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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-07-28 · Heft 31 (28.7.1851) · p. Seite 363

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 31 (28.7.1851)
Date
1851-07-28
Page
Seite 363 (sequence 3)
Language
German
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363 die Sonne am Himmel", aber ihre Strahlen befruchten nur die Erde und rufen das irdische Leben hervor, sie blenden die „trüben Augen", sie kommen vom Himmel, schaffen dir aber keinen Himmel. Wie undankbar ist doch der Mensch und wie götzendienerisch oft gerade Der, der am Meisten gegen den Götzendienst predigt. Es soll da von der Sonne, vom Himmel und wer weiß welchen Gestirnen kommen, und fragt ihr euch: wo habt ihr es denn eigentlich her? so müßt ihr doch antworten: von unseren Vätern und unseren Alken ist es uns gekommen. Ueberlasset doch eure Kinder sich selbst und wartet bis von der Sonne oder vom Himmel das Sittengesetz und die Gotteserkenntniß auf die „klaren Tafeln ihres Herzens" geschrieben wird — o ihr werdet lange warten, oder wartet bis die Gesellschaft, die euer neuester Götze ist, die „inhaltsschweren Worte" auf die klaren Herzenstafeln geschrieben hat, ach! wie unleserlich ist oft diese Handschrift, wie von Flecken übergoffen, wie mit nichtsnützigem Griffel gekritzelt, oder mit chemischer Tinte gemalt' Drum, ohne viel zu theoretistren und zu disputkren, lasset uns doch ein Wenig in den Hausern der ehrenwerthen Männer uns Umsehen, denen Gott und das Verhältniß des Menschen zu Gott etwas Indifferentes, die Religion nur Pfaffentrug ist. Lasset uns praktisch untersuchen, was sind die Erfolge dieser blos ehrlichen, praktischen Erziehung. Jenes alte Buch, das so viel „sonderbares Zeug" enthält, sagt: „Bewahre und gedenke des Sabbats." Nun, das ist eine alte Institution nach eurer Meinung, aus der sich jetzt gar Nichts machen läßt, aber wie steht es denn mit dem gleich darauf folgenden: Ehre Vater und Mutter! Ja, zeiget mir doch, wie sich dies eine große Sittengesetz aus die Tafeln des Herzens eurer Kinder geschrieben. Wo ist die Ehrfurcht vor dem Vater, vor der Mutter, vor den greisen Häuptern, bei eurer Jugend geblieben? seit der Zeit geblieben, wo sie nicht mehr vom Boden des göttlichen Wortes entsprossen, aus Gott selbst und seiner Erkenntniß geflossen ist? Diese tiefe Ehrfurcht vor den Eltern, diese zarte Rücksicht auf ihre Schwächen und Gebrechen, diese unermüdliche Sorgfalt für ihre Bedürfnisse, dieser innige Verkehr im Familienkreise — sie sind, gerade heraus sei es gesagt, aus euren Hausern meistcntheils verschwunden; sie haben dem Egoismus den Platz geräumt, einem Egoismus, der sein Ich eben als den von der Mutterpflanze losgelösten Polypen betrachtet, der in den Elter» nur die willenlosen, dem Naturgesetz hingegebenen, physischen Erzeuger, nicht die Stellvertreter Gottes auf Erden, nicht die Bildner eines göttlichen Ebenbildes erblickt. Und wie sieht es denn überhaupt mit der Sittlichkeit aus! Ist nicht ein ewiges Streben nach Genuß vorhanden, den die Theorie der Neuzeit selbst als das Endziel alles Lebens ansieht, eine Theorie, die entsprungen aus dem krassen, alles Göttliche negirenden Materialismus, keine Liebe, als das göttliche gerade dem materiellen Egoismus entgegenstehende und entgegenwirkende Prinzip anerkennt, eine Theorie, die sich nicht allein der Familie bemächtigt hat, sondern auch in's Staatsleben dringen will, die Gesellschaft aufzulösen und zu vernichte» sucht und in ihrer Nichtswürdigkeit und durch ihre Nichtswürdigkeit alle edlen Bestrebungen, den Staat zu regeneriren, unterdrückte und Alles, wonach der bessere Theil rang, zu Schande» machte, dadurch der ebenso egoistischen Kontrerevolution in die Hände arbeitend. Viel Großes und Schönes birgt unsere Zeit, aber Nichts wird bestehe», was nicht aus dem ewig reinen Quell der Gotteserkenntniß und des Gottglaubens, was nicht aus der Liebe entspringt, die der Gegensatz ist und das Gegengesetz des Egoistischen, Irdischen, Vergänglichen. Und wie lange hält denn die Sonnenschrift auf den Tafeln des Herzens aus, dieses Lichtbild auf Quecksilber mit seinen tobten, hohläugigen Zügen, auf dem es flimmert und schimmert, das du bald rechts, bald links halten mußt, um nur Etwas zu sehen? Es hält aus, so lange der „Zufall" gefüllte Fleischtöpfe reicht und das Manna vom Himmel fallen läßt. Es kommen aber Tage, die nicht gefallen; die Natur bröckelt an deinem Leibe ein Festes nach dem andern ab, der „Zufall" zerstört deinen Wohlstand, die „Zeitumstände" rauben dir deine Behäbigkeit, jetzt sieh doch auf das von so vielen scharfen Lüsten und Stickgasen verwitterte Lichtbild deines Herzens hin, auch nicht ein Zug ist mehr vorhanden! Wenn aber von der Kindheit an das lebendige Wort immer lebendiger geworden, das Wort vom Glauben an den unvergänglichen Walter und Leiter, das Wort: Staub bist du nur am Leibe, ewig am Geiste, das Wort: Deine Tage hat ec gezahlt und lerne du sie selber zählen, dann mag kommen das Schicksal, mag nahen der Tod, es war die Jugend die Zeit der Leidenschaft, es ist das Alter die Zeit der Liebe, die dir Bürge ist der ewigen Urliebe, Gott, der dir Bürge ist der Unsterblichkeit! Welche religiöse Richtung geben wir unseren Kindern? die des rohen Materialismus oder die wenigstens unfehlbar zu ihm führt, oder die des Gottesglaubens, des

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