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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-08-04 · Heft 32 (4.8.1851) · p. Seite 377

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 32 (4.8.1851)
Date
1851-08-04
Page
Seite 377 (sequence 5)
Language
German
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377 würdigt, so wie auch von Seiten des Ministeriums alle Schritte zur Unterdrückung des Chassidismus unternommen werden. Gegen den Rabbi in Belzec, das jetzige Haupt der Chassidim, sind mehrere Klagen aus Ungarn eingelaufen, daß er das Volk durch Aberglauben und Obskurantismus verdumme. Er soll unter polizeiliche Aufsicht gestellt werden. Ferner: Ein Plan zur Organisirung der Rabbinate in Galizien ist unlängst von der hiesigen Landesstelle an das Ministerium abgesandt worden. Nach diesen Vorschlägen soll es in Galizien vier Landrabbinate geben, die in Lemberg, Stanislau, Krakau und Cernowitz ihren Sitz haben, und außerdem 34 Bezirksrabbinate, wobei es ausdrücklich heißt: „der Sitz der Bezirkshauptmannschaft soll auch der Sitz des Bezirksrabbinats sein." Die hiesigen Juden gedenken gegen letztere Bestimmung Berufung einzulegen, Falls der ganze Plan die Genehmigung des Ministeriums finden sollte. Lemberg, 27. Juli. Vor Kurzem eröffnete ein wiener Fabrikant hier eine Tuchhandlung, und mußte sie bald darauf auf Anlaß der Behörde schließen, weil — sein Kommis ein Jude ist. (C. Bl. aus B.) Großbritanien. London, 20. Juli. (Privatmitth.) Unsere Glaubensgenossenschaft hat in den letzten Tagen die Aufmerksamkeit des Publikums sehr viel auf sich gezogen. Am 18. Juli kam die Zulassungsbill der Juden in's Parlament, oder die Eidesformelveränderung für die Juden im Oberhause zur Debatte, und nach einer langweiligen Debatte, die natürlich nichts Neues zu Tage brachte, wurde dieselbe abermals und zwar mit 144 gegen 108 Stimmen — was allerdings diesmal eine schwächere Mehrheit (36) als früher ist — verworfen. Daß wir davon nicht überrascht werden konnten, haben diese Blätter schon früher angedeutet, es war vorauszusehen. Es ist dies, wenn ich nicht irre, diese Geschichte zum sechsten Male, und würde das Dutzend vollgemacht werden, so würde sie immer so abgeleiert werden. Die meisten Blätter sprechen sich sehr entrüstet aus; sie hatten geglaubt, die Wahl in Greenwich würde einigen Eindruck machen auf die Herren Peers. Aber diese meinen einmal den Beruf zu haben, jeder Neuerung ihr Nein! entgegenzustellen, und so wollten sie es diesmal auch nicht anders. Nicht allein das radikale Daily News, sondern auch die konservativen Times donnern gegen das Oberhaus, als wollen sie es lebendig verschlingen — aber was hilft dies? England hat jetzt eine schwache, schwankende Regierung; die Hand, welche das Steuerruder des Staates lenkt, ist eine kleine, glatte, schlüpfrige, die bald dahin, bald dorthin lavirt, ohne selbst ein klares Ziel vor Augen zu haben; auf diese Weise hat Lord John Rüssel gerade unsre Frage immer behandelt, ohne Nachdruck, ohne Energie, mit Worten, aber ohne Willen. Die Frage ist freilich nicht so bedeutend, daß sie irgend wie den Staat in seinen innersten Fugen erschüttere, aber das Ministerium hat durch seine laue Behandlung derselben an Ansehen sehr verloren, und das ist doch mittelbar eine Erschütterung des Staates. So gehört denn noch jetzt England zu den Nichtemanzipationslandern, zu den Ländern, wo zwischen Bürger und Bürger nach dem Glauben rin Unterschied gemacht wird. Es steht hier mit Schweden in einer Linie, worauf Rußland folgt. Ebenso läßt sich die Scheidungslinie durch die Pyrenäen, oberhalb des Kirchenstaats und Neapels ziehen, bis sie über der Türkei und den Donaufürstenthümern wieder zu Rußland zurückkchrt. Innerhalb jenes Kreises der Emanzipationsländer sind nun freilich mehrere deutsche Länder, die wieder auszuschließen sind, welche, weiß ich wirklich jetzt nicht, da die Sache sehr verworren ist, Baiern und Mecklenburg gewiß, Hannover auch, da sie dort keine Staatsanstellung bekommen sollen, u. s. w. Man sieht also, wie klein in der alten Welt noch immer das Gesammtgebiet der Emanzipationsländer ist, und ist froh, in der neuen Welt nur — freilich! was für ein nur — die früheren spanischen und portugiesischen Länder Mexiko, Brasilien rc. ausnehmen zu dürfen. Welcher Weg nun einzuschlagen ist einfach: Lord John Rüssel hat für die nächste Parlamentssitzung den Entwurf zu Reformvorschlägen für das Wahlrecht und Parlamentswesen versprochen. Wir wollen sehen, ob er in denselben auch diese Frage aufnimmt; und dann kömmt es darauf an, wie lange die Herren Peers ihren Widerstand gegen die Reformen aufrecht erhallen werden. An dieses Schauspiel vom 18. reihte sich nun am! 19. eine andere. Herr Alderman Salomons erschien! im Unterhause und wollte als Erwählter von Green-

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