Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 32 (4.8.1851)
- Date
- 1851-08-04
- Page
- Seite 381 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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381 in seiner Form und seinem Gehalte gediegen ist, nur willkommen genannt werden. Es bildet sich auf diese Weise nicht nur ein reiches Material für die Zukunft, sondern es wird auch für die Gegenwart dem Individuum die Wahl erleichtert, aus dem Gegebenen das herauszusuchcn, was seiner Bildung und seiner Stimmung entspricht. So schwierig die Aufgabe für den Einzelnen ist, so hat doch der Vers, ein recht brauchbares Werk geliefert, in welchem sich überall die reinste Religiosität ausspricht und eine klare, populäre, gewählte Sprache vorherrscht. Jedem Wochenabschnitt der Tora sind zwei Betrachtungen gewidmet. Nur sind diese oft zu aphoristisch und kurz, wir hatten nicht allein eine ausführlichere Behandlung deS Inhaltes jedes Abschnittes gewünscht, weil die zu kurzen Betrachtungen ohne bleibenden Eindruck sind und den reichen Inhalt des heiligen Wortes zu oberflächlich behandeln, sondern auch, daß der Zusammenhang dieses Inhalts, die Offenbarungsgeschichte, mehr hervorgehoben würde, um überall das jüdische Bewußtsein zu heben, was gerade der Jetztzeit am Meisten Noch thut, und den Werth des Bibclwerks objektiv darzustellcn. Denselben Tadel müffen wir auch über die Betrachtungen für die Festtage aussprechcn, dagegen ist die Seelenfeiec (rivivr rvDTft nnv) S. 166 sehr ansprechend und sehr erbaulich gehalten, während die Konfirmation S. 263 sich gerade durch ihre einfache Kürze sehr empfiehlt. Das Rituale für die Trauung möchten wir nicht empfehlen; es ist ein buntes Gemisch von Altem und Neuem: Vorgebete, Predigt (für Baden sogar Miltheilungen der betreffenden Stellen aus dem badischen Landrecht!), Fragen an Braut und Bräutigam (zwar nicht jüdisch, aber dennoch wäre die Einführung wünschenswerth, da ja auch früher etwas Analoges bei dem sogenannten Mantelgriff stattfand), die “pöTiK N2-Q, Erklärung über den Trauring von Seiten des Rabbiners, die fast daffelbe wieder enthält, was schon bei den Fragen angegeben wurde, Anstecken des Rings von Seiten des Bräutigams, Lesen der wo es gewünscht wird, nun die folgenden Segcnssprüche mit einer Erklärung der Bedeutung des Weines und des Glases, Proklamation der Ehe, Schlußgebct. Das ist, nach unserer Ansicht, ein viel zu weitschweifiges und ermüdendes Rituale. Die Gebete bei Leichenbegängnissen u. s. f. sind wiederum gelungen. Der zweite Theil ist im Verhältnis zum ersten viel zu kurz, gerade für die häusliche Andacht muß ein sehr reiches Material geschafft werden, den» vom Hause aus muß jetzt wieder das Bedürfniß zur religiösen Andacht kommen. Jndeß klagt der Verf. selbst über den beschränkten Umfang, indem er durch die vom Verleger bestimmte Anzahl Druckbogen gebunden war. — Wir können das Werk allen denen empfehlen, welchen die religiöse Reform und Erbauung Israels am Herzen liegt; möge «S zur Nacheiferung wecken. Theoretisch-praktisches Lehrbuch der hebräischen Sprache für Schul- und Privatunterricht. Von E. Bondi, öffentl. Lehrer an der rc. israel. Lehr- und Erziehungsanstalt zu Schwarskosteletz in Böhmen. Theoretischer Theil. Zweite verbesserte und bedeutend vermehrte Auflage. Prag, 1850. Verlag des Wolf Pascheles. (Leipzig in Kommission bei Fritsche.) 8. 92 S. Praktischer Theil ibid. 192 S. Wir halten, wie wir an einer andern Stelle darthun werden, den Unterricht in der hebräischen Sprache, methodisch durchgeführt und nicht andere Unterrichtsgegenstände verdrängend, noch immer für einen wesentlichen Theil der israelitisch-religiösen Bildung, für ein nothwendiges Vehikel zur wahren Kenntniß der heiligen Schrift und zur geistdurchdringenden Aufnahme ihrer Lehren, also zum Religionsunterricht. Ein Werk, welches faßlich und konzinn die Lehren der Grammatik vorträgt, die Formen dem Gedächtniß leicht einpragt und durch praktische Uebungen erleichtert, kann daher nur sehr willkommen sein. Die Brauchbarkeit des Werkes bekunden nicht allein die Zeugnisse bewährter Kenner, wie eines Wessely, Fürst u. A., sondern sie wird auch durch die Nothwendigkeit dieser zweiten Auflage bestätigt, die mit Recht eine verbesserte und vermehrte genannt werden kann. So wie die Ausscheidung des Mischkal-Systems, — dieser Klippe, an der die Anstrengung so manches Lehrers, die Lernlust und Geduld so manches Lehrlings scheitert, — ferner die so weit als thunliche Anschließung an die deutsche Grammatik, die Abkürzung des orthographischen TheilS, endlich die Verbindung der Theorie mit der Praxis, der Regel mit der Einübung und Anwendung, die leitenden Ideen bei der Abfassung der ersten Auflage waren; ebenso hat der Verf. bei der Ueberarbeitung angestrebt: die allgemeinen Grundregeln, die die Basis des ganzen Sprachgebäudes bilden, zu ergänzen, die beim Hauptworte aufgestellte Methode prägnanter darzustellen, die Zektenbildung beim Verbum zu systematisiren, und endlich eine genauere Verschmelzung der Theorie mit der Praxis, durch Hinzufügung größerer, etwas freier zu übersetzender UebungS- 32*