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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-07-28 · Heft 31 (28.7.1851) · p. Seite 365

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 31 (28.7.1851)
Date
1851-07-28
Page
Seite 365 (sequence 5)
Language
German
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365 die Segnungen dieser jüdischen Pflanzschule, wie sie Licht verbreitend sich ihre Bahn gebrochen, wie hier allein, während in der ganzen Welt Uneinigkeit und Zwietracht herrsche, Religionen und Sekten und politische Parteien sich anfeinden, wie hier allein Friede und Einigkeit walte, unbekümmert um das Geräusch der Welt; daß, während auf der einen Seite des Hauses die Lehre Gottes nach Mose, auf der andern nach Christus gelehrt werde, die Knaben eben dadurch eine gereinigte Weltanschauung, ein Herz voll Duldung für fremde Ansichten, voll Menschenliebe mit in's Leben hinaus nehmen. Ist der Segen tiner solchen Anstalt nicht ein ewiger, ein unberechenbarer, unabsehlicher? Um 1 Uhr versammelten sich dann die fröhlichen Kinder, die Lehrer und Alles, was irgend wie an der Leitung des Instituts beschäftigt ist, zu einem solennen Festessen. Der Jubel der Knaben, die sich ganz ungestört, die Aufsicht der Lehrer kaum fühlend, gehen ließen und in freudigen Worten das Lebehoch den Kuratoren, dem Direktor, den Lehrern ausbrachten, läßt sich besser denken als schildern. Mit manchen gediegenen Worten wurde auch von Seiten der Lehrer bei Tafel das herrliche Fest besprochen. Um 4 Uhr sah man eine lange Schaar glücklicher Kinder mit Fahnen, Tambours und Musik in ein nahe am Fuße des Harzes gelegenes Gehölz ziehen, dort im frohen, muntern Spiele die übrigen Stunden des seltenen Festes zu verleben. Frohsinn und Heiterkeit, Glück und Freude schloß den herrlichen, festlichen Tag, der von keinem Unfall getrübt und von ziemlich schönem Wetter begünstigt, in jedem Herzen gewiß ewig fortleben, ewig nachhallen wird. Albert Schlesinger, Lehrer an Jakobsonsschule. Berlin, im Juli. (Privatmitth.) Man ist hier sehr gespannt auf die nächsten Schritte der Regierung hinsichtlich der Juden. Denn sowol in staatsbürgerlicher Beziehung, als auch hinsichtlich der Religionsgemeinden drängt es zu irgend einer Entscheidung. Die hiesige Gemeinde ist ja in völliger Auflösung, und einige der Beamten der Gemeinde haben seit längerer Zeit keinen Gehalt ausgezahlt bekommen. Zu irgend einem Schritte muß Dies führen. — Das Konkurrenzausschreiben nach einem zweiten Prediger von Seiten der Reformgemeinde war nicht mit glücklichem Erfolge gekrönt, und nur zwei Prediger sind aufgetreten, die aber nicht ansprachen. 700 Thaler sind für Berlin keine große Lockung, und jetzt, wo die Reformgemeinde am Sabbat gar keinen Gottesdienst mehr hält, fühlen sich doch die meisten Theologen von ihr entfernt gehalten. Aus der Provinz Posen, im Juli. (Pr>- ' vatmitth.) Bromberg ist endlich wieder auf den Gedanken gekommen, einen Rabbiner anzustellen. Ein studirter soll es sein, ein Mann von akademischer Bildung. Die Konkurrenz ist schon ausgeschrieben, doch will man mit der Aufnahme des zu Wählenden bis zu Ostern 1852 sich Zeit lassen. Diese Vorsicht ist gerade auch nicht zu tadeln. Doch, wenn damit nur Etwas bezweckt würde? Wer weiß! Vor 4 Jahren hat man auch von Br. aus in alle Blätter geschrieben, daß Rabbinat und Kantorat zu besetzen, und qualisizirte (d. h. zeitgemäß gebildete) Subjekte sich bewerben sollen. Und es sind Rabbanim und C Hasan im gekommen aus allen Ecken und Enden, und haben gepredigt und gesungen aus allen Redearten und Tonarten, und haben Beifall geerntet, getheilten oder ungetheilten — und sind wieder zurückgereiset in ihre Heimath mit großen oder geringen Hoffnungen — und sollen Alle heute noch Bescheid erhalten. Was hatten die Armen davon? Nichts, als die Ehre und das Vergnügen, auch in der Synagoge zu Br. ein- oder mehreremal gepredigt oder vorgebetet und — nicht zu vergessen — auf diese Ehre und dieses Vergnügen Kosten verwendet zu haben. Rabbinat und Kantorat sind unbesetzt geblieben. Seit jener Zeit hat aber Br. an jüdischen Familien bedeutenden, man kann sagen sehr bedeutenden Zuwachs erhalten, und das mag wol der Grund sein, daß jetzt auf einmal wieder an die Besetzung des Rabbinats gedacht wird. Oder ist's vielleicht etwas Anderes, was einen vor 4 Jahren so sanft verschiedenen Gedanken heute wieder in's Leben zurückgerufen? Doch, Dem sei, wie ihm wolle: jedenfalls wünschen wir, daß die Rabbinatsbesetzung in Br. diesmal mehr sein möge als ein bloßes Wünschen und Wollen, als ein leeres Gastrollenmanoeuver; wir wünschen, daß der Gedanke endlich eine That werde! Rakel hat neulich seinen 97jährigen Rabbiner durch den Tod verloren. Es soll ein neuer angestellt wer«

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