Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 30 (21.7.1851)
- Date
- 1851-07-21
- Page
- Seite 358 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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358 hebräisches Wörterbuch, 1840. Zeichnen sich auch alle seine Schriften durch die sorgfältigste Genauigkeit und gewiffenhasteste Umsicht aus, so gesellen sich zu diesen seltenen schriftstellerischen Eigenschaften bei seiner Bibelübersetzung noch ein überraschender Scharfblick in der Auffassung des hebräischen Urtextes und eine innige Vertrautheit mit der orientalischen Anschauungs- und Gefühlsweise. Au bedauern ist, daß er diese Uebersetzung der Bibel mit kritischen und linguistischen Anmerkungen nicht vollenden konnte. Bon ihr besitzen wir nur „Die fünf Bücher Mose" 1831, und „Die Geschichtsbücher Josua, Richter, Samuels und der Könige" 1836. — Noch ein anderer Weg eröffnete sich unsecm Johlson, auf welchem ec für eine bessere Stellung und Heranbildung seiner Glaubensgenossen nicht ohne bedeutenden Erfolg wirkte; er hatte nämlich die Freude, daß ihn verschiedene Regierungen mit dem Aufträge beehrten, über zweifelhafte Fälle im israelitisch-religiösen Leben sein Gutachten zu äußern, welches er mit der größten Umsicht ertheilte und welches auch stets mit verdienter Anerkennung beachtet wurde. — Als Mensch war Johlson ein edler Mann, er riech und half unverdrossen, wo er rächen und helfen konnte; er erfreute sich deshalb auch der Hingebung und Hochachtung seiner zahlreichen Freunde unter Christen und Juden, besonders aber derjenigen, welche einen edeln Kern von einer etwas rauhen Schale zu sondern verstanden. Denn durch manche herbe Erfahrungen und schmerzliche Enttäuschungen wurde er gegen den Abend seines Lebens in seinem Urtheile zuweilen derb und bitter, seine Sprache nahm mitunter eine sarkastische Scharfe an und dann wußten diejenigen, welche ihm naher standen, daß er weit besser sei, als er sich äußerte. Die letzten Jahre seines thatenreichen Lebens wurden ihm durch körperliche Leiden getrübt, welche jedoch nicht vermochten, seinen Geist zu beugen oder seine Urtheilskraft zu schwächen. Er entschlief Freitag, den 13. Juni d. I., zu frühe für seine trauernde würdige Gattin, zu frühe für seine ihm treu gewesenen Freunde; doch setzte er sich in das Herz seiner Verehrer ein Denkmal dauernder als von Erz und Stein, und noch unsere spätesten Enkel werden mit Hochachtung und Verehrung den Namen Johlson nennen. „Das Gedachtniß des Gerechten bleibt im Segen." (Spr. Sal. 10, 7.) Offenbach, im Juni 1851. vr. S. Formstecher, Rabbiner. Korrespondenz. Goch, im Mai 1851. Bericht über die i» Krefeld stattgehabte Versammsnng israelitischer Lehrer aus der Rheinprovinz und Westphalen. (Fortsetzung aus No. 27. 28.) Zweite Sitzung. Mittwoch, 30. April, Nachmittags 3 Uhr. Hinzugekommen: Herr Cahn aus Neuß. Gegenstand der Berathung: Die Errichtung eines jüdischen Seminars in der Rheinprovinz. Präses: Er müsse seinen Antrag vom vorigen Jahre, die Errichtung einer Lehrerbildungsanstalt betreffend, wiederholen, da ihm die Nothwendigkeit eines solchen Instituts in der hiesigen Provinz immer einleuchtender werde. Aus dem Seminar zu Münster — dem einzigen jüdischen in Preußen — seien manche tüchtige Lehrer hervorgegangen, aber er sei mit der gegenwärtigen religiösen Richtung derselben nicht einverstanden und wie es ihm scheinen wolle, geschehe dort auch zuwenig für die jüdischen Lehrfächer; dazu komme noch, daß durch die Errichtung eines Seminars der Eifer für das Schulwesen in der Rheinprovinz erst recht angeregt werden würde. Uebrigens werde der Mangel an guten Lehrern immer fühlbarer, da das münstersche Institut die erforderliche Anzahl nicht ausbilden könne; erst neulich sei ihm auf ein desfallsi'ges Gesuch ein ab sch täglicher Bescheid geworden. Blumenfeld spricht sehr nachdrücklich gegen den Antrag. Man sage, die Anstalt zu Münster genüge nicht; man sei mit der religiösen Richtung nicht zufrieden; er gebe dies zu; daraus folge aber noch nicht, daß in der Rheinprovinz ein Seminar errichtet werden müsse, sondern ganz einfach, daß das zu Münster besser unterstützt, reorganisirt werde, wozu der Dirigent gewiß die Hand bieten würde. Felsenthal spricht im ähnlichen Sinne; er bezweifle die Möglichkeit, in der Rheinprovinz ein solches Institut zu gründen; die Nothwendigkeit einer Reform des Seminars zu Münster erkenne er an; deshalb beantrage er, eine Kommission zu erwählen, die sich mit dem gegenwärtigen Standpunkte der Anstalt bekannt zu machen und die nöthig scheinenden Abänderungen voczuschtagen habe.