Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 33 (11.8.1851)
- Date
- 1851-08-11
- Page
- Seite 393 (sequence 9)
- Language
- German
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393 An demselben Abend fand auch ein Meeting zu Greenwich statt, woselbst die Wähler Salomons' eine Petition beschloffcn, des Inhalts^ daß die Wähler von Greenwich mit Erstaunen vernommen hätten, daß ihr unbezweifeltes konstitutionelles Recht, einen Repräsentanten zu wählen, bestritten werde. Am 25sten wurde nun die Verhandlung im Unterhause über den Antrag Lord John Rüssels wieder ausgenommen, aber auf Montag ausgesetzt. Sir Benjamin Hall übergab die Petition der Wähler von Greenwich und wird Montag das Amendement stellen, diese zur Motivirung derselben vor die Schranken des Hauses zu rufen. Ebenso wurde die Petition der Citywähler vorgelegt, Beider Druck beschlossen, und die Verhandlung auf den 28sten festgestellt. —. Nach dem eben erschienenen Buche „London and its Vicinity“ kann zwar die Anzahl der Juden in England statistisch nicht festgestellt werden, es ist aber berechnet, daß sie mit Einschluß der Fremden, die sich mit jedem Jahre vermehren, auf ungefähr 35,000, wovon 18,000 in London, sich belauft. Von Letzteren sollen 12,000 in der City wohnen. London, 29. Juli. So wurde denn für das Parlament in der diesjährigen Session gestern Abend in unserer Angelegenheit die letzte Szene aufgeführt. Die Petitionäre von Greenwich wurden mit 135 gegen 75, die der City mit 77 gegen 41, Anstey's Amendement, daß das Parlament sich verpflichte, die Eidessache das nächste Mal zu Ende zu führen, mit 88 gegen 50 Stimmen verworfen, und endlich Lord John Russel's Antrag auf Nichtberechtigung Solomons' so lange er den Abjurationseid nicht geschworen, mit 123 gegen 68 Stimmen angenommen. — Uebrigens zeigte Veron Smith an, daß er in der nächsten Session eine Bill zur Abschaffung aller Parlamentseide mit Ausnahme des Unterthaneneides einbringen werde. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Pädagogische Aphorismen. Von E. Wolffberg. (Fortsetzung aus No. 25.) 4) Alle Menschen sind verschieden in ihrem individuellen Sittlichkeitsgesühl, Jeder aber formt sich seine Denkweise, ja seinen Charakter, nach den besonderen Verhältnissen, unter welchen er als Kind gelebt, nach den äußeren Umständen, die auf ihn eingewirkt haben, da er noch Gefühlsmensch war. Gar häufig bestimmt daher die Schule zum großen Theit — Lehrer und Mitschüler nämlich — den sittlichen Werth eines Menschen. Die Liebe, die Nachsicht und Geduld, in welcher der Mensch erzogen und unterrichtet wurde, die Ordnung in der Schule, die Unparteilichkeit, womit der gewissenhafte Lehrer den Fleiß und das Wohlverhalten der Schüler lobt und die Trägheit tadelt oder straft: das Alles begründet den Charakter eines Kindes. 5) Es ist ein Grundsatz in der Pädagogik, allen Unterricht und alle Erziehung so zu formen, wie es dem Kinde wol Freude machen könne. Jede Einförmigkeit des kindlichen Lebens, wenn es nicht häufige Abwechselungen erfährt, ermüdet und wird überdrüssig; die Schule besonders bedarf gewisser Freuden- oder Erholungstage, damit die Sehnsucht nach den häuslichen Freuden im Herzen der Kinder nicht allzu lebhaft werde und sie dann unfähig mache zur vollen Theilnahme am Unterrichte. Darum verbindet man das Schulleben mit manchen Annehmlichkeiten außerhalb der Schule, und bildet dadurch zugleich den Trieb zur Geselligkeit. Darum sucht man die Lust an den Arbeiten zu erhalten durch die Einführung zeitweiliger feierlicher Schultage, durch Prüfungen, durch Schulzeugnisse, oft auch durch Deklamations¬ und musikalische Uebungen. 6) Dem Schüler oft und klar sein Ziel und die Absicht alles Strebens vorzuhalten, ist ein gutes Mittel zu schnelleren Fortschritten, weil das Streben selbst dadurch ein eifrigeres wird. Nur kommt es darauf an, daß der Lehrer je nach der Gemüthlichkeit des Kindes die Art solcher Aufmunterung auch richtig zu treffen wisse. — Die Freude über eine besiegte Schwierigkeit und erlangte Kraft ist dann dem Schüler ein Sporn zu neuem Eifer, wie sie andererseits des Lehrers Muth belebt, und ihm Erquickung und Ersatz gewahrt für anderes Leid. 7) Wenn dem Lehrer neben den geistigen Fähigkeiten, die das Lehramt erfordert, auch noch beständiger Frohsinn und heitere Laune von der Natur gegeben sind: so könnte man von ihm sagen, daß er zu seinem Berufe geboren sei; denn er besitzt Eigenschaften, die bei der Kinderwelt oft in höherem Ansehen stehen und für den Unterricht selbst von wirksameren Folgen sind, als gebieterisches Wesen und unzeitige Strenge. Ueberhaupt kann ich da auf Liebe und Hingebung keinen Anspruch machen, 33*