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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-07-21 · Heft 30 (21.7.1851) · p. Seite 356

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 30 (21.7.1851)
Date
1851-07-21
Page
Seite 356 (sequence 8)
Language
German
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356 schung, wenn man das Judenthum so locker, schwankend und illusorisch hinstellte, ohne ihm einen festen Anhaltspunkt zu geben. Wolle man den Vorstand auch als religiöse Autorität betrachten, so hieße dies die Institutionen des Judcnthums alle drei Jahre in Frage stellen—dazu— so hofft der Redner—werde Keiner der Versammlung die Hand bieten wollen. Es sei dies der gefährlichste Eingriff in das religiöse Leben der Gemeinde. Nach dem gestellten Antrag wäre der Rabbiner Lehrer, und die Gemeinde Hörer der Religion. Welche Folgen lassen sich erwarten, wenn der Rabbiner in religiösen Dingen blos Rathgcber ist, ohne die Mittel zu besitzen, auch praktisch wirksam sein zu können. Bei der Leichtfertigkeit aus dem religiösen Gebiete, wie sie bei vielen Israeliten zur Mode geworden, sei cs unverzeihlich, wie man den Rabbiner, der für die Integrität des Judcnthums einsteht, vom Brette zu spielen sucht. Der Redner wollte sich gefallen lassen, wenn man dem Rabbiner schwerere Pflichten auslcgte, wenn man seine Rechte beschränkte; — doch das Interesse des Judenthums verkürzen, kann er nicht schweigend mit ansehen. Er schließt mit der Erklärung, er stimme mit Dr. Kämpf. Zugleich will er auch, daß Weh li's Amendement bei 8. 88 zur Abstimmung gebracht werde. — Hiller meint, man müsse 8. 75 nothwcndiger Weise mit §. 29 vergleichen, nach welchem der Vorstand alle Angelegenheiten zu verwalten habe. Der Redner stimmt mit Ur. Kampf und erklärt sich auch mit We hli einverstanden.— Rapaport hat das Wort. Der Redner beginnt mit der Erklärung, daß er wenn tz. 75 fällt, sich jeder fernem Abstimmung enthalten und vielleicht gar nicht mehr wicdcrkemmcn werde. Es handele sich hier nicht um Rabbiner und Vorstand, sondern um die Gemeinde, um ihre heiligsten Interessen, um ihre religiöse Zukunft. Ein solch zerstörendes Prinzip, wie das, „daß Ausschuß und Vorstand in religiösen Angelegenheiten zu beschließen haben", sei bisher beispiellos in der Geschichte des Judenthums; wenn cs zur Geltung gelangen sollte, so wäre cs um das Judcnthum geschehen. Der Redner fürchtet, man würde auswärts glauben, cs säßen hier nur Männer des Umsturzes und der Zerstörung alles religiösen Glaubens. Und warum solle denn nicht der Rabbiner Organ seiner Gemeinde in ihren religiösen Angelegenheiten sein können? Habe man ihn doch sogar zum Gcwissensrath und Seelsorger machen wollen! Verstehe man aber unter Organ „Autokrat", so sei dies ein gewaltiger Jrrthum; Organ heiße „Werkzeug", wodurch Etwas zu Stande gebracht werde, z. B. — wie im vorliegenden Falle — die Meinung, der Wunsch oder Wille einer Person oder Körperschaft zum lebendigen Ausdruck einem Andern gegenüber gelange. Gerade wenn der Rabbiner zum Organ seiner Gemeinde bestimmt wird, ist er an deren Willen mehr als sonst gebunden, und ist jeder Autokratie am Sichersten vorgebeugt. Geschehe dies nicht, so müsse cs zu einem Zentralorgan kommen, was allgemein als ein großes Unglück betrachtet werde. Schließt sich übrigens dem Amendement Kämpfs an. «Fortsetzung folgt.) Rußland. Aus Polen, 25. Juni. (Bresl. Ztg.) Im Laufe d. M. hat in ganz Polen eine Superrcvision der militärpflichtigen Mannschaften stattgefunden, woraus man folgern will, daß auch die Aushebung der hierzu designirten Mannschaften, welche sonst gewöhnlich im November und Dezember erfolgt, in diesem Jahre früher eintrcten wird. Auch vermuthet man, daß in diesem Jahre stärker rekrutirt wird, wie bisher. Besonders strenge Maßregeln sind zur Ueberwachung der militärpflichtigen Mannschaften bei den Juden getroffen worden. Nicht nur, daß man ihnen bereits androhte, an ihrer Stelle, wenn sie flüchtig würden, deren selbst unmündige Angehörige einzuziehen, sondern cS ist auch denjenigen Gemeinden, in welchen die konskribirtcn Juden ihren Wohnsitz haben, aufgetragen worden, über dieselben zu wachen, weil sonst die betreffende Gemeinde für jeden flüchtig gewordenen konskribirten Juden, wenn an seiner Statt aus dessen Familie keine geeigneten Personen einzuziehen wären, 3—4 Mann mehr Kvnskribirte liefern muß. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. TinTTiii wmmmmwmywmmaam—B'j Joseph Iohlson. I Nekrolog. *) | Es ist ein Gefühl des Schmerzes und der Wehmuth, das uns ergreift, wenn wir im Geiste eine Zypresse pflan- *) Aus der Didask.

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