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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-07-14 · Heft 29 (14.7.1851) · p. Seite 344

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 29 (14.7.1851)
Date
1851-07-14
Page
Seite 344 (sequence 8)
Language
German
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344 die Sache der Glaubensfreiheit außerhalb des Parlaments im Schooß« des Volks selbst, einen neuen Sieg erfochten. Alderman Salomons nämlich, derselbe, welcher der erste jüdische Scheriff in England war, derselbe, welcher der erste Alderman war — ist mit einer in den Annalen von Greenwich noch nie dagewesenen Majorität für den dortigen Wahlbezirk zum Parlamentsmitgliede gewählt. In seiner Ansprache an die Wähler sagte er unter unter Anderen: Erwerbe die Sache der politischen Emanzipation seiner Glaubensgenossen mit ebenso gutem Willen, aber mit mehr Mzrth, als Baron Rothschild verthcidigcn. — Er ist nämlich mit 2165 gegen 1278, also mit einer Majorität von 887 Stimmen gewählt. — Bei Gelegenheit der heutigen amtlichen Bekanntmachung des Wahlresultates erklärte der Gewählte, er werde sich im Laufe der nächsten Woche in's Unterhaus begeben, um dort seinen Platz als Vertreter von Greenwich einzunehmen. Außerdem äußerte er, wie sich aus seiner Wahl abnehmen lasse, was die Gesinnung des Volkes in Betreff des Grundsatzes der Religionsfreiheit sei. — Alle Welt zerbricht sich daher den Kopf um zu errathen, wie er, seiner Erklärung gemäß, der Entscheidung des Oberhauses zuvorkommen und auf Grund einer Parlamcntsakte von 1846 seinen Sitz im Unterhause ohne den Eid auf den „wahren Glauben eines Christen" einnehmen will. —. Der Asmon. enthält von London aus folgenden Artikel: In derHauptstadt ist das Amt des Oberrabbiners nicht so leicht, wie man es sich einbilden mag. Daselbst sind Parteien, welche laut die Reform im Gottesdienste verlangen, und der orthodoxe Oberrabbiner hat zaudernd und kämpfend in einigen Punkten nachgegeben, aber die Ultrareformpartei ist dadurch nicht befriedigt. Er ist beigetreken der Abschaffung aller Piutim an den Festtagen, ausgenommen Jom Kipur, so wie der Trennung des Morgengottcsdienstes am Sabbat. Aber er will nicht die geringste Abkürzung eines der Gebete gestatten. Dabei ist es besonders inkonsequent, daß er diese Reformen für die Zweigsynagoge in West-End, aber nicht für die alte Synagoge auf Dukes-Place bewilligt hat. Man sieht natürlich hieraus, wie ungern der Rabbi zu Reformen schreitet, während diese Woche auf einem Meeting der großen Synagoge ganz entgegengesetzte Beschlüsse gefaßt wurden. In der Thal, ich bedauere den vr. Adler. Er ist ängstlich, allen Parteien zu genügen, da er ein Mann des Friedens ist—aber er findet draußen die Unmöglichkeit, Allen zu genügen. Ich kann aus guter Quelle versichern, daß seine obige Entscheidung nur sehr Wenige befriedigt hat, da ein großer Theil gegen alle Reform, und für den andern Theil dies ungenügend ist. Aber — er hat angefangen und darum muß er weiter. Fr au kr eich. Paris, 1. Juli. Die Orgel, die jetzt in dem restaurirten Konsistorialtempel eingeführt werden soll, ist bereits von den portugiesischen Juden in ihrem vor Kurzem eingeweihten Tempel in der Straße Lamartine eingeführt und sowol am Sabbat wie an den Festtagen im Gebrauch. Nicht minder ist die Orgel schon längere Zeit in Nancy, Marseille und Lyon in Anwendung. Der jetzige Großrabbiner des Zentralkonsistoriums, Ennery, sprach sich in seinem Schreiben an seine Wähler, als er sich um diese Stelle bewarb, für die Orgel aus; jetzt freilich möchte er gern eine kleine Schwenkung machen. (Nach den Arch. isr. de Fr.) Rußland. (Schluß aus No. 28.) Von der russisch-bukowinaerGrenze, 13. Juni. Ich habe Ihnen schon ein paar Mal von der Verfolgung geschrieben, die in der jüngsten Zeit die Bekenner des alten Testaments im russischen Reiche zu erdulden haben. Sie werden mich entschuldigen, wenn ich trotzdem wiederholt aus diesen Gegenstand zurückkomme, da er mir von historischer Wichtigkeit erscheint und vielleicht für die westlichen Gouvernements dieselben Folgen haben könnte, wie die Verbannung der Juden aus Spanien unter dem katholischen Ferdinand und Isabelle für dieses Land gehabt. Es ist unleugbar, daß im volhynischen, kamienitz-podolsker, kiewer, pultawer, czernigower, wie in den lithauischen Gouvernements und in Bessarabien, ebenso im Königreiche Polen die Juden die größtentheils alleinstehenden Repräsentanten des Verkehrs, des Handels und der Industrie sind. Der Abgang der Juden aus diesen Theilen des russischen Reiches käme einer Stockung des Verkehrs, einem Rückfalle in die Barbarei gleich, da der christliche Mittelstand dort sehr

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