Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 31 (28.7.1851)
- Date
- 1851-07-28
- Page
- Seite 364 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225714-3225746--11869-3242005- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Seesen 1× ep/1048106
OCR text
864 israelitischen Gottesglaubens, der nicht nur auf die „Tafeln des Herzens" geschrieben, sondern mit unvergänglicher Goltesschrift in die Geschichte und in die Jahrtausende bewahrten Urkunden deines Volks eingegraben worden, eingegraben nicht von der Sonne oder vom Monde oder der ganzen Natur, sondern von der Hand des Ewigen selbst. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Seesen, 9. Juli. (Privatmitth.) Gestern, am 8. Juli feierte die hiesige Jakobsonsschule ihr fünfzigjähriges Stiftungsfest. Gewichtige Gründe haben das Kuratorium bewogen, diese Feier zu keiner öffentlichen zu machen; da aber gewiß in den weiten Gauen des Vaterlandes Tausende sind, deren Herz mit inniger Liebe an dieser Stiftung hängt, so lassen wir hier einen Bericht über die private Feier, die sicherlich ihres Gleichen noch nicht oft gehabt, folgen. Unter privater Feier wollen wir bemerken, daß eben nur äußerst wenige Fremde zugegen waren, dieselbe ganz im Schooße der Schule begangen wurde. Möge nun den fernen Freunden der Schule und den ehemaligen Schülern derselben, die Festlichkeit einen Begriff davon geben, welchen Standpunkt sie einnimmt. Am 8. Juli des Morgens wurde die zwischen 80 und 90 Knaben zählende Schaar der Kostgänger (von denen einige 30 Freizöglinge beider Konfessionen) durch den Trommclschlag ihrer eigenen Tambours geweckt, und bald sah man sie, festlich gekleidet, die Gärten und Hofräume des so väterlich für sie sorgenden Hauses jubelnd und glücklich durchstreifen. Später sammelte sich dazu eine fast ebenso große Anzahl Schüler, sowol aus der Stadt, als aus der Gegend, weit rings umher. Auf jedem der frischen, fröhlichen Gesichter sah man das Glück an einem so seltenen Feste theilnrhmen zu können. Um 10 Uhr waren sämmtliche Knaben, die Lehrer der Anstalt und eine bedeutende Zahl der Bewohner der Stadt in dem wahrhaft geschmackvoll ausgestatteten Schul- und Arbeitssaal der Knaben versammelt. Die Bilder des so innig verehrten Stifters, der verschiedenen Wohlthäter der Anstalt und der dahingeschiedenen beiden Direktoren schmückten, mit Blumen umwunden, die Wände. Auf einem eigends dazu dekorirten Tische stand die Büste des seligen Israel Jakobson. Und nun begannen von der ersten Singklasse der Schule und der städtischen Liedertafel die einleitenden Hymnen, die das Herz allmächtig zur Anbetung fortriffen. Nach denselben betrat der zeitige Direktor der Anstalt, Herr vr. B. Ginsberg, ein Mann, dessen Verdienste um die Anstalt zu besprechen es uns heute hier an Raum und Zeit gebricht, die festlich geschmückte Rednerbühne, und gab in einem wahrhaft gediegenen Bortrage, nach kurzer Ansprache an seine Schüler, einen Abriß der Geschichte des Instituts seit seinem Bestehen; wie es so klein erstanden, anfänglich nur für 12 Freizöglinge bestimmt, alle Verhältnisse und Veränderungen eines halben Jahrhunderts, wie die Geschichte nicht noch eines kennt, überwunden, überstanden, stets das herrliche Ziel verfolgend: Religion und Bildung zu verbreiten; wie es heute, nach fünfzig Jahren, das Ideal verwirkliche, das wol einst dem seligen Stifter vor Augen geschwebt. Tief ergreifend war diese gehaltvolle Rede, deren jedem einzelnen Worte man die innige Theilnahme des geistreichen Redners an dem Werke das er leitet ansah. Nach ihm bestieg der Pastor Herr Th. Schultz, der seit 12 Jahren schon den christlichen Religionsunterricht in der Anstalt leitet, und seit dieser Zeit mit voller Seele an ihrem Blühen und Gedeihen Theil genommen, die Tribüne; auch er riß im begeisternden Vortrage seine Zuhörer mächtig fort. Mit glühender Sprache entwickelte er die herrlichen Absichten des Stifters, die köstlichen Segnungen der Anstalt, und wie die Zeit, sonst Alles zerstörend, hier allein Alles glücklich verwirklicht habe, was Menschenliebe ersonnen. Und als im Verlaufe dieser herrlichen Vorträge die Büste des seligen Jakobson mit Myrthen umkränzt, als am Schluffe derselben von den Sängern das jubelnde Halleluja erschallte, da sah man kein Auge thränenleer, und ob Jude, ob Christ, da war in Aller Herzen gewiß nur das beseligende Gefühl der Liebe und Eintracht. Es war aber auch in der Thal etwas Ergreifendes. Hier schildert ein jüdischer Gelchrter, wie einst vor 50 Jahren ein Mann aus dem lange verfolgten und gedrückten Volke Israels, aus innerm Drange, im Bewußtsein, daß bessere, lichtere Zeiten kommen müssen, eine Zufluchtsstätte gründete zur Pflanzschule für diese Zeiten, und nach ihm schildert ein christlicher Geistlicher