Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 31 (28.7.1851)
- Date
- 1851-07-28
- Page
- Seite 362 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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382 sich erholen, und da darf der Geist nicht denken, und das Herz nicht klopfen, und die Maschine nicht Laufen, sondern Mies ruhen und nur der Einwirkung der Kur hingegeben sein. Lieber Leser, sieh es also als einen Beweis an, wie tief Du mir in Geist und Herz eingewurzelt bist, da ich dennoch vor Allem an Dich denke und zu Dir spreche.... Und dennoch ist es hier so schon. Diese herrliche Luft, bei deren Athmung die Brust sich erweitert; und das frische Rasen- und Laubgrün, der herrliche Park, die Fernsicht dort auf das Erzgebirge, hier auf das Fichtelgebirge; und die weite, wohlbebaute Ebene ... welch lauschiger Winket der Erde für einen etwas müden Geist in einem in Unordnung gekommenen Körper!... Daher gönne mir ihn, lieber Leser, einige Wochen — die Aerzte verheißen mir ja eine desto kräftigere Gesundheit; und da Du weißt, daß Dir überall mein Herz gehört, so laß mich ruhig da eine kurze Zeit weilen, wo Mutter Erde so recht unmittelbar ihren Kindern ihren Segen spendet.... Ein Bad ist kosmopolitisch. Es giebt kaum eine der zivilisirten Nationen, die ihr Kontingent nicht stellte, kaum eine Konfession, die nicht stark vertreten wäre — und die unsrige ganz erstaunlich — und sie leben Alle friedlich neben einander, und Alle nehmen und lasten sich genügenden Raum, nirgends Zurücksetzung, nirgends Spaltung, nirgends Streit. Und dabei befinden sich die Badegäste und die Bewohner des Bades am Besten, ^ene, denn die Kur bekömmt ihnen, diese, denn ihre Einnahmequellen vermehren sich. Gestern Abend war ein öffentlicher Wohlthatigkeitsball: die israelitische Armenkasse war an.dem Reinertrag betheiligt. Wohl, ich möchte alle Gesetzgeber, unter Andern das englische Oberhaus, nach einem Badeorte hinsenden: sie können da lernen, daß je ungestörter man die Menschen neben einander leben läßt — desto bester befindet sich alle Welt! Ueber jüdische Erziehung. Von Uri. (Fortsetzung.) Sehen wir uns in der Judenhei't selbst um, so ist eine große Zahl vorhanden, der die religiöse Erziehung gar keinen Werth hat. Mit dem (jüdischen) Dichter Michael Beer antworten sie auf unsere Frage: Wehe! schrieb euch den» der Herr nicht Auf des Herzens klarer Tafel Seine heiligen Gesetze? Und ihr les't mit trüben Augen Mühsam sie aus dunkeln Büchern, Spähet nach dem dürftigen Irrlicht, Und die Sonne steht am Himmel! Nur aus Gewohnheit noch im Judenthum verharrend, halten sie alles Religiöse für „leeres Stroh". Es genügt, meinen sie, ein ehrlicher Mann zu sein, seinem Nebenmenschen beizustehen, seine Pflichten als Vater, Bürger u. dgl. zu erfüllen, d. h. sein Gewerbe zu treiben, seine Kinder zu erziehen, sie nämlich körperlich zu ernähren und Etwas lernen zu laffen, seine Abgaben zu zahlen, bei Ucbernahme eines Amtes oder Berufes dieselben zu wahren und überhaupt das allgemeine Beste zu befördern — Alles Höhere fafseten wir ja doch nicht und deshalb wäre es ohne Werth und Bedeutung für uns, die Bibel sei gar ein „altes Buch" und voller „sonderbaren Zeuges". Es ist, wie bemerkt, eine große Anzahl sonst sehr ehrenwerlher Männer und Frauen, welche von solchen Grundsätzen ausgehen und danach handeln und erziehen, wenn M^stch diese auch nicht immer ganz klar denken, denn wf Jndiffcrentismus für alles Höhere und die Sorge für des Lebens Bedürfnisse lassen sie oft gar nicht zu einem Nachdenken über Alles, was nicht dem gewöhnlichen Leben angehört, kommen. Solche Personen werden schwerlich selbst das Iudenthum äußerlich verlassen, denn jeder Ueberlritt wäre ihnen eine Lüge, und diese verabscheuen sie. Aber sonderbar! sie nehmen selten es ihren Kindern übel, wenn diese, von Verhältnissen geführt, das Judenthum mit Sang und Klang auch förmlich und öffentlich aufgeben, zwar in gleicher Gesinnungslosigkeit. Wir wollen uns hier nicht in theoretische Disputationen einlassen. Nur eins könnten wir den Dichter und Die, welche uns mit seinen Worten antworten, fragen: Haben denn jene Wilden, welche in den Prärien Amerika's und auf den Inseln der Südsee herumschweifen, nicht auch die „klare Tafel des Herzens" von der Natur erhalten, aus welche „der Herr seine heiligen Gesetze geschrieben?" Wie so kommt es, daß von diesen klaren Tafeln aber so wenig abzulesen ist? Es läßt sich jetzt gut von einem Sittengesetz sprechen, welches der Herr auf die klaren Tafeln unsers Herzens geschrieben hat, nachdem seit Jahrtausenden gerade aus den „dunkeln Büchern" das Licht der Selbsterkenntniß unter uns verbreitet und das Sittengesetz verkündet worden. Wol „stehet