Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 31 (28.7.1851)
- Date
- 1851-07-28
- Page
- Seite 367 (sequence 7)
- Language
- German
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367 entbehrte vordem der arme Israelit, der dort als Fremdling seine Genesung suchte, jene fromme Hospitalität, die ihm Obdach und Verpflegung kostenfrei sichert. Er mußte sich entweder selbst von mitleidigen, wohlhabenderen Fremden milde Beiträge erbitten, oder es fanden sich Menschenfreunde, die im Kreise ihrer Bekannten Sammlungen für ihn veranstalteten. Dem menschenfreundlichen praktischen Arzte zu Karlsbad weiland Dr. Pöschmann, so wie mehreren nicht genannt sein wollenden, achtbaren Mitgliedern der prager Jsraelitengemeinde gebührt unstreitig das Verdienst, die Idee zur Gründung eines israelitischen Hospitals in Karlsbad angeregt zu haben. Das im Zahre 1843 zu diesem Zwecke aus der Mitte der prager Jsraelitengemeinde provisorisch gebildete Komitv erlangte hiezu die allerhöchste Bewilligung, wonach sich dasselbe desinitiv konstituirte und zur Ausführung dieses so wichtigen Unternehmens schritt. Die Thätigkeit des erwähnten Komitvs und der Aufruf desselben hatte den glänzenden Erfolg, daß im Wege der Sammlungen bis Ende 1845 circa zehntausend Gulden in Konv. Mz. einkamen, welche Baarschaft in der böhm. Sparkasse fruchtbringend angelegt wurde. Die beantragte Gründung der genannten Humanitätsanstalt hatte auch in der weitern Folge bei vielen wohlthätigen Menschenfreunden Anklang und Theilnahme gefunden und manche in- und ausländische Gemeinde zur Leistung milder Beiträge angeregt, so zwar, daß das Konnte schon im Herbste des Jahres 1846 den Ankauf und die Adaptirung einer geräumigen Lokalität den Umbau derselben erzielen, so wie die erforderliche innere Einrichtung derselben anschaffen und die Eröffnung des Instituts im Juni 1847 bewerkstelligen konnte. Am 15. d. M. wurden die ersten Pfleglinge in die Anstalt eingeführt. Durch die erste Etage des Spitalgebäudes sowol, als von der Helencnstraße aus, gelangt man in den Garten und von da in das schöne, würdevolle Bethaus, welches vorwärts eine Säulenhalle bildet, rückwärtig in Form einer Rotunde zwischen zwei hohen Pappeln mitten im Garten auf einer Anhöhe wie ein wahrer Zionstempel sich imposant erhebt, von welcher man zwischen dem Hirschensprung und Dreikreuzberg auf die Stadt und auf's Erzgebirge eine wahrhaft überraschend schöne Aussicht genießt. Dieses zwar einfache, aber auch ganz nach neuester Art eingerichtete, ziemlich geräumige Betlokal mit 62 Männer- und 42 Fraucnsitzen ladet zum andächtigen Gottesdienste ein, dem auch an Sabbaten und hohen Festtagen viele Fromme Zuströmen, um das Wort Gottes zu vernehmen, sich hier zu trösten und zu erbauen. Das Hospital wurde im Jahre 1847 (am 15. Juni) eröffnet, und am 15. September desselben Jahres geschlossen. In den nächstfolgenden Jahren wurde die Anstalt am 15. Mai geöffnet und am 15. September geschloffen. In dieser Zeit wurden im Hospital 196 Kranke beiderlei Geschlechts verpflegt und behandelt, und zwar: Im Jahre 1847 ... 39 Kranke - - 1848 ... 37 - - 1849 ... 56 - - 1850 ... 58 Zusammen 196 Kranke. Vom Jahre 1844 bis Ende April 1851 betrugen sämmtliche Einnahmen 16,551 Gulden. Die Gesammtausgabcn 16,328 Gulden, bleiben 223 Gulden. Daher sagt der Verfasser in seinem Schlußworte mit Recht: „Es ergeht daher an die edlen Herzen aller Menschenfreunde und an alle löblichen Vorstände der israelitischen Kultusgemeinden des In- und Auslandes, vorzüglich an die Gemeinden von Galizien, Preußisch- und Russisch-Polen, die sich bis jetzt bei diesem Institute gar nicht bctheiligt haben und dennoch jährlich Kranke hieher schicken, die Bitte: Es möge Jeder in seinem Kreise mit Kraft und Thätigkeit dahin wirken, daß diesem wohlthätigen Institute Hilfsmittel zur Gründung eines Fonds oder jährliche Beiträge, und wären diese noch so klein, zufließen, um dieses sie ehrende Denkmal für die Mit- und Nachwelt zu sichern und zu befestigen. Mögen daher Alle, denen das Wohl der armen Kranken aller Länder am Herzen liegt; mögen Alle, welche die Leiden der armen Brüder mitfühlen; mögen Alle, die hier Linderung und Heilung ihrer Leiden gefunden haben; Alle, die so oft ihre Spenden der Armuth freiwillig aber vereinzelt darbrachten; mögen alle Diese sich vereinen und in Gesammtheit wirken. Der Weg hierzu ist gebahnt." Eger, 26. Juli. (Privatmitth.) Obschon die kaiserliche Regierung die bürgerliche Gleichstellung, also auch die Freizügigkeit für die Juden mit Energie