Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 31 (28.7.1851)
- Date
- 1851-07-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3225714-3225746--11866-3242002- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Seesen 1× ep/1048106
OCR text
xv.M-g<mg. Allgemeine No. 31. Akttimg -es Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redaktion: Dr. Ludwig Philippfon, Dr. B. Meyer, Rabbiner zu Magdeburg. verantwortlicher Redakteur. Leipzig, den 28. Juli 1851. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 78 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u.s. w. umfassen. Zn Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (l Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate -r- 22 Va Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Aus Franzensbad. — Ueber jüdische Erziehung. Don Uri. (Fortsetzung.) Zeitungsnachrichten: Deutschland: Seesen, Berlin, aus der Provinz Posen, aus dem Posenschen. Oesterreichischer Kaiserstaat: Preßburg, Pesth, Karlsbad, Eger. Großbritanien: London, London. Literarische Nachrichten: aus der Altmark. Leitende Artikel. Franzensbad, 2». Juli. In den fünfzehn Jahren, in welchen ich diese Zeitschrift leite, habe ich mich gewöhnt, meine freundlichen Leser mir in so innigem Verbände mit mir zu denken, daß sie eigertthümlicher Weis« auch einigen Antheil an der Person des Redakteurs nehmen, der doch sonst hinter seinem Blatte verschwindet. Und darum gestalte ich mir auch, meine Leser von Franzensbad aus zu begrüßen, wohin mich, nachdem ich von schwerer Krankheit genesen, die Aerzte gesandt haben. Fürwahr, es ist nicht schön, nach einem Bade- und Brunnenocte zu müssen; es ist nicht erhebend, wochenlang für Nichts als sein körperliches Heil sorgen, an Nichts, als: könnte Dies schaden? Jenesnützen? denken, also überhaupt für jenen Theil allein leben zu müssen, von dem Koheleth sagt: „der Staub kehret zur Erde zurück, von der er genommen." So schwer hält es, diesen Staub einige Jahre länger zusammenzuhalten! Es ist ein Eigenes um so ein Bad. Sind da viele . hundert Menschen aus allen Ländern der Welt zusammengekommen, zu einem und demselben Zweck, aber sie kennen sich allesammt nicht, und dieser Zweck ist zwar ein gemeinsamer, aber kein allgemeiner, sondern betrifft Jedermanns eigene Person, und daher ist kein Band unter ihnen vorhanden, und sie sind nicht anders als die aus einer Eisenbahn in einem Waggon zusammenfahrcn. Sie kommen und gehen, und wenn sie die Laune haben, unterhalten sie sich ein Wenig mit einander. Und ein Gesetz herrscht unerbitllich in einem solchen Badeorte, das unverletzlich, und auch nicht verletzt wird. Es giebt wol kein Gesetz, das jetzt von allen ihm Unterworfenen so streng, so heilig gehalten wird, als das Bade- und Brunnengesetz. Hier darf am Tage durchaus nicht geschlafen werden, der Brunnen erlaubt es nicht — und o die tausend zufallenden Augen, die immer wieder aufgerissen werden! kein Obst — es ist verbannt; nichts Saures — es ist nicht da, und tausend andere Dinge. Da wird kein Zweifel laut, selbst von den ärgsten Skeptikern, da kein Widerspruch erhoben, selbst von den äußersten Radikalen, keine Widersetzlichkeit geübt, selbst nicht von Italienern, Polen rc. rc. und wie die Umwälzler heißen.... Daß daher eine Einförmigkeit, eine Monotonie, ja eine Langweiligkeit in einem solchen Orte herrscht, laßt sich denken — aber das soll es ja.... Der Kopf, der zu viel gearbeitet, das Herz, das zu stack geklopft, die Maschine, die zu sehr abgenutzt worden, hier sollen ste