Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 29 (14.7.1851)
- Date
- 1851-07-14
- Page
- Seite 345 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225714-3225744--11848-3241982- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
345 wenig vertreten ist und Kolonisirungen sich so rasch nicht bewerkstelligen lassen, ihre Resultate erst spät zur Reife kommen. Der russischen Regierung ist dies wol theilweise bekannt, und darum erhält sie das Gesetz, welches die Auswanderung verbietet, selbst den Juden gegenüber, die ihr doch überall im Wege zu sein scheinen, fest. Doch die Noth ist erfinderisch, und die sich einander überstürzenden beschränkenden Ukase werden wol nicht alle Juden zum Eintritte' in die Hallen der rechtgläubigen griechischen Kirche zwingen, sondern sie veranlassen, mit Hab und Gut sich über die Grenze zu flüchten. Das Ausland wird trotz Kartellen und Verträgen schon Ausflüchte finden, um die fleißigen Hände, die noch dazu ein volles Säckel mitbringen, bei sich zu behalten. Schon haben sich manche reiche Rabbiner geflüchtet, weil sie natürlich den von ihnen verlangten Revers nicht ausstellen können, daß sie dafür Bürgschaft leisten, die von ihnen getrauten Frauen werden ihr Kopfhaar nicht abschneiden. Den Rabbinern werden die reichen Kornjuden folgen, weil ihnen der Branntweinhandel sowol en gras wie en detail verboten wurde. Die verlangte solidarische Verantwortlichkeit wird natürlich gleichfalls viele Israeliten zur Emigration zwingen, ebenso wie die künstliche Vertheuerung des Fleisches, da es nun, wie cs heißt, verboten sei, das Trefefleisch an Christen zu verkaufen, sondern die Juden es geradezu vergraben sollen, weil doch das Trefefleisch, wenn die Juden es nicht genießbar finden, auch für Christen schädlich sein muß. Solche theils in das Familien-, theils in's Handels-, theils in's Rcligionsleben eingreifende Ukase müssen die Emigration en müsse bewirken. (C. Bl. a. B.) Amerika. New-Nork, 29. Mai. Herr Warden Cresson aus Philadelphia, ein reicher und vornehmer Mann, war für Syrien zum Konsul ernannt worden. Während seines Aufenthalts im Orient überzeugte er sich von der Reinheit der Dogmen des Judenthums und in Jerusalem ging er zu dieser Religion über. Als er in sein Vaterland zurückkehrte erhob seine Familie Klage wider ihn als von Geistesabwesenheit befallen. Die Untersuchung entschied zu Gunsten der Bittstelleriir, Madame Cresson, indem sie ihn für geistesabwesend erklärte. Herr Cresson appellirte gegen die Entscheidung und hat gesiegt. Der Richterspruch ist im Monat Mai im Tribunal der 6ommc»n Haids in Philadelphia ergangen. Das Geschworengericht, welches ganz aus Christen zusammengesetzt war, hat durch seinen Ausspruch den Prinzipien der bürgerlichen und religiösen Freiheit, auf denen die amerikanische Konstitution gegründet ist, gehuldigt. Unter den Zeugnissen zu Gunsten des Appellirenden befand sich eine Aussage des verstorbenen Herrn Noah, dessen Charakter vor jedem Verdacht geschützt ist, und welcher den Herrn Cresson als einen Mann von ausgezeichnetem Geiste darstellte. Aehnliche Atteste sind von dem vr. Detruets, von dem Rev. S. M. Jsaacs, S. Abraham und anderen ausgezeichneten Personen ausgestellt worden. Wir hören, daß Herr Cresson die Absicht hat, nach Jerusalem zurückzukehren. (Jew. Chron.) San Francisco, 30. April. In meinem früher» Briefe vom 21. März berichtete ich Ihnen von der hier stattsindenden Bewegung, eine Synagoge zu erbauen; aber dieser Gegenstand bewahrte die Eintracht nicht, wie es wünschenswerth war; nationale Antipatien traten dazwischen und vereitelten die Bereinigung, welche unter den hiesigen Israeliten, deren Zahl nicht allzugroß ist, und die meist aus Kaufleuten bestehen, welche jahrelang in den südlichen und südwestlichen Staaten zugebracht haben, so wohlthätig gewesen wäre. Das Ende vieler Privatverhandlungen und eines stürmischen öffentlichen Meetings war die Gründung zweier Gemeinden, von denen eine bereits inkorporirt ist. Dieser letzte Umstand brachte noch etwas Eigenthümliches mit sich. Der fromme Sir Moses Montesiore sandte dem Herrn Davidson, dem Agenten des Hauses Rothschild stn Kalifornien, ein werthvolles min idd, mit prächtigen goldenen Behängen, als eine freie Gabe für die erste Gemeinde, welche in San Francisco etablirt würde. Obgleich nun bis jetzt eine Gemeinde zu gemeinsamen Gebete bestand, aber nicht inkorporirt war, so mußte diese nun das schöne Sepher an die deutsche Gemeinde herausgeben. Diese Letztere besitzt bereits 5000 Dollars Baufonds. (Asm«».) 29*