man sich von der Nutzlosigkeit jeder negativen Zurechtweisung überzeugt hat. Durch jählings angewandte Strafe kann oft das kindliche Herz für ein ganzes Leben gebrochen werden! 12) Ich habe gründliche Kenntnisse von einer