Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 29 (14.7.1851)
- Date
- 1851-07-14
- Page
- Seite 346 (sequence 10)
- Language
- German
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346 Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Ueber die Ehe nach Sohar und Talmud. Nachstehendes lehrt der Sohar über die Ehe: „Alle Seelen und Geister bestehen, bevor sie in diese Welt eintceten, aus einem Manne und einem Weibe, die zu einem Wesen vereinigt sind; wenn sie auf die Erde herabsteigen, scheiden sich die zwei Halsten und beleben verschiedene Körper. Wenn es zur Herrath kommt, verbindet sie Gott, der alle Seelen und Geister kennt, so wie sie früher waren, und sie machen dann wieder einen einzigen Körper und eine einzige Seele aus." (Sohar Th. I. 91 b.) So eigmthümlich diese Idee uns auch erscheinen mag, so daß man nicht mit Unrecht eine Bekanntschaft mit den Androgynen Plato's gemuthmaßt hat; so haben wir doch bereits früher die Vermuthung ausgesprochen *), daß der Keim dieser Lehre auch im Talmud enthalten sei. Wahrend der Talmud von der ersten Ehe sagt, daß sie schon lange vor der Geburt beschlossen sei, behauptet er von der zweiten Ehe, sie sei so schwierig (dem gewöhnlichen Laufe der Natur zuwider), wie die Theilung des Rothen Meeres. (Sanhedrin 22 b.) — Scheint nicht in diesem Unterschiede zwischen einer ersten und zweiten Ehe der Gedanke jener Seelenverschwisterung, oder — um mich des Ausdrucks des Sohar zu bedienen — jener Seelenehe zu liegen? Was hielte sonst den Talmud ab, die himmlische Prädestination auch auf die zweite Ehe auszudehnen? Warum betrachtet er eine so naturgemäße Verbindung, wie die Ehe an sich ist, beim zweiten Male für so naturwidrig, daß er sie nur einem göttlichen Wunder zuschreiben zu können glaubt? (yiv ü'' Es ist daher wenigstens sehr wahrscheinlich, daß der Talmud mit seinen Lehren über die Ehe Vorstellungen verband, die den kabbalistischen Theorieen über diesen Punkt nicht unähnlich sind. Diese Vermuthung wird noch mehr bestärkt, wenn wir . eben dieses Bild, dessen sich der Talmud bedient, um das Naturwidrige bei der zweiten Ehe zu bezeichnen, näher in's Auge fassen. Wem fällt nicht ein, daß es ein hinkender Vergleich sei, die Theilung des Meeres (also Trennung des naturgemäß Verbundenen) der Schließung einer Ehe (also Verbindung des bisher Getrennten) gegenüberzustellen? Das Schiefe dieses Bildes bewog in der That dm Vers, des Da rasch Mosche (toi. 120 a.) das Wort invn uneigentlich zu verstehen und zu sonstigen Subtilitaten Zuflucht zu nehmen. Denkt man aber bei Schließung einer zweiten Ehe an eine Trennung der naturgemäß verwandten und somit unzertrennbaren Seelen (Androgynen), an eine Auflösung der himmlischen Seelenehe, so findet man das Bild (n2i*ip5 NDpi syiö ü1') angemessen. Schwersenz, 3. Juli 1851. Dr. Joel. Literarische Nachrichten. Aus der Altmark, im Juli. Jüdische Er- Zahlungen von Simon Krämer, öffentlichem Lehrer und Verfasser mehrerer Volksschriften. Nürnberg, 1851, Ebner'sche Buchhandlung. 140 S. 8. Diese Erzählungen sind nach Form und Tendenz eine Fortsetzung der „Bilder aus dem jüdischen Volksleben" von demselben Verfasser. Es sind drei kleine Novellen: „Proselytenmacherei und Tyrannei" soll die alte Zeit, „Sieben Begegnisse am siebzehnten Thamus" die Uebergangsperiode und die dritte „Frankenheim" die Neuzeit zur Darstellung bringen. Wir haben uns über diese Erzählungen sehr gefreut. Der Verf. verräth viel Talent zur Invention und Darstellung. Die Sprache ist überall rein und fließend, einfach und ansprechend. Solche Erzählungen sind mehr als alle Kasualpredigten geeignet, den jüdischen Leser für seinen Stamm und seine Religion zu begeistern und wirken praktisch mehr für wahre Emanzipation, als viele Emanzipationsfchriften u. dgl. Wir empfehlen diese Erzählungen des wackern Krämer angelegentlichst allen Freunden der Volksliteratur, kein Gebildeter wird sie ohne Spannung lesen und ohne Befriedigung aus der Hand legen. Eltern empfiehlt sich das Merkchen zum passenden Geburtstagsgeschenk für Söhne und Töchter. U. Korrespondenz. Schwerfen;, 1. Juli 1851. In No. 26 Ihres geschätzten Blattes wird in einem Korrespondenjartikel aus Hamburg die halb ernste, halb ironische Vermuthung ausgesprochen, daß man von einer gewissen Seite her in meinem Werke „die Religions- Philosophie des Sohar" wol ein «b« •’ittm trs» 'ih'Z *) S. Religionsphilosophie des Sohar S. 106.