Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 31 (28.7.1851)
- Date
- 1851-07-28
- Page
- Seite 370 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225714-3225746--11875-3242011- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
370 „Ich schätze mich glücklich, Mylord, wenn auch in geringem Maße an dem Werke dieses Tages Thcil nehmen zu können, weil es meine Schuldigkeit gewesen ist, an einer andern Stelle eine Rolle zu spielen, die von Einigen als Feindseligkeit gegen das große Volk ausgelegt werden kann, dessen Sache uns zusammenführt. Aber, Mylord, es ist nicht ein und dasselbe, den Sünder zu lieben und die Sünde zu hassen. Es verträgt sich recht wohl mit einander, falsche Grundsätze zu hassen, und Mitleid mit denen zu fühlen, bei denen leider! derartige Grundsätze sich finden." Mr. Plumptre's Benehmen „an einer andern Stelle" wird nicht nur „von Einigen als Feindseligkeit gegen das große Volk ausgelegt", sondern von sehr vielen vernünftigen Männern. Es ist Nichts als Feindseligkeit, die aus Bigotterie, Finsterniß und Blendwerk entspringt. Lord Ashley, Sir Robert Jnglis, Plumptre, Newdegate und ihre Klique wollen Juden bekehren. Dank der britischen Konstitution geht das nicht mit Gewalt, aber, sagen diese „frommen Leute", wir wollen bei allen Anlässen uns jeder Maßregel widersetzen, euch Juden als Solche zu Ansehen zu bringen, bis ihr euch Alle bekehrt habt. Ihre „Liebe zu den Juden" ist ein Spott, ein Fallstrick, ein Betrug. Diese Bigotten Haffen den Juden wie sie den Dissenter, den Katholiken, kurz Jeden Haffen, der nicht genau dieselben religiösen Ansichten wie sie hat. Sie haben sich eng verbunden, durch alle Trugmittel in der Welt sich dem Wegräumen der letzten Schranke, der letzten Spur des Mittelalters zu widersetzen — und das allein erklärt ihre bittere Feindschaft gegen die Juden im Parlamente. Es ist merkwürdig, daß alle diese Leute so viel Zucker im Munde in Ereter Hall und so viel Gift auf der Zunge zu St. Stephans haben. Mr. Plumptre ist in seinen Reden voll von solchen Zuckererbscn, aber wir fürchten, daß auf dem Grunde dennoch viel Wermuth liegt. Wir ersehen aus dem jährlichen Berichte der Bekehrungsgesellschaft, daß in Polen eine Mission stationirt ist, deren Name Zuckertorte ist, im Englischen so viel als „Sugartart“, ein ganz kapitaler Name für eine Bekehrungsmission. Mr. Plumptre sollte seinen Namen in Plumtart (Rosinentorte) verändern, denn diese Mifsionsreden und Missionsthaten sind gewöhnlich Mischungen aus Süß und Sauer, das Süße oben, das Saure unten. Die Juden aber, welche sie kennen, sagen wie der Rabbi zur Biene: Ich will weder deinen Stachel, noch deinen Honig. Der vierte Aussteller war der ehrwürdige Thomas Nolom. Er stellst einen zarten Bissen „vergoldeten Unsinn" aus in folgender Phrase, die ich wörtlich aus dem von der Gesellschaft eigens gedruckten Bericht kopire: „Eure Bibel sorgfältig lesen heißt Israel lieben, und Israel lieben heißt eure Bibel verstehen. Euretwegen, eurer Seele, eures Wohles halber fordere ich euch auf, allgemeine und reichliche Unterstützung der heiligen und schönen Sache des von Gott geliebten Israel zu gewähren." Welch' Gewäsch! Israel lieben heißt die Bibel verstehen, aber was heißt Israel bekehren? Der ehrwürdige Herr hat vergessen darzuthun, daß die Liebe zu Israel in der Bekehrung desselben besteht., Was seine Aufforderung zu unserer Bekehrung „eures eignen Wohles halber" betrifft, so muß er damit die Missionäre gemeint haben. Das sind die Männer, die sicherlich den Juden „lieben ihres eignen Wohles halber". Viele von den abtrünnigen Bettlern, wie Herr Langenfield, der neulich nach einer auswärtigen Station abreiste — finden diese Stationen sehr behäbig, besonders wo man sie nicht kennt. Herr Nolom mag ein sehr frommer und, so viel wir wissen, sehr ehrlicher Mann sein, aber wenn er so viel von den Bekehrungsmissionen wüßte, als wir, so würde er sie nicht „eine heilige und schöne Sache des von Gott geliebten Israels" nennen, sondern eine schwere Bürde und einen Betrug der Leichtgläubigen und Frommen. Ich muß meinen Bericht über die Ausstellung für heute schließen, will aber in meinem nächsten Briefe fortfahren, Ihnen eine Analyse des Bekehrungsberichts zu geben. Und obgleich ich mich nicht enthalten konnte, über den in der Versammlung vorgebrachten Unsinn zu lachen, so gestehe ich doch, daß mein Herz bei der Szene vor mir blutete, eine so große Zahl menschlicher Wesen, wohlerzogener Männer und Frauen zu sehen, die diese Bekehrungswindbeuteleien unterstützen. Ich mußte im Grunde meines Herzens die betrogenen Frömmler, diese barmherzigen Schafe und unschuldigen Opfer bemitleiden, die wirklich glauben die Juden bekehren zu können, weil ein heuchlerischer Missionär ihnen erzählt, daß er einen Juden bekehrt hat, der, ohne Zweifel ein unwürdiges Subjekt, ein elender