Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 34 (18.8.1851)
- Date
- 1851-08-18
- Page
- Seite 403 (sequence 7)
- Language
- German
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403 tandes zu erziehen gedenket, so wenig könnet ihr als Juden umhin, ihm den weltgeschichtlichen Beruf und Standpunkt des Judenthums vorzuführen, ja gerade hier findet ihr den reichsten Anlaß, seinen Weltbürgersinn zu wecken, denn Judenthum nährt dieses Weltbürgerthum, umfaßt es, lehrt es, begründet es und arbeitet so der Einseitigkeit des Kantönligeistes entgegen ohne die wahre Vaterlandsliebe zu unterdrücken, wenn überhaupt irgend Etwas im Stande ist, diese von der Natur in's menschliche Herz gepflanzte Liebe zu vertilgen. — So muffen wir also danach streben, das Judenthum zum Hebel der edelsten Gefühle in der kindlichen Seele zu machen, es allein ist im Stande die Waffe gegen die Anfeindungen der Außenwelt, gegen populäre und staatliche Zurücksetzung zu reichen, Befriedigung mit der Stellung, die wir nun einmal haben, zu geben, den Juden mit sich selbst und mit seinen jüdischen und christlichen Brüdern zu versöhnen, Frieden und Harmonie in der Seele des Kindes und des nachherigen Mannes zu beleben. Es ist von selbst einleuchtend, daß in dieser Hinsicht eine Stufenfolge nach den wachsenden intellektuellen Kräften des Kindes stattfinden muß, eine Stufenfolge von der ersten Mahnung aus dem Munde des geliebten Vaters oder noch besser der Mutter bis zur vollständigen Lehre, wie sie nur der Jüngling aufzufassen fähig ist. Wir werden über die Mittel, die uns hier zu Gebote stehen, weiterhin sprechen. Zugleich mit den ersten Anfängen des Bewußtseins als Jude muß der Hauptinhalt der Religion selbst dem Kinde eröffnet werden, dieser Hauptinhalt ist der Gottesglaube. Es ist ein großer Jrrthum, besonders durch Mendelssohn angeregt und durch die späteren Rationalisten bis auf den heutigen Tag, genährt, daß das Judenthum Nichts vom Glauben wissen will und seinen Inhalt btos dem Verstände und dessen Kritik anheim giebt. Diese Ansicht hat zur zerfressenden Kritik, zum totalen Unglauben geführt, wenigstens hat sie den Jndifferentksmus der Neuzeit begünstigt, die Religion, sie zur reinen Verstandesfache machend, alles belebenden Einflusses beraubt und sie ihrer Heimath, dem Gemüthsleben, entzogen. Nicht wahrlich ist es unsere Absicht, bloße Gefühlsmenschen zu bilden, die in einer imaginären Welt Lebend, tausend Schwankungen ausgesetzt, oft nur zu spat die Dissonanz zwischen der kalten Wirklichkeit und den warmen Gefühlen ihres Herzens mit Schrecken und nach unendlichen Täuschungen gewahr werden und sich dann, als träge Arbeiter im Reiche Gottes, wie die Schnecke Ln ihr Gehäuse zurückziehen, aber wir wollen der Religion ihren heimathlichen Boden in der geistigen Welt des Menschen vindiziren, sie eben nicht zur transzendentalen Träumerei machen, sondern zu dem was sie ist, dem aus der Liebe entquellenden Gottesglauben. Das ist sie auch dem Judenthum. Ueberall stellt dies die Religion nicht als etwas aus dem Verstände Entspringendes, sondern als etwas durch die Gnade Gottes dem Menschengeschlechts Jnspirirtes dar, und schon bei Abraham finden wir den Ausspruch: er glaubte an dem Herrn und das wurde ihm als Tugend angerechnet. Auch die Israeliten „glaubten an dem Ewigen und seinem Diener Mosche". So ist das ■jük das von der heil. Schrift überall getragene Wort. Ja, seid doch nur aufmerksam auf euer eignes Leben, — tu besten Gedanken, bk heilsamsten, auf euer Schicksal einflußreichsten Entschlüsse, sie kommen wahrlich nicht nach mühsamem Gedankengespknnst, nicht nach dem Begriffskalkül, sie kommen euch — wie vom Himmel gesendet, oft blitzesschnell, wie inspirirt, nein nicht wie inspirirt, wirklich von dem höhern Geiste, der in euch und mit euch lebt und dem ihr nur ekneStatte in euch zu bereiten habt, durch Inspiration. Wir versuchen weiter in diesen Gegenstand einzugehen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hamburg, 1. August. Vorgestern fand die erste Bcrloosung von 12 Freiwohnungen der „Stiftung zum Andenken an die bürgerliche Gleichstellung der Israeliten" (??) an 6 jüdische und 6 christliche Familien statt. Die erloosten Familien fassen 29 Juden und 26 Christen. Berlin, im August. (Privatmitth.) So ist denn der erste Schritt gegen die von der Verfassung verbürgte Gleichstellung derJuden geschehen — ihre Nichtwählbarkeit zu den Kreis- und Provinziallandtagcn ist aufrecht erhalten. Wir haben es hier mit den Letzteren an sich nicht zu thun, mit ihrer Berechtigung oder Nichtberechtigung. Wie froh sind wir, uns mit solchen sterilen, nutzlosen Fragen nicht abzugeben zu brauchen. Aber die Verfassung sagt sonnenklar: die Ausübung der bürgerlichen Rechte