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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-08-04 · Heft 32 (4.8.1851) · p. Seite 378

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 32 (4.8.1851)
Date
1851-08-04
Page
Seite 378 (sequence 6)
Language
German
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378 wich seinen Sitz einnehmen. Der Sprecher nahm ihm den Eid ab, aber als er an die verhängnißvollen Worte „auf den aufrichtigen Glauben eines Christen" gelangte, weigerte Solomons dieselben nachzusprechen. Alsbald verwies ihn - der Sprecher aus dem Hause. Salomons wollte einen Protest verlesen, allein die Opposition, d. h. die Konservativen bedeckten seine Stimme mit tobendem Rufe „zur Ordnung!" Nun entspann sich die Diskussion. Der Eine trug aus Bestrafung des Alderman Salomons an (!), der Andre, den Sitz für Greenwich für erledigt zu erklären. Alles frug: was wird die Regierung sagen und thun? Aber die Regierung war gar nicht da, wenigstens Lord John Ruffel, der Premierminister, nicht. Nach vielem Hin- und Hcrgerede bat denn ein Minister, die Sache auf Montag zu verschieben, und diese Bitte wurde erhört. So weit ist die Geschichte ganz so wie im vorigen Jahre mit Rothschild. Aber Herr Salomons hat gesagt, er würde mehr thun als Rothschild. Wir wollen sehen, wie er sein Wort löst. Wie erbärmlich diese ganze Szene, wie erniedrigend für ein Land wie England, läßt sich wol kaum genugsam bezeichnen. Das Volk wählt einen Vertreter nach dem ganzen Umfang der gesetzlichen Vorschriften, und doch — wird er zurückgewiesen. Das Gesetz verbietet nicht, ihn zu wählen, wol aber dem Gewählten sein Recht auszuüben. Und warum? weniger Worte wegen, die den, welcher sie ausspricht, durchaus noch nicht als das bezeichnen, was sie voraussetzen. Welche Widersprüche, welch' ein Hängen am Buchstaben, wie verdorrt ist da das Leben, wie versiegt der ewig frisch sprudelnde Quell des Lebens! Die Times rufen den Juden zu, nur nicht die Geduld, die Ausdauer zu verlieren—nein! das werden wir nicht; vielmehr ist es jetzt ein Interesse aller europäischen Juden, dahin zu wirken, daß im schönen Albion dieser letzte Rest des Mittelalters verschwinde! Wer nur Intelligenz und allgemeines Interesse unter den Juden Europa's besitzt, muß hierauf seine Aufmerksamkeit richten. London, 22. Juli. Unsere Angelegenheit tritt noch immer in der Presse und im Parlament als die Frage des Tages auf. Baron Rothschild hat auf den 24. seine Wähler (City) zusammenberufen, um ihnen die Frage vorzulegen, was c: zu thun habe, nachdem das Unterhaus die Zulaffungsbill fünfmal votirt, das Oberhaus fünfmal verworfen hat. — Alderman Salomons erschien in der gestrigen Sitzung des Unterhauses von Neuem, und obgleich das Haus mit 150 Stimmen Mehrheit entschied, daß er den Saal zu verlassen habe, so that er es dennoch nicht, bis der Sprecher befahl, ihn hinauszuführen. Was er hiermit beabsichtigt, da das Resultat mit Sicherheit vor- - auszusehen war, müssen wir abwarten, da wir sonst > wenig Würde darin erblickten. — In der Presse tau-! chen mancherlei Rathschläge auf, die aber Alle Nichts! taugen. Der Eine räth den Eid nur zu leisten, da j die Formel nicht laute: auf meineni Glauben als ' Christ. Kein redlicher Mann wird sich auf so Etwas : einlaffen. Der Andere räth, den katholischen Parla- I mentseid zu leisten, da in demselben nichts Konfessionelles vorkomme; aber das wird das Haus nicht zulassen, da diese Formel eben nur für Katholiken be- * stimmt ist. London, 22. Juli. Die letzte Szene im Unterhaus« ist doch zu originell, als daß wir sie nicht ausführlicher mittheilen sollten. Höchst unbehaglich ist dabei das Benehmen Lord John Ruffels, der vor einem Jahre, als dasselbe mit Rothschild spielte, versprochen hat, die Sache in dieser Session energisch anzugreifen. Das Gerücht geht, daß Alderman Salomons sich von einem befreundeten Parlamentsmitglied« wegen seines hartnäckigen Verbleibens im Hause verklagen lassen will, um die Sache, was er von vorn herein beabsichtigte, vor die Gerichte zu bringen. Nachdem der Sprecher ein Schreiben des Alderman verlesen hatte, in welchem er einen Jrrthum im Protokoll der letzten Sitzung berichtigt, wiederholte Sir Benjamin Hall seine Frage: ob die Minister gedächten, Salomons gerichtlich zu verfolgen? Lord John Ruffel verneinte dies. Hierauf verkündete Sir B. Hall, daß dann Salomons zur Wahrung seines Rechts nichts Anderes übrig bleibe, als noch einmal im Hause zu erscheinen. Wahrend dieser Worte trat Salomons in den Saal und setzte sich auf die vorderste Bank auf der ministeriellen Seite zwischen Herrn Anstey und H. Wall. Laute Cheers erschollen von den liberalen, noch lautere Ordnungsrufe von der konservativen Seite. Sir Robert JngliS erhob sich, konnte aber nicht zu Worten kommen; bis der Sprecher sagte: ich sehe ein Mitglied im Hause, das den gesetzlichen Eid nicht geleistet, ich fordere ihn abermals auf, sich

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