Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 33 (11.8.1851)
- Date
- 1851-08-11
- Page
- Seite 392 (sequence 8)
- Language
- German
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392 eines Rabbiners zu umgehen, einen Solchen gar nicht anstellen wollen, so fürchte er, der Redner, es werde kein Jüngling von Gesinnung und Talent einem Stande sich widmen wollen, der nebst dem Dornenpfad, den er darbietet, auch noch die unerfreuliche Aussicht eröffne, jeden Augenblick wie ein Dienstbote entlassen werden zu können. Jemehr die Klage ertönt, daß die Mängel im Kultus von dem Mangel an tüchtigen Rabbinern herrühre, desto mehr sollte die Versammlung sich zur Aufgabe machen, diesem Mangel für die Zukunft möglichst abzuhelfen. Daß die Stellung des Rabbiners fortan eine möglichst unabhängige sein soll, darüber waren Alle einig. Das aber heiße keineswegs, die Stellung des Rabbiners unabhängig machen, wenn man dessen Schicksal der Laune und Willkür der Gemeinde preisgicbt. Selbst in der vormarzlichen Zeit, wo cs jeder Gemeinde freistand, einen Rabbiner anzustellen oder nicht, habe dennoch der Usus geherrscht, den einmal angestellten Rabbiner nicht willkürlich zu entlassen. Um so weniger sollte man jetzt an diesem Usus rütteln. Der Redner hofft übrigens, daß die hohe Regierung darauf nicht cingehen werde, sonst müßte jede Hoffnung schwinden, den so tief gesunkenen Rabbincrstand jemals wieder zu erheben. Der Redner erklärt sich schließlich für das Wehli- Landau'sche Amendement. §. 82 wird in dieser Fassung angenommen. Die Sitzung wird aufgehoben. Großbritanien. London, 28. Juli. Unsere Angelegenheit nimmt immer noch den Vordergrund ein, und hat wieder einige Schritte weiter gethan, worüber wir berichten müssen. In der Unterhaussitzung vom 23. wurde die vertagte Debatte über die Zulassung des Aldcrman Solomons wieder ausgenommen. Lord John Ruffel stellte den Antrag, dasselbe wie voriges Jahr bei Rothschild zu beschließen, daß Solomons nicht berechtigt sei, seinen Sitz im Unterhause einzunehmen, bevor er nicht den Eid vollständig geleistet. Bethell dagegen trug darauf an, die Berechtigung auszusprechen. Letztere wurde mit 71 gegen 118 verworfen und dann die Debatte vertagt. Am 24. fand ein großes Meeting der Citywähler in der Londontavern statt, welche Baron Rothschild zusammenberufen, um die Schritte zu berathen, die man auf die Verwerfung der Zulassungsbill durch das Oberhaus zu nehmen habe^ Beim Eintritt Rothschilds in den Saal wurde er mit donnernden Ehecrs begrüßt; ein Gleiches fand statt, als bald darauf Salomons erschien. Von Parlamentsmitgliedern waren Lord D. Stuart, Rakes Currie, Aid. Humphrey und viele Andere, so wie eine große Anzahl Kaufleute und anderer einflußreicher Bewohner der City anwesend. Er habe es für seine Pflicht gehalten, sagte Rothschild, dieses Meeting zu veranstalten, nachdem die fünf Mal hinter einander vom Unterhause genehmigte Bill zum fünften Male vom Oberhause verworfen worden. Er habe sich erboten, den Eid in der Weise zu leisten, die er seinem Gewissen nach für verbindlich halte; da ihm dies jedoch abgeschlagen worden, so wünsche er zu erfahren, wie er handeln müsse, um die Wünsche seiner Wähler zu erfüllen. Er sei bereit ihnen das Mandat zurückzugcben, welches sie ihm zweimal fast einstimmig ertheilt hätten. (Nein! nein! und laute Cheers!) Das Meeting beschloß nach weiterer Debatte: 1) das Ministerium aufzufordern, eine Bill zur gänzlichen Abschaffung des Abjurationscidcs als eine Kabinetsfrage in's Oberhaus zu bringen; 2) den Baron Rothschild zu ersuchen, den ihm in zwei Wahlen zuerkannten Parlamentssitz für die Stadt London beizubehalten. Ein Antrag, Rothschild solle dem Beispiele Salomons' folgen, wurde abgelehnt, da Rothschild schon einmal ebenso verfahren. Hierbei berichtete Salomons, daß heute bereits von zwei verschiedenen Seiten eine Anklage wegen unberufenen Tagens im Untcrhause gegen ihn erhoben worden, worauf eine Strafe von 500 Pf. St. stehe; er sei jedoch entschlossen, auf dem Wege vorzuschreiten, den Hampden, Sydney und Ruffel vor ihm betreten hätten. 3) wurde eine Petition an das Unterhaus beschlossen, mit der Bitte, eine Bill zur Abschaffung des Abjurationseides von den Ministern zu verlangen, und ihnen widrigenfalls das Vertrauen des Hauses zu entziehen. 4) Ein von Anstey vorgeschlagener Zusatz, durch welchen das Haus gebeten werde, die jüdischen Mitglieder einstweilen bis zum Erlaß eines solchen Gesetzes durch eine einfache Resolution zuzulassen, wurde zwar von Rothschild als nutzlos oder gar schädlich bestritten, aber nach einigen Bedenken von der Mehrheit der Versammlung genehmigt.