Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 30 (21.7.1851)
- Date
- 1851-07-21
- Page
- Seite 354 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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354 8. Februar, geschrieben, daß die oldenburgische Verfassung uns oldenburgischen Juden das bringt, was uns durch die Grundrechte, deren Publikation hier stattgefunden, gesichert ist. Darin wurde auch hervorgchoben, daß diese Verfassung nur hinsichtlich des Schulwesens etwas Näheres bestimmt, daß nämlich in der künftigen Oberschulbehörde alle Konfessionen vertreten sein sollen. Man begann, nach jenem Zeitungsartikel, damals schon im hiesigen Lande, besonders in der Residenz, mit der Reorganisation des Schulwesens. — Zwei und ein halbes Jahr sind seitdem beinahe verflossen, die Reorganisation des Schulwesens läßt noch immer auf sich warten. Es ist dies wol allein nur dem sehr häufigen Vertagen und Auflösen des Landtags zuzuschreibcn; so wie überhaupt, daß die uns in unserer Verfassung zugesicherten Gesetze sehr langsam zur Ausführung kommen. Doch in keiner andern Beziehung können wir Juden Oldenburgs uns beklagen, es findet von Seiten unserer christlichen Mitbürger durchaus keine Zurücksetzung statt. So geschah es, daß am 20. v. M. in der in hiesiger Stadt stattgefundenen Stadtrathwahl abermals ein Jude, Leffmann Samuels, mit überwiegender Majorität in den Stadtrath gewählt wurde. Es ist dies der zweite Fall, der im Oldenburgischen vorgekommen, und beide Fälle in hiesiger Stadt. Sehr leicht ist die Toleranz der hiesigen Bürger daran zu erkennen, daß in den Stadtrath, welcher aus 12 Personen besteht, zwei Juden sitzen; denn nach der letzten Volkszählung des Jahres 1850 enthalt die Stadt Jever 3775 Seelen, darunter 139 Juden, also auf 27 Seelen etwa ein Jude. — Auch besteht in hiesiger Stadt ein Schützenkorps, worunter einige Juden sind. Am Isten Psingstfeiertag jeden Jahres macht dies Schützenkorps einen Ausmarsch aus der Stadt, wo dann die Wahl der in dem letzten Jahre entstandenen Vakanzen der höheren Chargen vorgenommen wird. In diesem Jahre hatte das Korps unter Anderm zwei Lieutenants zu wählen und erhielt ein Jude, A. Mendelsohn, als Solcher die mehrsten Stimmen. Der jetzige Schützenkönig, welcher in diesem Jahre beim Schießen nach der Königsscheibe den besten Schuß gethan, ist auch Jude. Die Leser dieses allgemein geschätzten Blattes werden hieraus schließen können, daß wir Juden im Großherzogthum Oldenburg völlig emanzipirt sind. Der Jude lebt hier frei und ungenirt, ob religiös oder nicht, darum kümmert sich Keiner; die Kirche ist, im hiesigen Lande, vom Staate getrennt. J. H. Frankfurt, 4. Juli. (Köln. Ztg.) Die gestern Abends stattgehabte Beerdigung einer in gemischter Ehe einem Deutsch-Katholiken angetrauten Israelitin bot die Eigenthümlichkeit dar, daß der christliche (deutschkatholische) Geistliche, vr. Floß, und der Rabbiner Di-. Stein, gemeinsam den Leichenzug führten und auf dem israelitischen Friedhofe der Reihe nach Bortrage hielten, die, der Duldung und Menschenliebe gehalten, keinen der vielen christlichen und israelitischen Zuhörer ungerührt ließen. Ein Fall dieser Art, der in Frankfurt und vielleicht in Deutschland ohne Beispiel dastcht, dünkt uns wol der Erwähnung werth; er tröstet bei so manchen traurigen Erscheinungen des entgegengesetzten Geistes in unserer Zeit. Aus dem Pofenfchen, 9. Juli. (Privatmitth.) Ein großer LH eil der Gemeinde Schlimm hat am 4. d. M. ein neues Gotteshaus eingeweiht. Die damit verbundene Feier war sehr einfach. Nach der Pos.Zeitung hat der Oberrabbiner von Posen, nach mündlichen Mittheilungen aber, die uns von Reisenden gemacht worden, Herr Prediger Pleßner die Einweihungsrede gehalten. — In Birnbaum soll auch nächstens das neu erbaute Gotteshaus eingeweiht und dann auch ein zeitgemäß gebildeter Kantor, so wie ein Prediger angestellt werden. — Schwersenz freut sich, seinen Rabbiner wieder zu behalten; da derselbe, wie bekannt, nicht nach Hamburg geht. — In Lissa entwickelt der neue Vorstand eine ausgezeichnete Lhätigkeit und giebt dadurch der Hoffnung Raum, daß es dort mit der Zeit doch einmal anders, d. h. besser werden dürste. — In Erin macht die Reformgemeinde wenig Fortschritte. — In Krotoszyn ist noch immer kein Prediger angestellt. Oesterreichischer Kaiserstaat. Pesth, Anfang Juli. Aufsehen macht in Pesth die oktroyirte israelitische Kultuskommission, welche an die Stelle des aus der Wahl der Gemeinde hervorgegangenen Vorstandes ernannt wurde. Horzie, 25. Juni. Die „Prager Zeitung" meldet: Unsere in industrieller und philantropischer Beziehung rühmlich bekannte Vaterstadt hat abermals den ihr seit lange zuerkannten Preis höherer Intelligenz