Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-07-14 · Heft 29 (14.7.1851) · p. Seite 340

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 29 (14.7.1851)
Date
1851-07-14
Page
Seite 340 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225714-3225744--11843-3241977
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

340 jede Erscheinung z. B. Ln der Natur, auf die er am Meisten rekurrirte, Offenbarung eines Gesetzes wäre, einer Gesetzmäßigkeit unterworfen sei und daß aber wo Gesetzmäßigkeit wäre doch überhaupt kein Zufall stattft'nden könne, so half mir dies Alles nicht. Da aus solchen Disputationen wenig herauskommt und übrigens die Bespecstunden schon lange vorbei waren, so brach ich das Gespräch ab und wir schieden, wie immer, in Freundschaft und Liebe. Es wird dich, dachte ich, noch ein Zufall zur Erkenntniß führen. Aber, sagte ich mir, da sind ja alle drei Kategorieen und Richtungen der Zudenheit hier vor dir vorübergegangen? Und du, sagte ich nach einer Weile zu mir, gehörst zu der vierten, denn außer dem rabbinischen und talmndischen Jüdenthum stehend, das du zwar hochachtest, dessen Aufgabe du aber für erloschen hältst und an den du nur eine neue konkrete Gestaltung des Judenthums angeknüft sehen möchtest, hat nur das heilige Wort für dich Bedeutung, heiliges Wort und heilige Schrift, weil sie uns das innere Heiligthum unsers eignen Gemuthes enthüllet mehr als jede andere, weil sie das Eigenthum deines Stammes ist und die Aufgabe desselben enthält — weit sie die religiöse Idee tragt und enthalt, weil sie vom göttlichen Geiste durchwehet, vom Geiste der Religion diktirt, den Geist der Religion auch athmet und aushaucht, denn selbst das Gesetz Mosis kannst du nicht in allen Stücken halten und mußt vom Buchstaben abweichen, weil dich die Zeit dazu zwingt. Du hast den Sabbat in dir und unter deinen Linden gefeiert, aber eben kommen ja drei Leute mit dem ersten Wagen Heu herein und haben sich abgemühet — am Sabbat. Wie aber erziehst du deine Kinder in dieser Zeit, wie erziehst du sie zu wackeren Trägern der heiligen Lehre und doch den Verhältnissen und Aufgaben der Zeit angemessen, wie schaffet ihr durch die Jugend eine neue Gestaltung herbei? (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, J. Juli. Nach den Bestimmungen der früher» ständischen Gesetzgebung ist die Theilnahme an der Vertretung abhängig von der Gemeinschaft mit einer der christlichen Kirchen. Da für die früheren Kreis- und Provinzialstande, welche als interimistische Kreis- und Provinzialvertretung auf Grund des Art. 67 der Kreis-, Bezirks- und Provinzialordnung vom 11. Mai 1850 berufen sind, aber nur die Normen und Bestimmungen dieses Gesetzes Anordnung finden können, so hat der Herr Minister des Innern, um etwaigen Zweifeln der betreffenden Behörden zu begegnen, eine Verfügung erlassen, welche die Beschränkung aufhebt und auch die Juden zur Wählbarkeit in die kreis- und provinzialständische Vertretung befähigt. Stuttgart, im Juli. (Eingesandt.) Ordnung und Anstand beim Gottesdienste ist das erste Bedürfniß, um andächtig vor Gott stehen zu können. Leider wird häufig weder Ordnung noch Anstand in den israelitischen Gebcthäusern gesunde. Man sollte glauben, daß in einer Gemeinde wie Stuttgart, dem Sitze derkönigl. israelitischen Oberkirchenbehörde, jenes erste Bedürfniß befriedigt würde. Doch weit davon entfernt, wird selten eine Synagoge getroffen werden, in welcher es — leider muß ich das scharfe Wort gebrauchen — so skandalös beim Gottesdienste hergeht, wie eben hier. Während der Vorsänger andächtig die Gebete verrichtet, sehen Sie Gruppen von Männern, welche sich ganz gemüthlich mit einander unterhalten, Sie hören ein Summen, gerade als ob Sie auf dem Marktplatze stehen würden. Das *>3sso 5*i lai» »ns *>73 kömmt da gar nicht in Betracht. Es ist hier blos von dem Gottesdienste an den Festtagen die Rede, denn am ra» ist Gruppirung und Gesumme unmöglich, da — in einer Gemeinde von über 70 Familien — beinahe kein *p373 in der Synagoge zu treffen ist.? 13w 82** *>*>873 Von der Oberkirchenbehörde oder von dem Kirchenvvrsteheramte haben wir wenig zu erwarten; denn, wenn beide Korporationen schon so lange Nichts für unser Bestes gethan, was werden sie jetzt, so spät noch ihre Kräfte für uns anstrengen? Hat ja die Oberkirchenbehörde Nichts für uns geschaffen, so lange sie besteht, als die „Synagogenordnung", aber — keine Ordnung in der Synagoge. Stemmt sich doch das Kirchenvorstehcramt und besonders das geistliche Mitglied desselben mit allen Kräften gegen deutschen Gottesdienst, mit Gesang und Orgelbegleitung, während andererseits die Knaben, um die N2N2 am Konsirmationstage sagen zu können, sich dieselbe mit lateinischen Lettern aufschreiben

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.