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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-07-28 · Heft 31 (28.7.1851) · p. Seite 368

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 31 (28.7.1851)
Date
1851-07-28
Page
Seite 368 (sequence 8)
Language
German
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368 aufrecht erhält und durchführt — so kommen doch noch sehr eigenthümliche Dinge vor. Hier in Eger hatte sich rin Jude niedergelassen. Seitdem im Beginn des 16ten Jahrhunderts die Juden in Eger ausgerottet worden, wohnte Keiner daselbst. Die Behörden waren mit der Niederlassung einverstanden — aber siehe! das Volk nicht. Wie überall, wo keine Juden wohnen, voll Vorurtheils und blöden Haffes, und wol auch hie und da aufgehetzt» wollte die Bürgerschaft den Juden durchaus nicht in der Stadt dulden. Mit Blut fand er an seine Thüre geschrieben, daß er nicht nur sein Hab' und Gut, sondern auch sein Leben verlieren würde, wenn er in der Stadt bliebe. Ich bin fest überzeugt, wenn der Jude furchtlos dageblieben wäre, würde es bei den ihm bereits eingeworfenen Fenstern geblieben sein, wie derartige Beispiele in Ungarn vorgekommen. So aber hatte unser Israelit Furcht, verließ Eger, und so thront es wieder in seiner einsamen Herrlichkeit. Großbritanien. London, 4. Juli. Unterhaus. Sitzung vom 3ten. Als die dritte Lesung der Judenbill vor sich gehen will, halt es Sir Robert Jnglis (für die Universität Oxford) für seine heilige Pflicht, nochmals gegen die Maßregel zu sprechen. Lord John Rüssel nimmt sich hierauf noch einmal die Mühe, darzuthun, daß der Abschwörungseid, wie er eingeführt ist, nicht auf die Juden abgesehen sei und daß es auf den Sinn, nicht auf die Formel ankomme. Wenn aber Sir Robert es ausgesprochen habe, daß das englische Volk nicht für die Aufnahme der Juden in's Parlament disponirt sei, so habe die Chronik der letzten Tage (Alderman Salomons Wahl für Greenwich) den faktischen Beweis sür's Gegentheil geliefert. Das Unterhaus habe sich wiederholt für die Juden ausgesprochen, zwei große Wahlgemeinden hätten nun dasselbe gethan. Er hoffe, daß auch das Oberhaus dem Volke gönnen werde, seiner Neigung und Ueberzeugung zu folgen. Ein längerer Widerstand würde zu nichts weiter führen, als daß — der Demonstration wegen — noch mehr Juden in's Parlament geschickt würden. Die Bill ging hierauf ohne Abstimmung in dritter Lesung durch. London, im Juni. (Aus dem Lsmon.) Das Jahr 1851 wird in Zukunft das Ausstellungsjahr genannt werden. Denken Sie etwa, daß es jetzt in London nur eine Ausstellung, die im Kristallpalast, giebt? O nein, meine Freunde, wir haben deren noch mehrere. Da giebt es eine chinesische Ausstellung in Knightsbridge, nicht weit vom Kristallpalast; vergangenen Freitag aber, am 9., fand eine statt, die alle anderen übertrifft. Der Einlaß geschah auf Karten, die umsonst ausgegeben wurden, aber an den verschiedenen Aus- und Eingangsorten waren Teller in Bereitschaft, um den Besuchern Gelegenheit zu geben, materiell ihren Beifall an den drinnen ausgestellten Dingen zu bethätigen. Unter den Besuchern war ein großer Beisatz von Aristokratie, und zwar wog das weibliche Geschlecht vor dem männlichen vor. Die, welche Mannigfaltigkeit unter den ausgestellten Gegenständen, wie auf den anderen Ausstellungen, erwarteten, täuschten sich; nur ein Gegenstand kam zur Ausstellung und noch dazu ein sehr langweiliger, es war — lachen Sie nicht, aber sein Sie auch nicht ängstlich — es war die Judenbekehrung! Ich glaube zu sehen, wie viele Ihrer Leser zu gähnen anfangen bei dieser Aufschrift „Judenbekehrung", doch bitte ich Sie, nur wenige Sekunden bei mir auszuhalten, ich empfehle Ihnen den zehnten Theil der Geduld, mit der die älteren Damen in einem dichtgefüllten Saale, an einem erstickend heißen Nachmittage den Reden der Aussteller lauschten. Sollten Sie genöthigt sein, die Riechbüchsen sich unter die Nase zu halten, wie die alten Jungfern gelegentlich thaten, oder große Prisen Schnupftaback zu nehmen, wie die alten Herren vom Lande, um nicht einzuschlafen: so sind Sie mir dies Opfer schuldig, weil ich Ihnen wichtige Dinge erzählen will, die bei dieser Gelegenheit verhandelt wurden. Aber ich fürchte, Sie sind schon eingeschlafen und will deshalb nur anfangen. Der erste Aussteller war der würdige Lord Ashley, Parlamentsmitglied; er stellte ein schönes Stückchen Sophistik aus. Da er im Parlamente immer gegen Zulassung der Juden zu demselben und selbst zu bürgerlichen Aemtern gestimmt hatte, so war es sehr auffallend, daß Seine Lordschaft so warmes Interesse an den Juden nahm, die er mit folgenden Worten vertheidigte: „Ich wünsche Ihnen Glück zu der bessern Lage des Juden in allen Ländern der Erde, nicht blos in den europäischen, sondern auch in den östlichen Ländern, ja selbst in den Besitzungen des Sultans der

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