Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 32 (4.8.1851)
- Date
- 1851-08-04
- Page
- Seite 379 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3225714-3225747--11885-3242022- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
379 sogleich zu entseknen. Trotzdem und dem „Fort, fort!" der Konservativen bleibt Salomons auf seinem Platze. Zweimal erhebt sich Lord John Ruffel, kann aber im Tumulte nicht zu Worten kommen. Der Sprecher bemerkt endlich, daß sein« Vorschrift nur durch einen Beschluß des Hauses ausgeführt werden könne. Lord John Ruffel tragt nun darauf an, daß Alderman Salomons aus dem Hause sich entferne. Sir Robert Jnglis unterstützt (unglaubliche Erscheinung!) den Antrag Lord John Ruffels. Ein Antrag Anftey's aus eine Untersuchung des Rechtspunktes und Vertagung der Debatte wird mit 257 gegen 65 abgelehnt. Ein Antrag Osborne's, daß Salomons berechtigt sei, seinen Sitz einzunehinen, fällt ebenfalls mit 227 gegen 81. Herr Salomons sagte, daß er durchaus nicht beabsichtig«, es an der dem Hause gebührenden Achtung fehlen zu lassen, da er aber von einem zahlreichen Wahlkörper zum Vertreter desselben ernannt worden, so halte er es für seine Pflicht, die Rechte seiner Kommittenten und die seinigen bis auf's Acußerste zu vertheidigrn. Welche Entscheidung das Haus auch treffen möge, er werde sich dabei beruhigen, wenn man ihm nur zeigte, daß man nöthigensalls Gewalt gegen ihn anwenden werde. Bei dem zweifelhaften Zustande des Gesetzes hoffe er jedoch, daß man keinen endgiltigen Beschluß fassen werde, ohne ihm das zu gewähren, was das britische Gesetz dem niedrigsten Verbrecher nicht verweigere, das Recht gehört zu werden, ehe er verurtheilt werde. (Bravo.) Ruffels Antrag wird hierauf mit 231 gegen 81 Stimmen angenommen; als nun auf die abermalige Aufforderung des Sprechers Salomons sitzen bleibt, tritt der Serjeant at arms auf einen Wink des Sprechers vor, schreitet unter athemlosem Schweigen des Hauses auf Salomons zu und legt ihm die Hand leise auf die Schulter. Salomon steht sogleich auf, verbeugt sich gegen den Sprecher, und verläßt endlich, vom Serjeant at arms begleitet, den Saal. — . Die Blätter loben die Rede Salomons, der so merkwürdiger Weise diesen Abend doch als Mitglied fungirte und an einer Abstimmung sogar Theil nahm, als ebenso fest und gemessen, wie durchaus nicht zudringlich. China. Wir thcilen noch Folgendes mit: Vom 10. Dezember. Heute um acht Uhr Morgens gingen wir zum jüdischen Tempel. Vor der Thür am Haupteingang standen zwei Löwen auf Piedestalen mit einigen Worten, die den Namen des Tempels bezeichneten, „Ts'hing-ching-sze" (der Tempel der Wahrheit und Reinheit). Er war wie ein Pavillon. An beiden Seiten desselben befanden sich zwei enge Thore für das Volk, um nach Belieben oder zur Zeit des Gottesdienstes ein- und auszugehen. Ueber den zweiten Eingang war geschrieben „King-wei-haont'heen" (ehrwürdiger Himmel). Auf der obern Seite der Vorderthür stand „Fup" (Glückseligkeit) geschrieben, darunter „Woo-muh-ting-chung" (Einsicht durchdringt die Dunkelheit des Himmels). An zwei Seiten standen leere Häuser, einige waren abgebrochen, an der dritten Seite war geschrieben „King-jo-haout'heen" (ehrwürdig wie der Himmel). Darunter am Boden standen steinerne Blumentöpfe und Dreifüße. Wir fanden die Vorderthür verschüttet, versuchten sie zu öffnen, vermochten es aber nicht. Unterdessen kamen Männer und Weiber und fragten uns, weshalb wir so weit herkämen? Wir sagten ihnen, um alle verwüsteten und zerstörten Orte zu untersuchen und wieder aufzubauen. Darauf zeigten sie uns die Briese ihres Priesters halb in chinesischer, halb in hebräischer Sprache, auch erzählten sie uns, daß sie beinahe Alle durch Hungersnoth umgekommen wären, seit dieser Tempel durch das Volk vernachlässigt sei. Sie haben jetzt sieben Vorsteher, Chau Kaou, Le, Shih, Chang und E., sämmtlich Gelehrte. Nachdem sie sich mit diesen besprochen hatten, öffneten sie die Thür und wir traten ein. Das Innere des Tempels ist folgendermaßen: Hinter der Thür steht eine Bank, dahinter ein hölzerner Leuchter, ein Tisch mit zwei Leuchtern und einem Geschirr zum Räucherwerk, darauf das Pult, hinter diesem ein zweiter Tisch mit Geschirr, dann die Wan-suy-pae oder Kaisertafel; auf der Wan-suy-pae stand: „Ta-ts'hin-wan say wan wan suy", möge der Kaiser der großen Pure Dynastie zehntausend, zehntausend Jahre leben, ganz oben in hebräischen Lettern: nm 'n wiribN 'n btn»1’ ü nrn d’ju’b imabu rnaa ö» ffina Dahinter die Ta-ming-wan-suy oder die Tafel der Ming-Dynastie, davor ein kleiner Tisch mit zwei Leuchtern und Rauchgeschirr; an der Ta-ming-wan-suy war Etwas in hebräischer Sprache geschrieben, doch war der Tempel so dunkel, daß man es kaum sehen konnte;