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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-07-21 · Heft 30 (21.7.1851) · p. Seite 351

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 30 (21.7.1851)
Date
1851-07-21
Page
Seite 351 (sequence 3)
Language
German
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351 welche eine seichte Ansicht des religiösen Lebens versucht. Das Judenthum steht jetzt dem theoretischen und praktischen Materialismus der Zeit gegenüber und gerade jetzt, wo es selbst eine neue Schale für den Kern sucht. Welche religiöse Richtung geben wir unserer Jugend, um den Verlockungen zu widerstehen? Hören wir die ferneren Antworten. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Palästina. Jerusalem, im Mai. (Privatmitth.) *) Ich nehme mir zum ersten Mal die Freiheit, vom heiligen Lande aus Ihnen zu schreiben; schon mehrere Jahre hege ich den Wunsch, daß das heilige Land in einem bessern Zustande sein möge, als gegenwärtig der Fall ist, und zwar daß mehr Tugend und Aufrichtigkeit hier unter unseren jüdischen Glaubensgenossen herrschen und «ristiren möge. Ich wünsche zugleich, daß daß das heilige Land doch als echte und wahre Heiligkeit erkannt werde, aber die Fehler der hiesigen Orthodoxen frei und frank geschildert werden, da ich doch selbst als ein eifriger Orthodoxer auftrete, und wünsche die Echtheit unsers Talmuds unseren Glaubensgenossen im heiligen Lande besser einzupflanzcn, wie es leider bis jetzt während meines zwanzigjährigen Aufenthalts allhier der Fall war. Ich wünsche gern zuweilen ein Heftchen herauszugeben und zwar in der deutschen Sprache, welches nur für das Wohl des heiligen Landes handeln soll. Unparteiisch trete ich auf und verkünde das Gute wie auch die Laster von Erez Jisrael, besonders von ihren Führern und Leitern; ich suche Hilfe und Interesse mit Rath und That, nicht nur von unseren braven deutschen Brüdern in Deutschland, sondern auch von mehreren gebildeten Staaten Europa's, welche sich für das heilige Land interessiren werden, um hier eine deutsche Gemeinde zu bilden, welche fromm als Talmudisten leben sollen. Zu diesem Behufe habe ich schon bereits den Anfang gemacht. Es wäre mir lieb, wenn Sie mir einen gelehrten Mann könnten ausfindig machen, um mein *) Wir theilen Folgendes wörtlich aus dem an uns gerichteten Schreiben mit, ob sich vielleicht ein junger Gelehrter für die Sache interessiren wolle. Redakt. Merkchen und die folgenden Hefte Willens Gott an das Tageslicht zu schaffen. Ich bin arm und kann keine Ausgaben darauf machen. Mein Schreiben ist nicht die echte reine deutsche Sprache, daher braucht es Mühe und Arbeit meine Papiere in's Reine zu bringen. Ich glaube bestimmt, daß die jüdischen Gemeinden allhier allmälig blühender werden können, als gegenwärtig. Andere Konfessionen neben uns bieten uns Trotz im heiligen Lande, und zwar weil Ordnung von beiden Seiten, sowol von Seiten Europa's, als von Seiten der Hiesigen beobachtet wird, die Wahrheit bekennen, und Rath und That von jedem Menschen suchen, während leider die hiesigen großen Führer des Hauses Israel in größtem Gcheimniß ihr Amt ausführen, und suchen die Wahrheit zu unterdrücken; dies ist die Basis ihrer Fehler, welche nicht zu ändern ist, bis wirklich das Geheimniß für Europa gebrochen wird. Moses Sachs aus Meiningen. Deutschland. München, 4. Juli. (Privatmitth.) Mehr als in jenen Ländern, wo in Folge der Ereignisse des Jahres 1848 die völlige Emanzipation der Juden entweder stürmisch, ja beinahe gewaltsam eingeführt wurde, oder wo es im Plane der nach neuen Grundsätzen handelnden Staatsregierung lag, die zahlreichen unter Einem Szepter vereinigten Nationalitäten zu amalgamircn und die Judenemanzipation nur Folge allgemeiner, der neuen Staatsklugheit entsprungenen Maßregeln war, verdient Baiern in Bezug auf die politische Stellung der Juden die volle Aufmerksamkeit, nicht nur desjenigen, der sich überhaupt um Unsere Verhältnisse interessirt, sondern auch des Forschers der Kulturgeschichte. Es ist bekanntlich bei uns die im Jahre 48 stürmisch geforderte und in zwei königlichen Proklamationen und einer Thronrede zugesagte Judenemanzipation in der Kammer der Reichsräthe im Jahre 50 vorzüglich deshalb nicht durchgegangen, weil eine gewisse Partei alles vom Volke in Anregung Gebrachte, wenn gleich von der Regierung feierlich Zugesagte mit Eifer abzuwenden sich bestrebt. Alles was daher in Bezug auf Verbesserung der jüdischen Verhältnisse in Baiern bereits zugesagt wurde, oder in nächster Zukunft noch zu erwarten ist, muß der erwachten Humanität und fortschreitenden Kultur

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