Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 31 (28.7.1851)
- Date
- 1851-07-28
- Page
- Seite 366 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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366 den, ein Mann mit den ausgedehntesten talmudischen Kenntnissen, ein Mann der konservativsten Gesinnung — aberdeutsch soll er predigen können, rein deutsch, wenn er auch gerade nicht studirt hat. Fordon, dessen Rabbiner im vorigen Jahre nach Hamburg gegangen, will einen andern aufnehmen und kann leider! keinen finden, welcher, neben der umfangreichsten wissenschaftlichen Bildung und dem besten Rednertalente auch die gründlichste Kenntniß des Talmuds und die strengste Religiosität (versteht sich in orthodoxem Sinne) in sich vereinigt. Die genannten drei Gemeinden liegen dicht neben einander, und ihre Wünsche sind so verschieben! Ist das nicht merkwürdig? Aus dem Posenschen, im Juli. (Privatmitth.) Erlauben Sie uns heute einige Mittheilungen aus dem benachbarten Schlesien. In Gr. Glogau < ist der gelehrte Arnheim als Gemeinderabbiner angestellt worden. Prediger war er dort schon längst. Ein Gottesdienst mit Chorgesang soll erst jetzt eingeführt werden. Der junge vr. Feilchenfeld, ein glogauer Kind, hat neulich in der dortigen Synagoge mit großem Beifall gepredigt. Am Kreisgerichte sind zwei jüdische Referendarien angestellt. Herr Arnheim ertheilt in beiden Gymnasien den jüdischen Schülern Religionsunterricht. — Grünberg, mit etwa 70 jüdischen Familien, hat schon einmal einen studirten Prediger gehabt, denselben aber vor mehreren Jahren entlassen und seitdem keinen andern ausgenommen. — In Liegnitz, welches bereits über 100 jüdische Familien zahlt, bestehen seit Kurzem zwei Gemeinden, die alte und die neue; — der Kultus jedoch ist in beiden mehr alt als neu zu nennen. Woher kommt das? Weil die Juden L's meistens aus dem Großherzogthum Posen dort eingezogen sind. Es giebt fast keine Stadt in Niederschlesien, in welche nicht in den letzten 18 Jahren (seit dem Gesetze vom 1. Juni 1833) Juden aus unserer Provinz übergesiedelt. Lissa, Rawictz und Krotoszyn haben die Meisten dorthin geschickt. Oesterreichischer Kaiserstaat. Preßburg, im Juli. In der „Preßb. Ztg." liest man Folgendes: In Betreff der Geldspenden, welche den armen Juden in Palästina aus mehreren Thcilen unsers Kronlandes jährlich zufließen, wurde gegen mehrere Rabbiner Ungarns, namentlich gegen den bonyhader, unghvarer und auch gegen den hiesigen Oderrabbiner eine Untersuchung angeordnet, die sich gegenwärtig noch im Zuge befindet. Den Erst» genannten wurde die in dieser Angelegenheit Vorgefundene Korrespondenz versiegelt und mit Beschlag belegt; der Letztere gab blos die Erklärung zu Protokoll, daß diesen Geldsendungen ausschließlich ein religiöser Zweck zu Grunde liege, und dieselben nach einem seit Jahren bestehenden Usus, ohne dabei obwaltende"Verpflichtung, jährlich gespendet würden, daß die Gesammtsumme in früherer Zeit nahe an 4000 fl. jährlich betragen hätte, gegenwärtig aber blos auf 1500 fl. veranschlagt werden könne; daß ferner die Absendung dieser Wohlthätigkeitsgaben wie allezeit, so auch jetzt noch durch das Bankierhaus Holländer und Lehren in Amsterdam und die Weiterbeförderung nach Palästina mittelst Anweisung des Hauses Rothschild bewerkstelligt wurde, und schließlich alle diejenigen, welche sich an diesem Werke der Milde bisher betheiligt haben, reinen, unbescholtenen Charakters wären, so daß in politischer Beziehung für diese Alle vollkommene Garantie geboten werden könne. — Die vorstehenden Angaben kommen aus dem Munde eines Mannes, dessen Glaubwürdigkeit über jeden Zweifel erhaben erscheint, so daß dem Resultat der Untersuchung mit Beruhigung entgegengesehen werden kann. Pesth, im Juli. Eine Zirkularverordnung des interimistischen Chefs der Statthalterei in Ungarn bestimmt die Einführung ordentlicher Geburts-, Trauungs- und Sterbematrikcln für die Israeliten Ungarns und die Bildung eigener Kultusgemeinden. Karlsbad, im Juli. (Privatmitth.) Der große diesjährige Zudrang von Kurgästen erinnert um so mehr an eine interessante Monographie: „Das Hospital für arme kurbedürstige in- und ausländische Israeliten zu Karlsbad," welche der Verwalter an demselben, Wundarzt Moritz Klauber, in diesem Jahre herausgegeben hat. Wir theilen daher einige Stellen der Schrift hier mit: In dem weltberühmten Kurort Karlsbad, wo seit Jahrhunderten die Najade den Born des Heils entströmen läßt, wo milde Stiftungen und mannigfache humane Anstalten in's Leben gerufen wurden,