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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-07-28 · Heft 31 (28.7.1851) · p. Seite 369

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 31 (28.7.1851)
Date
1851-07-28
Page
Seite 369 (sequence 9)
Language
German
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369 Türkei. Er genießt größere Bevorzugung und man bezeigt ihm weit mehr persönliche Achtung; das kann am Besten aus den letzten Debatten im Unterhause ersehen werden. Ohne hier ein Wort über die Frage der Zulassung der Juden zum Parlamente sagen zu wollen, will ich Ihre Aufmerksamkeit nur auf die Sprache der Debatten lenken, damit Sie sehen können, wie die Gefühle sanfter geworden, wie die Vorurtheile überwunden sind und wie man sich ihrer Forderung nicht aus Abscheu gegen ihren Stamm widersetzt, sondern nur um Das aufrecht zu erhalten, was wir ein klares und deutliches christliches Prinzip nennen." Seine Lordschaft hat ganz Recht, „hier kein Wort über die Frage der Zulassung der Juden zum Parlamente sagen zu wollen," weil es unmöglich ist, die Inkonsequenz zu vertheidigen, die in dem Votum gegen ihre Zulassung und der Sorge für ihre Bekehrung liegt. Er gesteht, daß man dem Juden jetzt überall, Dank der aufgeklärten Zeit (nicht der Bekehrungsgesellschaft), „weit mehr persönliche Achtung bezeigt", dennoch aber votirt er, wenn die einflußreichste Körperschaft des Landes denselben wählt, gegen seine Zulassung. Dies Stückchen Sophistik wurde gar sehr von der Zuhörerschaft bewundert und es ist wirklich bewundernswerth in einem zivilisirten Lande und im Jahre 1851. Aber wie Seine Lordschaft der Zulassung der Dissenter und Katholiken sich widersetzt hat, und zuletzt dem mächtigen Willen der Majorität sich unterwerfen mußte, so wird Seine Lordschaft bald auch bei dieser Gelegenheit der Meinung des Volks nachgeben müssen, der das Oberhaus zuletzt unterliegen wird, obgleich man Lord John Russells Bill vielleicht noch eine oder zwei Sitzungen Hinhalten wird. bip •H« Vipa yiwtt „Volkes Stimme, Gottes Stimme" und wer wagt, dieser zu widerstehen? Der zweite Aussteller war Sir Robert Harry Jnglis, Parlamentsmitglied. Er stellte ein seltenes Stück Trugschluß aus. Da er wie sein edler Vorgänger, die schlagende Inkonsequenz seiner Bekehrungsideen und seiner alten Opposition gegen die Forderungen der Juden fühlte, so war der bigotte Baronet gezwungen, seine Zuflucht zu folgenden Trugschlüssen zu nehmen: Ew. Lordschaft sagte uns, daß wir keinen Gegenstand von ausschließlich weltlichem Interesse mit den hohen und heiligen Zwecken verbinden dürften, die uns hier zusammenführen. Man hat gefragt, was hat die Politik mit der Religion zu thun? Die Antwort ist: Alles hat mit der Politik zu thun, aber die Politik hat Nichts mit der Religion zu thun; und in Gesellschaften, die zu dem alleinigen Zwecke, Gottes Ruhm zu verbreiten, geschloffen sind, glaube ich, dürfen wir uns nimmer erlauben — Gott allein kann uns vor dieser Gefahr bewahren — die weltlichen Interessen der Politik einzuführen. Doch ich bin der Meinung Ew. Lordschaft, daß die Religion in jeder Hinsicht die Politik überwachen muß, und daß wir keine öffentliche Maßregel ergreifen dürfen, die wir nicht in Uebereinstimmung mit dem Willen Gottes halten und für welche wir nicht seinen Segen erflehen können. Der einflußreiche Baronet enthielt sich mit vieler Sorgfalt „einen Gegenstand von ausschließlich weltlichem Interesse (wie die Frage über die Einnahme des Parlamentssitzes durch Herren Rothschild) mit den hohen und heiligen Zwecken zu verbinden u. s. w." Aber wir leugnen, daß die Parlamentsfrage von rein weltlichem Interesse ist. Im Gegentheil, wir behaupten, sie ist von heiligem Interesse, insofern eine der heiligsten Vorschriften eines der heiligsten Bücher erklärt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Wenn wir aber mit Sir Robert Jnglis zugestehen, daß die Religion es mit der Politik zu thun hat, so hat es auch die Politik mit der Religion zu thun. Wir hörten nie in einer öffentlichen Versammlung einen är? gere» Trugschluß äußern, als die Quasivertheidigung der Inkonsequenz des Sir Robert Jnglis. Doch beschlossen die alten Jungfern in Exeter Hall, damit zufrieden zu sein und ihre halbe Krone auf den Keller zu werfen; mochten sie nun den Beweis verstanden oder nicht verstanden haben, sie schüttelten ihre alten Häupter, was sie auch bei dem größten Unsinn, der in Worte hätte gefaßt werden können, gethan haben würden. In Wahrheit, der Beweis über Religion und Politik war ein so dickes Stück plumper Sophistik als je von einem lamentirenden Straßenprediger zu Tage gefördert worden ist. Der dritte Aussteller war I. P. Plumptre Esq., Parlamentsmitglied. Er stellte ein schönes Werk l ogisch er Kniffe aus. In nicht geringerem Bewußtsein des Widerspruchs zwischen seinem Benehmen im Hause der Gemeinen und dem in Exeter Hall, unterhielt er die Zuhörer mit folgender Bertheidigung: 31*

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